Seon
«Konservi» sammelt 12'000 Franken und hilft Kulturschaffenden aus der Klemme

Markus Schamberger gründete das Kulturlokal in Seon 2017. Er hofft, bald wieder Konzerte veranstalten zu können.

Anja Suter
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Markus Schamberger ist Kulturveranstalter und Weinhändler in der Konservi in Seon.

Markus Schamberger ist Kulturveranstalter und Weinhändler in der Konservi in Seon.

Alex Spichale / LZB

Auch wenn die Bühne der «Konservi» dunkel ist, stehen Stühle und Tische und bequeme Sessel immer noch an ihrem Platz. Hinter der Bar auf Schildern ist das Weinangebot aufgeführt. Alles ist wie üblich an seinem Platz: Fast könnte man meinen, dass am Abend ein Konzert stattfindet. Tut es aber nicht. «Der letzte Künstler ist hier am 11. Dezember aufgetreten», sagt Markus Schamberger, Gründer des Kulturlokals.

Schamberger ist auch für die an die Konservi angrenzende Weinhandlung «Küferweg – Weine mit Kultur» verantwortlich, die vor über 30 Jahren gegründet wurde und die er und seine Frau vor 15 Jahren übernommen haben. 2017 kam die «Konservi» hinzu. «Wir haben aber vorher schon Kulturveranstaltungen gemacht, einfach nicht auf der eigenen Bühne», erzählt der 58-Jährige. Mit der aktuellen Situation gehe es ihnen nicht gut, sagt Schamberger.

«Keinem Kulturschaffenden geht es gut, wenn er nicht das machen kann, was seine Berufung ist.»

Schamberger finanziert die «Konservi» indirekt über die Weinhandlung. «Das Budget, dass ich früher in Inserate in den ‹Küferweg› investiert habe, geht vollumfänglich an die Konservi.» Normalerweise gibt es im Kulturlokal fast im Wochentakt Konzerte. Es sind häufig Jazz-Künstlerinnen und Künstler anzutreffen, das Musikangebot ist aber breit gestreut. «Wir suchen Perlen, die im Mainstream nicht zu finden sind», erklärt Schamberger. Viele Musikschaffende, die im Kulturlokal ein- und ausgehen, kennt er persönlich. Auch literarische Veranstaltungen finden statt, so war Franz Hohler schon mehrmals zu Gast.

Für die «Konservi» lief es vor Corona gut. Schamberger sagt:

«Viele haben daran gezweifelt, dass ein Kulturlokal in Seon funktionieren würde.»

Doch es tat. Die Gäste kamen zahlreich nach Seon. Meist schon zwei Stunden vor der eigentlichen Veranstaltung, um noch etwas zu essen und zu trinken. «Wir bieten immer ein Menü an. Sowohl das Essen als auch der Wein sind bei uns von Bio-Qualität.» Etwas anderes würde für ihn nicht in Frage kommen, erklärt Schamberger. «Mich hat es schon immer gestört, wenn sich Kultur, Wein und Essen nicht auf dem selben Niveau verbinden.»

Um Künstler und Künstlerinnen zu unterstützen, lancierten Markus Schamberger und sein Team im Januar und Februar eine Aktion. Wer beim «Küferweg» Wein bestellte, konnte zwanzig Franken spenden. Das Angebot schlug voll ein, freut sich Schamberger. Ein Kunde habe gar 1000 Franken gespendet. «Wir haben den Betrag noch aufgerundet, total kamen 12000 Franken zusammen, die wir an die Musikergewerkschaft Sonart überweisen werden.» Jetzt hofft Markus Schamberger, dass er in der «Konservi» bald wieder Konzerte veranstalten kann. «Jedes Konzert ist eine Interaktion zwischen Künstler und Publikum, das fehlt momentan sehr», betont er.