Dietikon/Lenzburg

Charles Nguela wurde per Zufall entdeckt – nun steht der Komiker mit Absicht auf der Bühne

Ständig in Bewegung und am Lachen: Comedian Charles Nguela.

Ständig in Bewegung und am Lachen: Comedian Charles Nguela.

Der Komiker Charles Nguela wurde im Kongo geboren und wuchs in Südafrika und in Lenzburg auf. Heute wohnt er in Dietikon. Über sich selbst sagt er: «Auf Englisch finde ich mich viel lustiger.»

Es gibt Menschen, die können einfach nicht anders. Die Welt ist ihre Bühne. Charles Nguela hat schlimmen Muskelkater und wälzt sich lautstark über die Sitzbank, seine schmerzenden Beine hinter sich herziehend, bis er an seinem Sitzplatz angekommen ist. Der 30-jährige Comedian ist laut und lebendig, ein bisschen überdreht und sehr verschmitzt.

Charles Nguela hat einen grossen Teil seiner Jugend in Lenzburg verbracht und der Anfang seiner Karriere könnte lenzburgerischer nicht sein: Im «Ochsen» hat der junge Mann vor ein paar Jahren nach einer Trennung seinen Freundinnen und Freunden sein verletztes Herz ausgeschüttet.

Nach der wortreichen Schilderung fragte ihn eine im Lokal anwesende Frau, ob man ihn als Comedian buchen könne. Worauf ihn seine Freunde am Gauklerfestival anmeldeten. Statt wie ihm angekündigt 30, erschienen 120 Personen im Gmeindsaal und Charles Nguela trat zum ersten Mal als Stand-up-Come­dian auf einer Bühne auf.

Und er fand Gefallen daran. «Ich merkte, wie unterschiedliche Leute an unterschiedlichen Stellen gelacht haben und das hat mich fasziniert», sagt er. Das war der Anfang seiner Comedy-Karriere. 2014 gewann er mit seinem ersten Programm «Schwarz-Schweiz» den Swiss Comedy Award. Vor 2½ Jahren machte er Comedy zu seinem Beruf.

Charles Nguela spricht mit den Journalisten wie man es von seinen Auftritten auf der Bühne und im Fernsehen kennt. Sein Stimmfluss ist ein ständiges Auf und Ab, manchmal schwappt er ein bisschen über, dann unterbricht er sich selber mit schallendem Lachen.

Momentan ist er mit seinem zweiten Programm «Helvetia’s ­Secret» unterwegs. Im «Charly’s Comedy Club» holt er andere Künstlerinnen und Künstler auf die Bühne. Und er ist regelmässig am Bildschirm zu sehen. Der Muskelkater stammt von den Übungsstunden zur SRF-Tanzsendung «Darf ich bitten».

Die neugierigen Lenzburger Kinder

Lenzburg ist zufällig zu seiner Heimat geworden. Geboren wurde Nguela im Kongo, aufgewachsen ist er in Südafrika. 2002 zog seine Mutter mit ihrem Sohn in die Schweiz. «Ich war mir das Umziehen gewohnt, das war ein Abenteuer», sagt Nguela. «Ich habe in Lenzburg ein Velo bekommen und fuhr stundenlang umher.»

Auch in den Wald führten ihn seine Fahrten. «Den Wald habe ich geliebt, der war so ruhig und gross.» Die Lenzburger Kinder seien extrem neugierig gewesen. Aber Charles Nguela hatte keine Berührungsängste. Er merkte, dass er möglichst schnell Deutsch lernen musste, um Anschluss zu finden.

Heute wohnt Nguela in Dietikon, aber seine engsten Freundinnen und Freunde kommen aus Lenzburg und er kehrt ihretwegen auch regelmässig zurück. Und um seine Mutter zu besuchen, die heute in einer Nachbargemeinde lebt.

Nach der Oberstufe machte Charles Nguela eine Lehre zum Drucktechnologen, musste jedoch von einem Tag auf den anderen seinen Beruf aufgeben, weil bei ihm eine Lösungsmittelallergie festgestellt wurde.

Dank einer Weiterbildung konnte er wieder in die Druckbranche einsteigen – an eine Stelle fern von Lösungsmitteln. Diese Berufserfahrung gab ihm die Sicherheit, den Sprung in das Künstlerleben zu wagen.

Stand-up-Comedy funktioniert im Austausch mit dem Publikum. «Ich beobachte ständig, wie meine Witze ankommen», sagt er. Er geht auf Zwischenrufe ein und fügt spontan etwas hinzu. Das alles in einer Fremdsprache. «Auf Englisch finde ich mich viel lustiger», sagt er und lacht. In dieser Sprache müsse er weniger überlegen.

Stand-up-Comedy drückt da drauf, wo es auch wehtun kann. Doch für Nguela gibt es Grenzen. «Man kann nicht, nachdem etwas Schlimmes passiert ist, einen Witz darüber machen», sagt er. Vergewaltigung etwa sei für ihn gänzlich tabu. Aber zum Beispiel beim Thema Rassismus nutzt er die Ironie, um seinem Publikum den Spiegel vorzuhalten.

In seinem aktuellen Programm «Helvetia’s Secret» widmet sich Charles Nguela gesellschaftlichen und politischen Themen. Zum Beispiel der Gleichstellung von Mann und Frau. «Es hat mich sehr erstaunt, als ich erfahren habe, dass Frauen in einem so modernen Land wie der Schweiz weniger verdienen», sagt er. Daneben nimmt er auch das politische Weltgeschehen aufs Korn und gibt auch viel Persönliches preis. Das hat ja schon bei seinem allerersten, unfreiwilligen Auftritt funktioniert.

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