Die Krähen sind in der Schweiz auf dem Vormarsch. Es gibt immer mehr Kolonien, was zu immer mehr Konflikten mit dem Menschen führt. Anwohner klagen über Lärm und Kot der Tiere. Die Stadt Bern versucht die Krähen mit Plastik-Uhus zu vertreiben.

Einen anderen Weg geht das Kantonsspital Aarau (KSA), wo sich eine der grössten Krähen-Kolonien im Kanton in den Bäumen eingenistet hat. Weil alle Abschreckungsversuche gescheitert sind und das KSA die Krähen nicht abschiessen möchte, wurde eine Tierkommunikatorin engagiert. Diese soll im Gespräch mit den Krähen klären, warum sie gerne auf dem Spitalareal leben. Dieses Vorgehen löste teils harsche Kritik aus: «Steuergelder für Esoterik», war eine der harmloseren Reaktionen.

Kritik an Krähen-Bekämpfung beim KSA (13. April 2017)

Auf dem Areal des Kantonsspitals Aarau leben viele Krähen. Eine Krähenflüsterin sollte das Problem lösen, doch diese Methode stösst auf Kritik.

Viel Kot auf Wanderweg

Ein Krähenproblem gibt es auch in der Seetaler Gemeinde Beinwil am See. Im Tobel («Häxewäldli») nisten seit einigen Jahren Saatkrähen. Den Tieren gefällt es offensichtlich am Hallwilersee: Sie vermehren sich rasant: 2012 wurden 5 Nester gezählt, jetzt sind es bereits über 40. «Wir müssen deshalb eingreifen», sagt Gemeindeammann Peter Lenzin. «Die Tierwelt ist schön, aber die Kolonien wachsen zu stark, was immer grössere Probleme verursacht.»

Lenzin verweist auf zahlreiche Beschwerden aus der Bevölkerung, die bei der Gemeinde und beim Kanton eingehen. Nachbarn leiden unter dem Lärm der Vögel, Spaziergänger ärgern sich über Kot im Tobel. Weil durch das «Häxewäldli» ein offizieller und oft genutzter Wanderweg zum See hinunter führt, ist der Fussmarsch durch das Waldstück nicht immer angenehm.

Aufruf, sich beim Kanton zu beschweren

Die Krähen sollen also weg, bzw. deren Bestand auf ein sinnvolles Mass reduziert werden. Doch was tun? Für den Gemeinderat ist klar: Jäger sollen die Krähen abschiessen.

Das ist nicht so einfach: Die zeitweise geschützten Krähen dürfen nur auf offenen Feldern und ausschliesslich ausserhalb der Schonzeit zwischen 1. August und 1. Februar gejagt werden. Weil der Gemeinderat keine Nester von den Bäumen schlagen will und die Jagd nach Krähen auf dem freien Feld aufwendig ist, braucht die Krähenjagd viel Zeit und Personal.

Gemeinderat und die örtliche Jagdgesellschaft wollen deshalb den Kanton mit ins Boot holen. «Wir wollen sicherstellen, dass der Kanton die Situation ebenfalls analysiert und mit unserem Vorgehen einverstanden ist», sagt Peter Lenzin. Der Kanton soll der Jagdgesellschaft quasi eine offizielle Freigabe erteilen, die vielen Krähen ausserhalb der Schonzeit zu jagen.

Damit der Kanton das Anliegen ernst nimmt, macht die Gemeinde Druck: Laut Mitteilung der Gemeindekanzlei empfiehlt die Jagdgesellschaft von Beinwil am See all jenen, die unter den Krähen leiden, sich schriftlich bei der kantonalen Jagdverwaltung zu beschweren – dies mittels «möglichst vieler Einzelbeschwerden und nicht mittels Sammelbeschwerden.»