Hunzenschwil
Selbst Hunzenschwil ist der Post zu klein – der Volg übernimmt

Die Post zieht sich nun sogar aus grösseren Gemeinden im Mittelland zurück. Auch Hunzenschwil ist betroffen. Doch die Post verschwindet nicht ganz.

Michael Küng und Patrick Harcuba
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Vorbereitet: Lehrtochter Letizia Schiavone (21, links) und Rachiele Nicholetta (17).

Vorbereitet: Lehrtochter Letizia Schiavone (21, links) und Rachiele Nicholetta (17).

Michael Küng

Am Samstag hatte die Postfiliale von Hunzenschwil (4000 Einwohner) zum letzten Mal die Türen für ihre Kundschaft geöffnet. Nun gehört die Ära mit eigener Postfiliale der Vergangenheit an. Beschränkte sich das Sterben von Postfilialen lange Zeit auf ländliche Gebiete, erreicht es nun mit der A1 bei Hunzenschwil eine der Schlagadern des Mittellands.

Damit die Post nicht ganz verschwindet, übernimmt der Volg einige ihrer Aufgaben. Zeitgleich wurde in nur vier Tagen der ganze Laden ausgeräumt und neu eingerichtet. Die gleichmässigen Regalreihen sind einem durchgehenden Leitsystem gewichen, das die Kunden gezielt durch den ganzen Laden führt.

Am 16. März war Wiedereröffnung, der über 30 Jahre alte Dorfladen feierte den Anlass standesgemäss mit einem Drehrad, Pasta und kleinen Geschenken für die Kundschaft. «Bei der Umgestaltung hat sich das Sortiment etwas verkleinert. Wir haben jetzt etwas weniger Auswahl bei Zeitschriften, Bier und Molkeprodukten», sagt die 21-jährige Lehrtochter Letizia Schiavone.

«Aber die Kunden zeigen dafür viel Verständnis, auch für die Schliessung während des Umbaus», ergänzt Praktikantin Rachiele Nicholetta (17). Belegschaft und Kunden kennen sich untereinander, oft auch privat. Das sorge für ein tolles Arbeitsklima. Dass die Zeitschriften weniger geworden sind, halten sie für verkraftbar: «Die werden eher wenig gekauft», sagt Praktikantin Rachiele Nicholetta.

«Trotzdem müssen sogar wir selbst wegen der Umstellung manchmal noch Produkte suchen», lacht Nicholetta und dreht sich fragend um: «Wo sind noch mal die Feuerzeuge?» Sie findet sie, noch bevor sie die Frage zu Ende ausgesprochen hat.

Nicht zu viel Bargeld

Die Chefinnen sind heute nicht da, aber auch die Jungen wissen, wie der Laden funktioniert: Der kleine Volg ist ein Lehrlingsbetrieb, auf drei Festangestellte kommen hier gleich sechs Mitarbeiter in Ausbildung.

Damit sie alle für die Post-Geschäfte gerüstet sind, wurden sie drei Tage lang von einem Vertreter der Post auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet: Etwa Briefe und Pakete entgegennehmen oder Geldgeschäfte erledigen.

Bargeld lässt sich übrigens nur abheben, nicht aber einzahlen. «Postgeschäfte können nur mit der Karte erledigt werden, sonst hätten wir hier zu viel Bargeld», sagt Letizia Schiavone. Sie freut sich über den markanten gelben Tisch, den Volg und Post in die Filiale integriert haben.

«Die Schliessung der Postfiliale ist natürlich sehr schade, aber wir freuen uns jetzt darüber, dass neues Leben in den Laden kommt», sagt sie.