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Eine Lenzburger Erfolgsgeschichte: Zu Besuch bei den «Praxisarchitekten»

Fabian Scherer baut Arztpraxen und Operationssäle. «Praxisarchitekten» würde noch stärker wachsen, wenn es den Personalmangel nicht gäbe.

Urs Helbling
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«Der Firma geht es sehr gut»: Architekt Fabian Scherer und Partnerin Tatjana Vogel.

«Der Firma geht es sehr gut»: Architekt Fabian Scherer und Partnerin Tatjana Vogel.

Bild: Chris Iseli

Vor acht Jahren hatte das Unternehmen vier Mitarbeiter. Jetzt sind es schon 16. Seit die Firma praktisch nur noch im Medizinalsektor tätig ist, geht so richtig die Post ab. Neuerdings unter dem Namen «Praxisarchitekten». CEO und Inhaber ist Fabian Scherer (41), ein Wohler, der nach Zürcher Jahren in den Aargau zurückgekommen ist und sich seit 2014 in Lenzburg wohlfühlt. Wohnen tut er mit seiner Partnerin Tatjana Vogel (41) und den bald zwei Kindern in Auenstein. «Dem Unternehmen ‹Praxisarchitekten› geht es sehr gut», erklärt Fabian Scherer. Und er ergänzt: «Wir sind froh, dass wir in dieser Krisenphase primär ein Wachstumsproblem haben.» Gemeint ist damit vor allem die Rekrutierung von zusätzlichem Personal.

In der Welt der Architektur und Innenarchitektur üben die grösseren Städte wie Zürich und Basel auf die jungen Talente eine besondere Anziehungskraft aus. Aber auch kleinere haben ihren Reiz. «Lenzburg finden wir sehr attraktiv, weil wir in der ganzen Schweiz tätig sind», so Scherer. Die «Praxisarchitekten» haben ihr Büro am Waschhausgraben (zwischen Müli Märt und Hünerwadelhaus). Sie haben im Markt mit den Arztpraxen, Kliniken und medizinischen Einrichtungen eine Hand voll ernsthafte Mitbewerber. Einige sind einer Schreinerei angegliedert.

«Architektur machen und nicht einfach möblieren»

«Wir sind Architekten und weniger Schreiner», erklärt Scherer. «Praxisarchitekten» arbeitet immer von einem innenarchitektonischen Ansatz aus. «Es ist uns wichtig, Architektur zu machen und nicht einfach zu möblieren.» Dass dabei die Funktionalität, die Prozesse, eine Rolle spielen, sei selbstverständlich. Und natürlich ist der Kostendruck ein Thema. Speziell ausgeprägt bei den grossen Gesundheitsdienstleistern und den klassischen Hausärzten.

Das ist für Scherer kein Hindernis: «Architektonische Qualität muss nicht unbedingt teuer sein.» Zu den Grosskunden von «Praxisarchitekten» gehört etwa Physiozentrum.ch (18 von 23 Standorten haben die Lenzburger gemacht) oder «Medbase» (eine Migros-Tochter). In Bern können die Lenzburger aktuell für Hirslanden die Infrastruktur für ambulantes Operieren realisieren. «Wir bauen auch Operations-Zentren», erklärt Scherer. So wie bei Skinmed in Lenzburg, der Klinik von AZ-Kolumnist Felix Bertram.

Fabian Scherer ist nicht nur Innenarchitekt, sondern hat auch zwei Jahre an der HSG in St.Gallen studiert. Er hat darum ein ausgeprägtes betriebswirtschaftliches Denken. Seine Partnerin Tatjana Vogel, die auch im Unternehmen tätig ist, bringt eher das Künstlerische ein, hat lange im internationalen Retail-Geschäft gearbeitet: «Sie ist unser gestalterisches Gewissen», sagt Scherer. Bei den «Praxisarchitekten» arbeiten sechs Innenarchitekten, ein Architekt und fünf Bauleiter, welche durch die Zeichner und die Administration entlastet werden.

Warum investieren Ärzte in schöne Praxen? Damit sich die Patienten und auch die Mitarbeiter wohlfühlen. Eine attraktive, funktional gut konzipierte hilft bei der Personalsuche. Ähnliches gilt auch für die Innenarchitektur: «Wir haben für unser Team einen Aufenthaltsraum mit Dart­auto­mat – und eine Bierzapfanlage», erklärt Scherer. Die Erfolgsgeschichte der «Praxisarchitekten» zeigt, dass es sich lohnen kann, ab und zu ein Bier zu trinken.