Ammerswil
Ein Schüler kostet die Gemeinde fast ein halbes Steuerprozent

Schulgelder und Steuereinnahmen sind die beiden grössten Ausreisser gegenüber dem Vorjahr im Budget 2016 der Gemeinde. Aber trotz dieser Kostenpunkte, rechnet die Gemeinde mit einem Plus per Ende 2016.

Ruth Steiner
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Gleichzeitig mit der Hauptstrasse wird auch der Buswendeplatz beim Gemeindehaus saniert. Peter Siegrist

Gleichzeitig mit der Hauptstrasse wird auch der Buswendeplatz beim Gemeindehaus saniert. Peter Siegrist

Peter Siegrist-Bild und Text

Ein Kantischüler verursacht der Gemeinde keine Kosten, für einen Wirtschaftsmittelschüler hingegen muss Ammerswil 7000 Franken Schulgeld hinblättern. «Das ist fast ein halbes Steuerprozent der Gemeinde», versucht Ammann Hanspeter Gehrig die Situation der kleinsten Bezirksgemeinde zu veranschaulichen.

Die Bildung ist denn auch ein happiger Posten im Gemeindebudget. 804 000 Franken netto werden für 2016 budgetiert. Das sind rund 37 Prozent des gesamten Aufwands von 2,1 Millionen Franken für das kommende Jahr. Mit netto rund 75 000 Franken ist das der grösste Ausreisser auf der Aufwandseite.

Zurückzuführen ist diese Abweichung einerseits auf die neue Berechnung des Schuldgelds, das auf den Gebäudekosten des Zürcher Baukosten-Indexes basiert – weshalb das so ist, sei auch ihm schleierhaft, sagt Gemeindeammann –, aber auch abhängig von der Schule und Schulstufe der Ammerswiler Schuljugend.

Aufgrund der neuen Berechnungen steigen auch die Beiträge an die Regionalschule Lenzburg massiv an. Neu berappt die Gemeinde zwischen 6000 und 8800 Franken pro Schüler, je nach Schulstufe.

«Einen Lottoposten», bezeichnet der Gemeindeammann diese Aufwandposition, weil es für die Gemeinde im Voraus kaum abschätzbar sei, wer wo zur Schule geht. Ein Handicap, mit dem kleine Gemeinden halt leben müssten, so Gehrig.

Allerdings fliessen durch diese Neubewertung der Schuldgelder für die Benutzung der Schulräumlichkeiten in Ammerswil aus Lenzburg jährlich 30 000 Franken Miete zurück.

Sinkender Steuerertrag

Eine bittere Pille müssen die Ammerswiler auch auf der Ertragsseite schlucken: Die gut 1,8 Millionen Franken, welche in die Steuerkasse fliessen sollen, bedeuten ein Minus gegenüber dem Vorjahr von 100 000 Franken.

Nach einem fantastischen Jahr 2014 mache sich ein Abwärtstrend bemerkbar, so Gehrig. Er rechnet, dass aufgrund der aktuellen Lage bereits der budgetierte Steuerertrag 2015 nicht erreicht werden kann.

«Wir sind damit in guter Gesellschaft mit Gemeinden, die nicht auf grossem Wachstumspfad sind», sagt er. Den genauen Grund für die Entwicklung kann der Gemeindeammann nicht benennen, nur Mutmassungen anstellen. Ammerswil habe bisher wenige Steuerzahler mit stark variierenden Einkommen, sagt er.

Die Investitionsrechnung 2015 bis 2021 plant mit Ausgaben von 2,05 Millionen Franken. Gut die Hälfte fällt bereits im kommenden Jahr an: Netto 800 000 Franken für die Sanierung von Strübibach/Krebsbach, 300 000 Franken (anteilsmässig) für die Sanierung der Hauptstrasse und mit dem Buswendeplatz.

Unveränderter Steuerfuss

Bei einem betrieblichen Aufwand von 2,13 Mio. Franken und einem Ertrag von 1,89 Mio. Franken rechnet Ammerswil mit gut 200 000 Franken Aufwandüberschuss per Ende 2016. Dieser wird vom Eigenkapital abgeschrieben.

Das Eigenkapital sinkt damit voraussichtlich auf 6,7 Millionen Franken Ende 2016. Der Selbstfinanzierungsgrad sieht mit minus 5 Prozent düster aus. Doch Ammerswil lebt schon seit Jahren damit, so Gehrigs Kommentar. Das Nettovermögen pro Einwohner liegt noch bei 654 Franken.

Trotzdem: Eine Erhöhung des Steuerfusses steht nicht zur Debatte. Man will in Ammerswil nichts übereilen. «Wir wollen abwarten, wie sich die Finanzen weiterentwickeln. Im Moment haben wir genug Reserven», sagt Ammann Gehrig. Demzufolge hat die Gemeindeversammlung vom 6. November über einen unveränderten Steuerfuss von 98 Prozent zu befinden.

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