Sanierung
Lenzburg soll ein feines Tagesstruktur-Zentrum bekommen

Für die Sanierung der «Bleiche» müssen Einwohnerrat und Volk 4,9 Millionen Franken bewilligen. Bezug ist neu erst im Sommer 2024.

Urs Helbling
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Soll total saniert werden: der Bleiche-Komplex.

Soll total saniert werden: der Bleiche-Komplex.

Fritz Thut

Man wird dereinst von einem schönen Haus sprechen. Sich nicht mehr an die XXL-Geburtswehen erinnern. Und die vergleichsweise hohen Kosten werden kein Thema mehr sein – auch weil sie von den Lenzburger Stimmbürgern abgesegnet worden sind. Voraussetzung für all das ist aber, dass die «Bleiche»-Sanierung so gelingt, wie sie jetzt aufgegleist ist: dass der Einwohnerrat am 6. Mai den Kredit von 4,9 Millionen Franken genehmigt und der Souverän den Betrag am 26. September durchwinkt. Faktisch als Teil eines grossen Schulpaketes, also in Kombination mit der «Mühlematt»-Erweiterung.

Die beiden Vorhaben kosten neu zusammen über 12 Millionen Franken – das sind 20 Prozent mehr, als noch im letzten Frühsommer prognostiziert. Dafür gibt es neben «höherer Kostengenauigkeit» (Stadtrat) auch reale Mehrwerte. Im Fall der Bleiche in Form einer Vorinvestition für eine mögliche Tagesschule.

Neu drei Jahre Provisorium im KV-Schulhaus

In beiden einwohnerrätlichen Schulvorlagen ist nicht die Rede von den Kosten für das Tagesstruktur-Provisorium. Dieses wird neu nicht nur ein, sondern drei Jahre notwendig sein (bis im Sommer 2024). Die Kosten dürften kein allzu grosses Politikum werden, weil dank des Provisoriums Leben in das seit letztem Sommer leer stehende, stadteigene KV-Schulhaus («Hünerwadelhaus») kommen wird. Die Verlängerung auf drei Jahre hat einen angenehmen Nebeneffekt: Sie nimmt zeitlichen Druck vom Projekt der Verwaltungskonzentration (Weiterentwicklung von «Lenzburg21»).

Das Bleiche-Gebäude steht unmittelbar am Aabach, im Quartier Kleinvenedig (östlich der Schulanlage Angelrain). Treiber der Sanierung des ehemaligen Textilindustriekomplexes ist das Wasserrad, dass der Verein Industriekultur am Aabach (Präsident SVP-Stadtrat Martin Stücheli) wieder in Stand stellen will. Man rechnet mit Kosten von 450000 Franken, an denen sich die Stadt mit fix 175000 Franken beteiligen wird (Betrag ist Teil der einwohnerrätlichen Vorlage). Den Rest will der Verein mit Hilfe von Sponsoren aufbringen. Sollte dies nicht gelingen (beispielsweise wegen ­Corona), müsste wohl die Stadt helfen.

Neben dem musealen Teil ist seit Herbst 2018 klar, dass auch der Rest des leer stehenden städtischen Gebäudes saniert und genutzt werden soll. Es ging stets um eine schulische Nutzung. Nachdem für das «Technische und textile Gestalten» im 3. OG der Mühlematt-Erweiterung eine Lösung gefunden werden konnte, soll aus der Bleiche ein reines Tagesstruktur-Zentrum (bis zu den Sommerferien noch im Mühlematt-Gebäude) werden.

Verdoppelung der Tagesstruktur-Kapazitäten

Aktuell nutzen bis zu 38 Kinder die Tagesstrukturen (Betreuung, Aufgabenhilfe) und bis zu 75 Kinder den Mittagstisch der Schule Lenzburg (betrieben durch den VEB). Mit dem Bleiche-Ausbau (EG und 1. OG) werden erhebliche zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Künftig können 80 Tagesstruktur- und 135 Mittagstisch-Plätze angeboten werden – also praktisch doppelt so viele wie bisher.

Nach einer Anregung aus dem Kreis der FDP-Fraktion schlägt der Stadtrat dem Einwohnerrat nun vor, auch das Dachgeschoss (157 Quadratmeter) für einen Ausbau vorzubereiten. Dafür sind 680'000 der 4,9 Millionen Franken nötig. Es geht im Wesentlichen um den Einbau eines Treppenhauses mit Lift. Später können dann vergleichsweise einfach weitere 30 Tagesstruktur- und 50 Mittagstisch-Plätze eingerichtet werden. Das Dachgeschoss ist vor allem im Hinblick auf die Schaffung einer Tagesschule interessant.

Im letzten Frühling wollte der Stadtrat die Bleiche-Sanierung noch innerhalb von weniger als anderthalb Jahren durchpauken. Jetzt, nachdem ihm der Einwohnerrat den Zwischenschritt mit der detaillierten Planung aufgezwungen hat, geht er es gemächlicher an. Der Bezug ist für das zweite Quartal 2024 geplant. (uhg)