Othmarsingen
Gefahr auf dem Schulweg: Wegen Ausbau des Blumenrains stellt sich ein Quartier auf die Hinterbeine

Der Othmarsinger Blumenrain soll verbreitert werden. Das passt den Anwohnern des Quartiers ganz und gar nicht: Sie befürchten bereits mehr Verkehr und sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder.

Florian Wicki
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Die Bewohner des Blumenrains wehren sich gegen die Verbreiterung: Sarah Wullschleger, Maya Rosa, Franziska und Ake Strinning (v.l.n.r.).

Die Bewohner des Blumenrains wehren sich gegen die Verbreiterung: Sarah Wullschleger, Maya Rosa, Franziska und Ake Strinning (v.l.n.r.).

Florian Wicki

Es ist idyllisch am Othmissinger Blumenrain: Die Blumen blühen, Kinder spielen auf der Strasse und bemalen den Boden mit Kreide. Der Blumenrain – grundsätzlich nur für den Zubringerdienst befahrbar – entspringt der Waaggasse und mündet neben der Primarschule in die Schulstrasse. Mit dieser Idylle könnte bald Schluss sein, sollte sich die Befürchtung der dortigen Anwohner bewahrheiten.

Denn auf der Gemeinde Othmarsingen liegt noch bis am 19. Juli ein Baugesuch mit dem Namen «Erschliessung Blumenrain» auf. Es geht darin tatsächlich um den Ausbau dieser engen Strasse, auf der ein normaler Personenwagen oder ein kleiner Lastwagen kaum Platz hat. Gemäss der Gemeinde geschieht dieser geplante Ausbau aus öffentlichem Interesse. Die Anwohner hingegen sagen, dass die Strasse wegen einer im Quartier geplanten Überbauung verbreitert beziehungsweise besser erschlossen werden soll.

Eigentlich dürften im Blumenrain nur Anwohner fahren – doch das Verbot wird häufig ignoriert.

Eigentlich dürften im Blumenrain nur Anwohner fahren – doch das Verbot wird häufig ignoriert.

Florian Wicki

Die Verbreiterung um rund 50 bis 70 Zentimeter könnte aber drastische Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen haben, fürchtet zum Beispiel Anwohnerin Maya Rosa. Bereits jetzt zeichne sich ein zunehmender Schleichverkehr auf der Strasse ab, obwohl der Blumenrain einer der Hauptschulwege für einen beträchtlichen Teil der Othmarsinger Primarschulkinder sei. Rosa ist bereits selber am Blumenrain aufgewachsen und wohnt heute noch mit ihrem Mann im Elternhaus.

Bis jetzt hält sich der Verkehr zwar noch in Grenzen, nimmt aber spürbar zu, wenn sich die Autos auf der Dottikerstrasse stauen. Was momentan dagegen hilft, ist, dass sich viele Leute aufgrund der engen Beschaffenheit nicht trauen, die Strasse zu befahren. Dass sich dies ändern soll, bereitet Rosa Sorgen. Sie fragt sich:

«Was geschieht, wenn alle, die heute Angst haben, auf dieser Strasse zu fahren, sich auf der verbreiterten Strasse plötzlich wohlfühlen und auch das Fahrverbot ignorieren?»

Und Franziska Strinning, ebenfalls Anwohnerin, fügt an:

«Wenn die Strasse verbreitert wird, dauert es nicht lange, bis der erste Unfall passiert.»

Dabei ist der Blumenrain seit anhin ein Schulweg, auf dem gerannt, getobt und manchmal auch gerangelt wird. Die Kinder spazieren auf diesem Weg fernab der Welt des zunehmenden Automobilverkehrs nach Hause.

Die Strasse ist der Hauptschulweg für viele Kinder des Dorfes.

Die Strasse ist der Hauptschulweg für viele Kinder des Dorfes.

Florian Wicki

Die Anwohner fühlen sich von der Gemeinde hintergangen. Auch deshalb, weil sie die Rechnung des Ausbaus, den sie gar nicht wollen und der laut Voranschlag knapp unter 400’000 Franken kosten dürfte, aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Zudem müssen sie auch noch Land hergeben, da die Grundstücke bis zur jetzigen Strasse angrenzen. Aufgrund dieser Privatfinanzierung wurde der Ausbau auch nie an einer Gemeindeversammlung diskutiert. Und auch das kritisieren die Anwohner, schliesslich betreffe es nicht nur den Schulweg ihrer Kinder, sondern auch jene vielen Kindern aus den anderen Quartieren.

Gemäss dem Baugesuch sollen im kommenden Frühjahr die Bauarbeiten planmässig beginnen und dann drei bis sechs Monate dauern. Die Kinder müssten sich dann – zumindest während der Baustelle und je nach Schleichverkehr auch in der weiteren Zukunft – einen anderen Schulweg suchen. Dieser wird aber mangels Alternative entweder unverhältnismässig länger oder der Hauptstrasse entlang führen. In beiden Fällen wird den Kindern die Möglichkeit genommen, selbstständig und gefahrenfrei zur Schule zu gehen.

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