Lenzburg
Sie war die erste Einwohnerratspräsidentin

Sie war Lehrerin und die erste Einwohnerratspräsidentin in Lenzburg. Am 20. Mai ist Frieda Wolleb mit 97 Jahren verstorben. Bereits im Pensionsalter stand Frieda Wolleb dem Gemeindeparlament 1988/89 während 12 Sitzungen, davon 6 Doppelsitzungen, vor.

Heiner Halder
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Frieda Wolleb, 1917–2014.

Frieda Wolleb, 1917–2014.

zvg

Sie war Lehrerin und die erste Einwohnerratspräsidentin in Lenzburg. Am 20. Mai ist Frieda Wolleb mit 97 Jahren verstorben. Bereits im Pensionsalter stand Frieda Wolleb dem Gemeindeparlament 1988/89 während 12 Sitzungen, davon sechs Doppelsitzungen, vor.

Bedeutende Geschäfte wurden in Serie verabschiedet: Reglement Musikschule, Neugestaltung Rathausgasse, Umbau/Renovation Bezirksgebäude, Hochwasserentlastung Aabach, Gleiserschliessung Industriegebiet Aabach, Projekt Kerntangente, Einführung Sackgebühr, Neubau Schiessanlage Lenzhard.

In der Abschiedsrede attestierte sie dem Ratsrund «parlamentarische Schicklichkeit in Wort und Ton – auch im Eifer». Ihre ruhige und überlegte Art der Amtsführung trug dazu bei, dass dem so war. Einzig die Ausführlichkeit von Voten zu den teils umstrittenen Geschäften veranlasste sie, die Ratsmitglieder zu mehr Selbstbeschränkung zu ermahnen.

Die «höchste Lenzburgerin» nahm ihre Repräsentationspflichten gern wahr. Und zog das Fazit: «Ich bin auf eine neue Art mehr zu Hause in Lenzburg; das ist etwas Beglückendes.» Als Mitglied der EVP wurde Frieda Wolleb 1982 in den Einwohnerrat gewählt, wo sie Präsidentin der Kommission für den Neubau der HPS und in der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission war.

Liebevolle, geschätzte Lehrerin

Frieda Wolleb wurde am 15. November 1917 in Lupfig geboren. Die Mutter verstarb schon ein Jahr später, doch erhielt das Kind mit der zweiten Heirat ihres Vaters noch drei Geschwister. In der Schule tat sich ihr nach eigenen Worten eine neue Welt auf, «ich nahm wie ein Schwamm alles auf, was an Wissen dargeboten wurde». Deshalb auch ihr Wunsch, Lehrerin zu werden.

1938 mit dem Lehrpatent versehen, fand sich wegen des Lehrerüberflusses allerdings keine Stelle, weshalb sie nach Paris ging. Doch der Krieg zwang sie zur Rückkehr, und weil wegen der Mobilisation dann Lehrermangel war, bekam sie nach Stellvertretungen 1943 eine Anstellung an der Unterstufe in Magden.

Die geplante Auswanderung nach Australien wurde nach dem Scheitern einer Beziehung dort vorzeitig abgebrochen. 1951 zurückgekehrt, fand sie in Lenzburg ihre Lebensstelle, vorerst an der Unterstufe, dann ab 1960 nach heilpädagogischer Weiterbildung in der Kleinklasse – damals Hilfsschule genannt. Frieda Wolleb war bis zur Pensionierung 1980 eine strenge, aber liebevolle, allseits geschätzte Lehrerin.

Reisefreudig bis ins hohe Alter

Unternehmungslustig, kontakt- und reisefreudig ist sie bis ins hohe Alter geblieben. Dass sie durch Zufall wieder Kontakt zu ihrem in Australien verbliebenen ehemaligen Freund fand und ihn 2006 dort im Alter von 89 Jahren noch besuchen konnte, bezeichnete sie als «Wunder».

Dank freundschaftlicher Hilfe und der Spitex konnte sie bis 2010 in ihrer Wohnung bleiben, und wurde die letzten Jahre im Alterszentrum Obere Mühle einfühlsam betreut. «Mein Leben hat nicht immer den Lauf genommen, den ich erwartete oder erhoffte; rückblickend muss ich aber sagen: Es war ein erfülltes Leben», zog Frieda Wolleb in ihrem Lebenslauf positive Bilanz.