Dintikon
«Orkan Lothar hat unser Schützenhaus fortgeblasen»

Die Feldschützen haben sich nicht beirren lassen, als ihr Vereinshaus 1999 vom Sturm dem Boden gleich gemacht wurde – jetzt feiern sie ihr 150-jähriges Bestehen.

Ruth Steiner
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Ein Tiefschlag in der Geschichte der Dintiker Feldschützen: Am Stephanstag 1999 hatte Orkan Lothar das Dintiker Schützenhaus in unzählige Teile zerlegt und über den Rebhügel hinweg verstreut.

Ein Tiefschlag in der Geschichte der Dintiker Feldschützen: Am Stephanstag 1999 hatte Orkan Lothar das Dintiker Schützenhaus in unzählige Teile zerlegt und über den Rebhügel hinweg verstreut.

Der 26. Dezember 1999 ist ein Tag, welchen die Dintiker Feldschützen wohl nicht mehr so schnell vergessen werden, auch Präsident André Meier nicht.

Es ist kurz vor Mittag, als Orkan Lothar auf seinem Verwüstungszug durch die Schweiz die Region erreicht und Bäume am Herrliberg gleich reihenweise wie Zündhölzer einknicken lässt. In seiner unbändigen Zerstörungswut «hat Lothar unser Schützenhaus einfach fortgeblasen». In wenigen Sekunden. André Meiers Erinnerungen an den Moment sind heute noch so lebendig, als wäre es gestern gewesen. Hausteile und Mobiliar seien über den Rebhügel hinweg verstreut gewesen, entsinnt er sich.

Wenn die Dintiker Feldschützen beim 150-jährigen Bestehen der Schützengesellschaft zurückblicken, so hat dieser Vorfall den Verein besonders geprägt.

Doch liessen sich die Mitglieder der Schützengesellschaft durch diesen herben Schlag nicht beirren. Mit vereinten Kräften machten sie sich an einen Ersatzbau für das verwüstete Gebäude. «Was hätten wir auch für Alternativen gehabt?» Meiers Frage ist eher rhetorischer Natur. «Sich nach Totalzerstörung unseres Schützenhauses einem andern Verein in der Region anzuschliessen, war dannzumal kein Thema», erklärt er.

Zu Beginn im Freien geschossen

8700 Stunden Fronarbeit leisteten Vereinsmitglieder und Freunde, ein Sponsoringschiessen brachte zusätzliche Mittel für den Wiederaufbau. Dank grosszügiger finanzieller Unterstützung von verschiedenen Seiten konnte 2002 das neue Schützenhaus mit einem Standeinweihungsschiessen gefeiert werden. «Wir sind innerhalb kurzer Zeit recht an die Säcke gegangen», schaut Präsident Meier zufrieden zurück. Und weil alles so gut funktioniert habe, habe man nur ein Jahr später in Dintikon noch ein Schützenfest zu Ehren des 200-jährigen Bestehens des Kantons Aargau auf die Beine gestellt, hält der Präsident schmunzelnd fest.

Seit 37 Jahren zieht André Meier den Karren der Feldschützen. Was hält ihn so lange auf dem Posten? Meier lacht, das Präsidentenamt sei nicht so heiss begehrt. Zudem sei er über all die Jahre hinweg von einem sehr guten Team kollegial unterstützt worden, das habe ihm seine Arbeit sehr erleichtert.

1865 bei ihrer Gründung schoss die damalige Feldschützengesellschaft auf «Brüggem» noch im Freien. Erst später wurde eine Schützenhütte gebaut. 1921 beschloss der Verein kurzerhand eine Verlegung der Schiessanlage an den Herrliberg. Auch diese Anlage wurde regelmässig ausgebaut. Die steigende Zahl an Obligatorischschützen erforderte 1949 eine Erweiterung des Scheibenstandes von 6 auf 10 Scheiben. 1965 stutzte der Verein seinen Namen auf Feldschützen Dintikon. In den Siebzigerjahren ersetzte man das alte Holzhäuschen durch eine unterkellerte Schiessanlage mit Pultdach. Sie wurde 1989 mit einer elektronischen Trefferanzeige ausgerüstet.

Straftaten mit Waffen schaden

Wie viele andere Vereine plagen auch die Schützen Nachwuchssorgen. Der Verein zählt derzeit 24 Mitglieder. André Meier vermutet, dass die Straftaten, bei welchen Waffen im Spiel sind, dem Schiesssport abträglich sind. «Die Medien schreiben von Schützen und meinen den Täter. Solche Meldungen haben einen negativen Einfluss auf die Jungen», ist Vereinspräsident Meier überzeugt.

Dass derzeit zwei Dintiker den Jungschützenkurs besuchen und rund ein Dutzend 10- bis 16-jährige Schüler das Luftgewehrschiessen auf 10 Meter Distanz lernen, ist Balsam auf die Schützenseele des Präsidenten. Vielleicht tritt einer von ihnen dereinst in Meiers Fussstapfen. Auch er war Jungschütze, als die Dintiker Schützen ihr 100-Jähriges feierten, beim 125-Jahr-Jubiläum wie jetzt beim 150-Jährigen steht er dem Verein als Präsident vor. Der 67-jährige Meier lacht und verspricht. «Beim 200-Jährigen bin ich es dann nicht mehr.»

Die Feldschützen Dintikon feiern ihr 150-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsschiessen. Dazu laden sie alle Schützen ein. In der Schützenstube wird an den Schiesstagen gebackener Fisch und Grilladen serviert – auch Nicht-Schützen dürfen sich an den Tisch setzen.