Lenzburg
Jetzt kann man einen einzigartigen Blick auf die Lenzburger Justizvollzugsanstalt vor 90 Jahren werfen

Der Aargau aus der Vogelperspektive: Die Daten der Swisstopo sind neu frei zugänglich. Dank der Karten sind auch Reisen in die Vergangenheit möglich.

Valérie Jost
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Die damals 17-jährige Justizvollzugsanstalt in ihrer charakteristischen fünfeckigen Sternform auf der Karte von 1881.

Die damals 17-jährige Justizvollzugsanstalt in ihrer charakteristischen fünfeckigen Sternform auf der Karte von 1881.

Swisstopo
137 Jahre später hat sich in Lenzburg viel verändert, wie die Karte von 2018 zeigt.

137 Jahre später hat sich in Lenzburg viel verändert, wie die Karte von 2018 zeigt.

Swisstopo

Seit dem 1. März sind die meisten Kartendaten des Bundesamtes für Landestopografie Swisstopo für alle kostenlos online zugänglich - sowohl für private als auch für kommerzielle Zwecke. Der Bund hat im Zuge der «Open Government Data Strategy 2019-2023» die bisherigen Beschaffungs- und Nutzungsgebühren aufgehoben; für die Verwendung ist neu nur noch eine Quellenangabe nötig (AZ vom 2.3.2021).

Die Nutzung ist simpel: Über die Swisstopo-Website können die gewünschten Daten gesucht und direkt heruntergeladen werden. Luftbilder und Landeskarten wie die «Swiss Map Raster» sind je nach Fall im PDF- oder einem gängigen Bildformat verfügbar. Für komplexe Daten wie Höhenprofile oder geologische Karten, beispielsweise zur Topografie der Schweizer Seeböden, braucht man dagegen neben den entsprechenden Programmen auch das nötige technische Verständnis.

Vom Militär zurück an die Bevölkerung

Die digitale Öffnung gleicht in der Schweiz einem Paukenschlag - schliesslich waren früher viele der hochgenauen Swisstopo-Daten, unter anderem während des Kalten Kriegs, lange Zeit geheim und wurden ohnehin vor allem vom Militär genutzt. Wenig erstaunlich, dass die Swisstopo als ältestes Bundesamt der Schweiz früher auch verwaltungsmässig dem Bundesamt für Rüstung, der Armasuisse, zugeordnet war - seit 2015 untersteht sie nun direkt dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport.

Blick auf die Lenzburger JVA vor 90 Jahren: Das älteste verfügbare Luftbild des Gebiets ist von 1931.

Blick auf die Lenzburger JVA vor 90 Jahren: Das älteste verfügbare Luftbild des Gebiets ist von 1931.

Swisstopo

In der heutigen digitalisierten Welt haben die topografischen Daten ihren militärischen Wert jedoch praktisch verloren. Stattdessen werden sie nun den Steuerzahlenden zurückgegeben: «Die Produktion der Geodaten wird mit Geldern der Öffentlichkeit finanziert und die Daten sollen deshalb für die Öffentlichkeit auch frei und kostenlos zugänglich sein», schreibt die Swisstopo in einer ihrer Antworten auf häufig gestellte Fragen zum neuen Datenzugang.

Virtueller Spaziergang durch die JVA Lenzburg

Eindrücklich beobachten kann man diesen am Beispiel der Justizvollzugsanstalt in Lenzburg. Dank Luftbildern kann man 90, auf historischen Landkarten gar 160 Jahre in die Vergangenheit blicken - bis 1861, als die JVA noch drei Jahre vor ihrer Eröffnung stand. Und in der 3D-Karte, die die Swisstopo schon seit 2018 anbietet, kann man virtuell um die sternenförmig angeordneten Gebäude der Anlage spazieren - wenn auch, wie bei allen Gebäuden auf der Karte, nur von aussen.

Blick auf die JVA heute: In der 3D-Karte kann man virtuell spazieren gehen.

Blick auf die JVA heute: In der 3D-Karte kann man virtuell spazieren gehen.

Swisstopo

Hier zeigt sich auch die Genauigkeit der Daten: Auf Google Street View beispielsweise ist die JVA nur indirekt entfernt zu sehen, von einem Strassenabschnitt der Ammerswilerstrasse Richtung Wald aus.

3D-Modelle ja, Drohnen nein

Im Gegensatz zu den Flugzeugen, die die Schweiz für die Swisstopo-Luftbilder befliegen, werden Drohnen über der JVA vom Himmel geholt. Sie ist eine Vorreiterin in puncto Sicherheit: Neben einer Handy-Störanlage, die ausgehende Anrufe von Inhaftierten verhindert, hat die JVA als erstes Schweizer Gefängnis seit Ende 2017 auch eine 200'000 Franken teure Drohnen-Detektionsanlage in Betrieb. Das Radar-Video-System schlägt bei Flugobjekten und eingeworfenen Gegenständen Alarm, worauf Beamte Drohnen mit einer Netzpistole abschiessen können.