Gemeindeversammlung
Kampf gegen den Hausarztmangel: Fahrwangen hat eine Teillösung für das Problem

Um dem neuen Hausarzt in der Gemeinde den Start zu erleichtern, beantragt der Gemeinderat bei der Gemeindeversammlung ein zinsloses Darlehen von 50'000 Franken. Bereits 2009 unterstütze die Gemeinde so eine Hausärztin. Mit Erfolg.

Anja Suter
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In Fahrwangen soll bereits der zweite Arzt mit einem zinslosen Darlehen unterstützt werden.

In Fahrwangen soll bereits der zweite Arzt mit einem zinslosen Darlehen unterstützt werden.

Mathias Förster

Heutzutage eine neue Hausärztin oder einen neuen Hausarzt zu finden, ist alles andere als einfach. Häufig sind die Praxen völlig ausgebucht und können keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Das Problem ist nicht neu, aber es wird von Jahr zu Jahr grösser, da immer mehr Hausärzte in Pension gehen und Mühe haben, eine Nachfolge für ihre Praxis zu finden.

Auch in Fahrwangen kämpfte man schon vor über einem Jahrzehnt mit um den Erhalt der ärztlichen Grundversorgung, sagt Ammann Patrick Fischer. «Wir hatten 2009 noch zwei Praxen im Dorf. Bei einem Arzt zeichnete sich ab, dass er bald in Pension gehen würde - ohne Nachfolger. Der andere fand zum Glück eine Ärztin, die die Praxisräumlichkeiten übernahm.»

Patrick Fischer ist Gemeindeammann in Fahrwangen.

Patrick Fischer ist Gemeindeammann in Fahrwangen.

Chris Iseli

Bei der damaligen Nachfolgerin handelte es sich um Tatjana Pance. Die Ärztin arbeite zuvor in einem Spital, wollte aber gerne nach Fahrwangen wechseln und im Zuge der Praxisübernahme das Inventar modernisieren, da nicht mehr alle Geräte und Apparate den neuen Standards entsprachen.

Dies überstieg jedoch damals ihre finanziellen Möglichkeiten. Also wandte sich die Hausärztin an den Fahrwanger Gemeinderat. «Sie erklärte uns, dass sie gerne in einer Praxis beginnen würde, dies aber im Moment noch nicht finanzieren könne.» Im Gemeinderat sei man sich schnell einig gewesen, dass man die Ärztin unterstützen wolle, sagt der Ammann. «Uns war in dem Moment bewusst, dass es um die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung der Gemeinde geht.»

Darlehen für 30'000 Franken wurde ohne grosse Diskussion gewährt

Den endgültigen Entscheid sollte aber die Gemeindeversammlung haben. Die stimmte im Herbst 2009 einem rückzahlungspflichtigen Kredit von 30'000 Franken für die Übernahme von Anteilen an den Jahresmieten für die Arztpraxis ohne grosse Diskussion zu.

13 Jahre später ist man in Fahrwangen wieder in einer ähnlichen Situation. Tatjana Pance hat die Praxis per Ende September aus Altersgründen aufgegeben. Zum Glück der Gemeinde hat sie jedoch mit Jens Westphal vom Avenga Medical Center einen Nachfolger gefunden und auch die kantonale Praxisbewilligung liegt bereits vor. Westphal ist seit über 25 Jahren als Arzt tätig.

Auch ihr Nachfolger bat um ein zinsloses Darlehen

Bei der Übergabe informierte Pance ihren Nachfolger über die Abmachung, die sie mit der Gemeinde hatte. «Er hat uns daraufhin für ein zinsloses Darlehen angefragt», sagt der Ammann. Da Fahrwangen bei Tatjana Pance sehr gute Erfahrungen gemacht habe, stehe einem Darlehen seitens des Gemeinderates nichts im Weg. «Ich bin überzeugt, dass eine eigene Arztpraxis im Dorf der Bevölkerung etwas wert ist», sagt Fischer.

Hinzu komme, dass das Geld nicht verloren sei. «Wir sprechen hier von einem zinslosen Darlehen in der Höhe von 50'000 Franken, das in den nächsten fünf Jahren rückzahlbar ist», konkretisiert Fischer. Ob das Darlehen dann gewährt wird, entscheidet die Gemeindeversammlung am 22. November. «Ich erwarte aber keine grossen Diskussionen bei diesem Geschäft», sagt der Ammann.