Staufen
Das Steuerparadies wird teurer: «Müssen den Steuerfuss vielleicht um einen zweistelligen Prozentsatz anheben»

Staufens Gemeindeammann Otto Moser über die Folgen der Investitionen in Sporthalle und Kindergärten und über das Wachstum der Bevölkerung im Dorf. Die Kurve zeige weiter nach oben. Bis zur Stagnation könnten noch rund 500 Einwohner dazukommen.

Anja Suter
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Britta Gut

Herr Moser, nächste Woche wird in Staufen über den Kredit für die Doppel-Sporthalle entschieden, in wenigen Monaten über den Kredit für den Vierfachkindergarten. Was sind die Hintergründe der Investitionen?

Otto Moser: Ich erinnere mich nicht daran, dass Staufen jemals so grosse Beträge beschlossen hat. Der grösste Betrag lag bis jetzt bei fünf Millionen, jetzt wagen wir uns an 8,7 Millionen. Wir hatten bereits in den 80er- und 90er-Jahren je ein Projekt für eine Sporthalle, beide wurden vom Souverän nicht bewilligt. Die Schule kam damals mit der einfachen Sporthalle aus. Heute ist die Situation eine andere. Wir haben eine Einfachturnhalle, die in der Regel für 12 bis 14 Abteilungen reicht. Wir haben aktuell aber 15 Abteilungen und das Bevölkerungswachstum wird die Zahl noch weiter nach oben treiben. Die jetzige Sporthalle reicht nicht mehr für die Schule.

In den 80er-Jahren wollte man in dem Fall eine Sporthalle bauen, die für Staufen gar nicht nötig war?

Wenn man den Vereinen zugehört hat, war sie nötig. Aber die Schule hat damals keine weitere Halle benötigt. Heute ist das Bedürfnis bei der Schule am grössten. Das Begehren wird von den Vereinen sehr unterstützt, weil sie schon lange gerne mehr Platz hätten.

Zahlen Sie jetzt den Preis fürs grosse Bevölkerungswachstum von Staufen?

Ja, das ist tatsächlich ein Zeichen unseres Wachstums. Wie gesagt, die Vereine hätten schon lange gerne mehr Platz. Mit dem Bau des Esterli-Flöösch-Quartiers hat sich das Ganze noch akzentuiert. Sei es für die Vereine, aber auch allgemein. Das ist aber nichts, was uns überrascht. Wir hatten die Situation planerisch schon länger vor den Augen.

Staufen ist mit einem Steuerfuss von 76 Prozent ein Aargauer Steuerparadies. Ändert sich das mit den Neubauten?

Die Investitionen werden sicher einen Einfluss haben, das haben wir auch nie verschwiegen. Bei der Reduktion des Steuerfusses von 86 auf 76 Prozent haben wir gesagt, dass wir dies etwa zwei bis drei Jahre halten werden können. Sobald jedoch die Projekte kommen und Kosten verursachen, sowohl Investitions- und Abschreibungskosten als auch laufenden Unterhalt, würden wir den Steuerfuss wieder anheben müssen.

Um wie viel Prozent muss der Steuerfuss erhöht werden?

In der Broschüre der Gemeindeversammlung haben wir geschrieben, dass es für die Sporthalle drei bis vier Prozent sein werden. Jetzt kommt noch der Kindergarten dazu. Wir werden den Steuerfuss sicherlich um einen hohen einstelligen Prozentbetrag oder einen tiefen zweistelligen anheben müssen. Zeitlich muss das in der Budgetphase 2022 geprüft werden. Jetzt erachten wir es noch nicht als nötig.

Gibt es noch weitere Pläne für Infrastrukturprojekte?

