Seengen
Schloss Brestenberg: Die Bevölkerung soll mitreden dürfen

Die Winterthurer Stiftung, die sich um den Nachlass von Bruno Stefanini kümmert, hat sich viele Gedanken über die Zukunft von Schloss Brestenberg gemacht. Und will nochmals einen Schritt zurück machen.

Nadja Rohner
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Das Schloss Brestenberg in Seengen. Aufgenommen am 01. Juli 2019.

Das Schloss Brestenberg in Seengen. Aufgenommen am 01. Juli 2019.

Colin Frei

Wie weiter mit dem Schloss Brestenberg? Das war mitunter ein Thema an einer Medienkonferenz der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG), welche das Erbe des Winterthurers Bruno Stefanini weiterentwickelt. Stefanini gehörten neben Zehntausenden Kunstgegenständen auch Dutzende Liegenschaften, darunter die Schlösser Grandson im Waadtland und die Luxburg am Bodensee. Und eben Schloss Brestenberg in Seengen.

Vor zwei Wochen hat die SKKG die Luxburg verkauft – ist das auch mit den anderen Schlössern geplant? «Nein», sagt Bettina Stefanini, Stiftungsratspräsidentin und Tochter Bruno Stefaninis, der Verkauf der Luxburg an eine lokale Kultur-IG sei zwar eine wunderbare Lösung gewesen, weil es grad gepasst habe. Für die anderen Schlösser aus dem Erbe ihres Vaters sei das aber nicht vorgesehen. «Die Schlösser müssen wirklich jetzt geliebt werden. Sie wurden während Jahrzehnten vernachlässigt. Wir können sie nun auch nicht renovieren und vermieten, weil es sehr viele Investitionen braucht und weil sich Mieter dafür wohl schlecht finden liessen.» Der Stiftungsrat habe entschieden, Schloss Brestenberg zu behalten, aber nicht selber zu betreiben. Und: «Wir möchten es nicht defizitär halten. Es soll am Ende des Tages eine schwarze Null schreiben, vielleicht nach einer gewissen Investition in der Anfangszeit.»

2021 habe die SKKG «sehr viel an Brestenberg herumgedacht», sei aber nicht auf ein konkretes Projekt gekommen. «Deshalb wollen wir 2022 einen Schritt zurückgehen und uns die ganze Sache nochmals von Grund auf überlegen, mit einem breiten Einbezug insbesondere der lokalen Bevölkerung.» Sie werde im Aargau oft auf das Schloss, angesprochen, so Bettina Stefanini weiter. Es sei der Bevölkerung «ein riesiges Anliegen, was mit Brestenberg passiert». Deshalb wolle die Stiftung die weitere Planung breiter abstützen «und nicht einfach ein Projekt aufstellen, das vielleicht keinen Rückhalt in der Bevölkerung hat». Sie verspricht Neuigkeiten zum weiteren Vorgehen noch im Laufe des Jahres.

Derweil ist die Stiftung immernoch daran, die schier unglaubliche Masse an Sammlungsgegenständen Bruno Stefaninis zu reinigen und zu inventarisieren. Dabei kam es im Schloss Brestenberg auch zu einem Armee-Einsatz aufgrund alten Armeematerials. Der Grossteil des Sammlungsschatzes ist aber nocoh ungehoben.« Beim Brestenberg kommen wir erst im Sommer 2023 dazu, alles aufzuarbeiten», heisst es vonseiten der Stiftung. «Was schon erfasst ist, kann aber bereits ausgeliehen werden. Die Felddusche von Wilhelm II beispielsweise ging letztes Jahr vom Brestenberg ins Forum Schweizer Geschichte in Schwyz.»