Ärzte
Einen Ärztemangel gibt es auch im städtischen Lenzburg

Die Gruppenpraxis Lenzmed sucht seit 14 Monaten nach einem Arzt für Allgemeine oder Innere Medizin. Weder Inserate in Fachzeitschriften, im Internet noch Anschläge in den grossen Kliniken brachten Erfolg.

Dominic Kobelt
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Das Lendzmed-Team sucht Verstärkung: Magdalena Schaub, Daniel Dürst, Janina Meyer, Luana Matz und Peter Hänny (von links). KOB

Das Lendzmed-Team sucht Verstärkung: Magdalena Schaub, Daniel Dürst, Janina Meyer, Luana Matz und Peter Hänny (von links). KOB

Im Wartzimmer der Lenzmed Gruppenpraxis fallen die grossen, runden Deckenlampen, der helle Holzfussboden und die elegante Zeitschriftenhalterung an der Wand auf. Gleich neben dem Eingang befindet sich ein Zimmer mit einem top modernen Röntgengerät, das die Aufnahmen den Ärztinnen und Ärzten auf den Computerbildschirm schickt. Auch Patienten gibt es genug: Am Donnerstagmorgen klingelt das Telefon alle paar Minuten. Trotzdem fehlt der Praxis etwas: Die Gruppenpraxis sucht dringend einen weiteren Arzt im Bereich Grundversorgung.

Suche dauert schon über ein Jahr

Seit 14 Monaten ist die Stelle als Arzt/Ärztin für Allgemeine oder Innere Medizin ausgeschrieben. Weder Inserate in Fachzeitschriften, im Internet noch Anschläge in den grossen Kliniken im Aargau und am Unispital Zürich brachten Erfolg.

Unterstützt wurde die Praxis von einem fachspezifischen Marketingberater, der die Suche nach Deutschland und Österreich ausgeweitet hat. Ergebnis: Vier Bewerbungen, kein geeigneter Kandidat. Darauf hin wurde auch in Tageszeitungen inseriert: «Damit möchten wir nicht direkt einen Arzt, sondern Leute aus seinem Umfeld ansprechen, und hoffen, dass sie ihn ermutigen, sich zu bewerben», so Peter Hänny, Facharzt für Allgemeine Medizin. Er sieht für junge Ärzte einen entscheidenden Vorteil: «Es ist möglich, auf Anstellungsbasis zu arbeiten, also vier Stunden pro Halbtag, und später die Praxis selbstständig zu führen.» Insgesamt umfasst das Lenzmed-Team fünf Ärzte. Drei von ihnen sind Grundversorger, sie teilen sich 250 Stellenprozent. Mit einem zusätzlichen Arzt könnte die Ferienvertretung noch besser geregelt und die Öffnungszeiten verlängert werden.

Mangel auch in städtischer Region

Dass in ländlichen Gegenden Praxen verwaisen, höre man schon länger, sagt Hänny: «Offenbar ist es aber mittlerweile auch in Lenzburg schwierig, Ärzte im Bereich Grundversorgung zu finden – der Ärztemangel macht sich in den städtischen Regionen bemerkbar.» Dies, obwohl die Gemeinschaftspraxis gleich neben dem Bahnhof liegt. Auch an ergänzenden Angeboten wie Physiotherapie, psychiatrischer Behandlung oder Alternativmedizin mangelt es in der Gegend nicht.

Warum ist es so schwierig, einen Arzt im Bereich Grundversorgung zu finden? «Die Hausarztmedizin wurde lange Zeit gering geschätzt», sagt Hänny. Bundesrat Pascal Couchepin sei gegen die Hausarztmedizin gewesen. «Seit er nicht mehr Vorsteher des Gesundheitsdepartements ist, gab es zwar immerhin einige Lippenbekenntnisse, gemacht wurde aber nicht viel.» Hänny hofft, dass sich mit der Hausarztinitiative etwas ändert. Die momentane Situation sei unbefriedigend: «Besonders für Neueinsteiger ist offenbar der Lohn für die Arbeitsbelastung zu tief, sonst würden ja viele den Schritt zum Grundversoger machen, denn neue Ärzte und Ärztinnen ja es zahlreiche.»

Trotzdem schätzt er seinen Beruf: «Es ist der Patientenkontakt und die Vielfalt, die mich reizt.» Es sei wichtig, ganzheitlich zu betreuen, auch wenn er Patienten oft an Experten weiterverweisen müsse.

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