Von der technischen Seite her, das heisst Wasser, Abwasser und Strom, sind wir gut aufgestellt. 2013 wurde das alte Schulhaus mit dem Fokus, Reserven zu schaffen, saniert. Dank dem neuen Kindergarten können wir die zwei Kindergartenabteilungen aus der Schule rausnehmen, dadurch gibt es mehr Platz. Auch das bestehende Provisorium kann danach von der Schule genutzt werden. Man darf auch nicht vergessen, dass unsere Vorgänger beim Bau des Zopfhuus ein Gebäude mit zwei vollwertigen Schulräumen erstellt haben, die auch heute noch übergangsmässig genutzt werden können. Im Moment brauchen wir nicht mehr Infrastruktur. Sieht man aber die Entwicklung, dass Kindergartenklassen mehr Raum brauchen, wird sich dies später auch auf die Schule auswirken. Das können wir mit den Reserven nicht abdecken. Mittelfristig werden wir auch für die Schule mehr Platz schaffen müssen.

Sie haben letztes Jahr in einem Interview gesagt, dass sich die Bevölkerungszahl von Staufen bei 4000 Einwohnern einpendeln wird. Bleiben Sie dabei?

Das revidiere ich. Aktuell ist der 4000. Staufner da. Die Stagnation wird eher bei 4300 bis 4500 Einwohnern kommen. Die Kurve zeigt immer noch nach oben.

Es zeichnet sich noch keine Abflachung ab?

Es hat noch kleine Landreserven beim Esterli-Flöösch, wo man vier Mehrfamilienhäuser erstellen kann. Dafür sieht der Grundeigentümer im Moment aber noch keinen Bedarf. Und es hat noch Altbauten, die umgenutzt werden. Verdichtungen gibt es nach wie vor. Die sind jedoch homöopathisch über die nächste Zeit verteilt.

Also sind in nächster Zeit auch keine Grossprojekte für neuen Wohnraum geplant?

An der Aarauerstrasse ist ein letzter Teil noch vor der Realisierung. Der Grundeigentümer hat das Projekt aber aufgrund der Marktlage zurückgestellt, wird es aber bald realisieren. Dann entstehen dort noch einige Wohnungen. Aber Überbauungen, wie das Esterli-Flöösch wird es nicht mehr geben.

Ist es geplant, dass es bei der Doppel-Sporthalle fürs Dorf einen Kristallisationspunkt gibt?

Ja. Vor allem mit der Innenhofsituation, die sich auch mit dem Bau des Kindergartens ergibt. Generell ist die Situation heute so, dass man die Schulanlagen konzentriert.

Wird Staufen langsam, aber sicher vom Dorf zu einer gesichtslosen Agglomeration?

Staufen ist nach wie vor ein Dorf, in dem man sich kennt. Aber man kennt prozentual nicht mehr gleich viele Personen wie früher. Es kommt auch darauf an, in welchem Alter und Funktion man ist. Wer Kinder in der Schule hat, lernt auch sofort Kinder aus dem Westquartier kennen. Die zwei Schlüssel sind die Schule und die Vereine. Das Netzwerk wird von der Schule auch gut gepflegt. Auch die Vereine haben grossen Zulauf. In anderen Dörfern sieht man wie die Mitgliederzahlen der Vereine stagnieren oder sogar abnehmen. Bei uns ist es tatsächlich so, dass die einzelnen Vereine immer noch am Wachsen sind. Auch aus dem Westquartier gibt es Personen, die den Zugang zum Dorf suchen. Es gibt aber auch die anderen, die nur zum Übernachten hier sind. Wir arbeiten aber immer noch am Dorfgeist.

Staufen hat einen Zuwachs an Kindern, über den andere Gemeinde froh wären. Wie erleben Sie den Jugendschub?

Ich finde das gut, die Jugend ist unsere Zukunft. Das Dümmste, was eine Gemeinde machen kann, ist, sich der Zukunft zu verwehren. Wir müssen dafür sorgen, dass die Jugend eine schöne Schulzeit hat. Und entsprechend bildungsmässig weitergehen kann. Von Staufen her ist das gut möglich, sei es Richtung Aarau oder später für eine höhere Ausbildung nach Zürich. Wer eine gute Schulzeit in Staufen erlebt, wird Staufen immer im Herzen tragen. Und kommt womöglich einst wieder nach Staufen zurück.