Theatergruppe Seon
Urgestein Ueli Lüscher wurde bereits als Zwerg "vom Theatervirus gepackt"

Die Theatergruppe feiert ihr 40-Jahr-Jubiläum – Ueli Lüscher ist das Urgestein und schon seit 51 Jahren dabei.

Fritz Thut
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Theatergruppe Jubiläum Seon

Theatergruppe Jubiläum Seon

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Szene aus «Gäld regiert d’Wält» im Jahre 1965 mit Ueli Lüscher (rechts).

Szene aus «Gäld regiert d’Wält» im Jahre 1965 mit Ueli Lüscher (rechts).

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Angefangen hat alles 1965 mit dem Auftrag, einen «Bunten Abend» zu organisieren. Der Auftrag von Pfarrer Martin Fiedler an die Mitglieder der «Jungen Kirche» hatte nicht den gewünschten Effekt. Den Jungen fiel nichts «Buntes» ein, sie schlugen jedoch auf die Schnelle vor, ein Theater einzuüben. Beim Verlag Breuninger in Aarau wurde das Stück ausgewählt: «Gäld regiert d’Wält».

An vorderster Front schon damals dabei: Der 16-jährige Ueli Lüscher aus dem Dorfteil Retterswil. Er spielte die Hauptrolle. Den Grossvater. Mit 16 Jahren? Lüscher schmunzelt. «Auf ‹alt› schminken kann man jeden. Umgekehrt geht nicht.» Deshalb falle er heute, im Pensionsalter, als «jugendlicher Liebhaber nicht mehr in Betracht».

Nach einigen Jahren Pause gibt Ueli Lüscher heuer, zum 40-Jahr-Jubiläum der Theatergruppe Seon, ein Comeback auf der Bühne: «Sie haben einen alten Mann gesucht.» Um Eugen Hammerschmidts Erbe entwickelt sich ein Kriminalfall (siehe Text rechts). Nach total 37 Proben ist am Samstag Premiere.

Multifunktionales Urgestein

Nach 10 Jahren Theaterproduktionen der «Jungen Kirche» und Meinungsverschiedenheiten mit Pfarrer Fiedler wurde am 20. März 1976 die Theatergruppe Seon gegründet. Und auch hier hatte Ueli Lüscher verschiedene Schlüsselpositionen inne: 26 Jahre war er im Vorstand, davon 16 Jahre als Präsident.

Der Öffentlichkeit besser bekannt ist Lüscher als Akteur auf der Bühne. Geprägt hat er zudem unzählige Produktionen als Regisseur. Als multifunktionales Urgestein legte er stets grossen Wert auf einen grossen Grad an Professionalität. Er selbst besuchte etliche Regiekurse, schaute für die Weiterbildung der Mitglieder an Sprech- und Atemkursen.

Nicht zuletzt deshalb legt man bei der Theatergruppe Seon Wert auf die Unterscheidung zwischen Amateur- und Vereinstheater. Die noch höhere Stufe kam allerdings nicht in Frage: «Theater als Beruf stand nie zur Debatte. Das erschien mir als unsicherer Job und wäre wohl auch Selbstüberschätzung gewesen», stellt der ehemalige Ingenieur und Gewerbeschullehrer seine Leidenschaft unter den Scheffel.

Wohl seit er in der 4. Primarschulklasse einmal einen Zwerg spielte, ist Ueli Lüscher «vom Theatervirus gepackt». Dies spürt man bis heute: «Es macht eine riesige Freude, mit andern Leuten zusammen etwas zu erschaffen. Beim Theaterspielen entdeckt man zudem Fähigkeiten, die man sich und andern nicht zugetraut hätte.»

Keine reine «Schenkelklopfer»

Lüscher verschweigt nicht, dass die Theatergruppe «eine Zeitlang Durststrecken durchmachte». Doch heute stimmt der Bestand wieder. Bei der subtil vorgenommenen Auswahl der gespielten Stücke blieb man sich stets treu. «Wir sind nicht auf ein bestimmtes Genre begrenzt. Reine Schenkelklopfer-Stücke schliessen wir aber aus – das überlassen wir den Vereinstheatern. Wir suchen Stücke, die zum Nachdenken anregen, bei denen es aber an Humor nicht fehlt», so Lüscher. Mit der gewählten Mischung hat man offensichtlich den Nerv des Publikums getroffen. Ueli Lüscher: «Die Zuschauerzahlen stimmen immer.»

Auch diesmal bei der Jubiläumsproduktion hofft man wieder auf total 1300 bis 1500 Zuschauer an den fünf Erwachsenen-Vorstellungen.

Privatsekretär und Hausherr mit Flinte: Proben zum Stück «Laras Plan».

Privatsekretär und Hausherr mit Flinte: Proben zum Stück «Laras Plan».

MCH

Das Stück zum Jubiläum der Theatergruppe Seon überrascht

Ein temperamentvolles Schauspielerensemble macht die Krimi-Komödie «Laras Plan» zu einem grossen Vergnügen. Wie viel Freude die Theatergruppe Seon am Theaterstück zum 40-Jahr-Jubiläum des Vereins hat, macht ein Probebesuch deutlich.

Auf der Bühne redet sich Pitsch Dössegger in der Rolle von Carlos Mendoza um Kopf und Kragen. Der Privatsekretär der Villa Hammerschmidt wird vom Hausherren in ein Gespräch verwickelt, das durch seine Doppeldeutigkeit, die die Jagdwaffe in der Hand des alten Hammerschmidt und aufgrund des Hintergrundwissens des Publikums die Form eines veritablen Verhörs annimmt.

Im Zuschauerraum haben sich jene Akteure versammelt, deren Rollen gerade Pause haben. Sie verfolgen die Szene zusammen mit Regisseur Christoph Plaz aufmerksam, freuen sich ob der temperamentvollen Darbietung. Sie lachen, wenn Pitsch Dössegger der Angstschweiss auf der Stirne steht und sich der Schauspieler gefährlich nahe an ein Geständnis stottert.

In Seon, so scheint es, wissen sich die Schauspieler auch nach vielen Proben stets aufs Neue zu überraschen. Die Stimmung auf der Bühne und im Zuschauerraum ist ausgezeichnet. Und das ist die beste Voraussetzung dafür, dass «Laras Plan» ab Samstag auch für das Publikum zu einem grossen Vergnügen wird.

Die Begeisterung der Schauspieler zeigt sich auch im persönlichen Gespräch. Seit 2005 ist Manuela Dössegger Mitglied der Theatergruppe. «Ich spiele leidenschaftlich gerne Theater und geniesse es, auf der Bühne zu stehen. Obwohl ich das früher nie gedacht hätte.» Sie sagt, bei der Arbeit auf der Bühne entwickle sich die Gruppe zu einer grossen Familie.

In der Krimi-Komödie «Laras Plan» spielt Manuela Dössegger die Lara, die junge, hübsche Geliebte des alten und schwerreichen Eugen Hammerschmidt. Mit ihrer Ankunft in der Villa Hammerschmidt stellt sie die fest gefügten Verhältnisse auf den Kopf und lässt die Hausbewohner um ihr Erbe zittern.

Eine undurchsichtige Rolle spielt dabei der einäugige Butler James, verkörpert durch Kurt Däpp, der sein Debüt in der Theatergruppe gibt. «Meine Mitspieler haben mich super aufgenommen und ich weiss aus Erfahrung, dass das nicht selbstverständlich ist.» Kurt Däpp fühlt sich in der Theaterfamilie bestens aufgehoben. (Markus Christen)

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