Gemeindeoberhäupter
Die Spitze von Ammerswil wird abtreten

Frau Gemeindeammann Marianne Horner möchte in der Region Gemeindeschreiberin werden. Auch Vizeammann Stefan Kiener geht.

Ruth Steiner
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«Ich gebe eine Herzensangelegenheit aus den Händen»: Marianne Horner

«Ich gebe eine Herzensangelegenheit aus den Händen»: Marianne Horner

Ruth Steiner

Einen Monat ist es her, seit Ammerswil unverhofft in die Schlagzeilen gelangte: Mitte Januar war das Dorf von der Aussenwelt abgeschnitten. Unmengen von Schnee und umgestürzte Bäume, welche die Einfallstrassen blockierten, verunmöglichten eine Ortsdurchfahrt. Gemeindeammann Marianne Horners Erinnerung an den weissen Freitag ist nicht das Telefon, das unaufhörlich läutete, nicht der Schulunterricht, der an diesem Tag ausfallen musste, sondern die unglaubliche Solidarität unter der Dorfbevölkerung, als es darum ging, die Schneemassen zu beseitigen. «Die Nachbarschaftshilfe war beeindruckend», erzählt sie. Den Nachmittag, als die Sonne durch die Wolken brach, die Menschen aus den Häusern lockte und man sich auf der Strasse traf, beschreibt Horner als unvergessliches Gemeinschaftserlebnis der Gemeindemitglieder.

Konfliktpotenzial zwischen den beiden Ämtern

Nun will Marianne Horner das Kapitel Gemeindepolitik schliessen. Nach vier Amtsperioden im Gemeinderat, davon die letzte als Frau Gemeindeammann, steigt sie aus und verzichtet im Herbst bei den Gesamterneuerungswahlen auf die Wiederwahl. Damit reiht Horner sich ein die wachsende Liste der Gemeindeoberhäupter im Bezirk, welche am Ende der Legislaturperiode abtreten. «Eigentlich tut es mir leid, dass ich zurücktrete. Ich gebe eine Herzensangelegenheit aus den Händen», sagt Horner. Das Amt, die Drehscheibenfunktion in der Gemeinde, gefalle ihr sehr gut. «Man ist Anlaufstelle für die Bevölkerung und präsentiert das Dorf gegen aussen.»

Als Grund für ihren Rücktritt führt die 52-Jährige eine berufliche Neuausrichtung an. In den vergangenen Jahren hat die selbstständige Kulturmanagerin die Ausbildung zur Gemeindeschreiberin gemacht. Seit vergangenem Sommer ist sie als Quereinsteigerin Kanzlerin in Rümikon. Das Arbeitsverhältnis ist jedoch befristet und endet mit der offiziellen Fusion Rümikons mit der Gemeinde Bad Zurzach (per Januar 2022).

Marianne Horner sucht nun eine neue berufliche Herausforderung. Und weil sie am liebsten in der Region eine Gemeindeverwaltung führen möchte, schätzt sie das Konfliktpotenzial mit dem Ammerswiler Ammann-Amt als zu hoch ein. «Ich habe gespürt, dass die Doppelfunktion nicht gerne gesehen wird. Deshalb möchte ich frei sein für die berufliche Neuausrichtung.»

Stefan Kiener.

Stefan Kiener.

Bild: Markus Gehrig

Auch Vizeammann Stefan Kiener geht

Doch mit Horners Rücktritt ist es nicht getan: Ammerswil verliert die zwei führenden Köpfe in der Gemeindepolitik gleichzeitig. Vizeammann Stefan Kiener hat ebenfalls seinen Rücktritt angekündigt. Der 50-jährige Kiener war seit 2014 im Gemeinderat, die letzten vier Jahre als Vizeammann.

Die übrigen Gemeinderäte treten wieder an: Arthur Immer, Daniel Wellinger und Rita Brunner, die vor vier Jahren als Frischgewählte das beste Ergebnis erzielt hatte.

Der Doppelrücktritt ist für das 700-Seelen-Dorf ein herber Verlust. Es dürfte eine anspruchsvolle Aufgabe werden, die vakant werdenden Mandate zu besetzen und gleichzeitig einen neuen Ammann und Vizeammann zu finden. Ob sich von den verbleibenden Gemeinderäten jemand für eines der beiden Ämter interessiert, ist noch unklar. Die Parteien im Dorf werden sich kaum rühren. Laut Horner sind sie, soweit es sie überhaupt noch gibt, nicht aktiv. Alle fünf derzeitigen Ammerswiler Gemeinderatsmitglieder sind parteilos.

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