Lenzburg
Bei der Mega-Baustelle läuft alles bestens – ausser manchmal der Verkehr

Janine Gloor
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Das Tunnelportal Horner. Wenn das Projekt fertig ist, fliesst der Verkehr zweispurig durch den Tunnel in Richtung Autobahn.
23 Bilder
Futuristische Ansichten: Welle, Tunnelgrube und Hero-Konserve.
Mit diesem Kies wird die Baugrube am Schluss wieder aufgefüllt.
Der letzte Wisch an der Tunnelwand.
Leiter Armin Rauchenstein.
Es folgen weitere Bilder von der Baustelle.
Mega-Baustelle Lenzburg

Das Tunnelportal Horner. Wenn das Projekt fertig ist, fliesst der Verkehr zweispurig durch den Tunnel in Richtung Autobahn.

Foto: Claudio Thoma / Aargauer Z

Am Donnerstag soll es nochmals schneien. Das wäre unangenehm für die Bauarbeiter, aber keine Katastrophe. «Mit solchen Kälteeinbrüchen muss man Anfang Frühling rechnen», sagt Armin Rauchenstein, kantonaler Projektleiter der A1-Zubringer-Baustelle in Lenzburg.

Und über das Wetter konnte er sich bis jetzt nicht beschweren, im Gegenteil. Fast genau vor einem Jahr, am 5. April 2018, schwang sich Baudirektor Stephan Attiger in einen Bagger und eröffnete mit der Baggerschaufel eine der grössten Baustellen im Kanton. Seither habe das Wetter hervorragend mitgespielt, sagt Rauchenstein.

Der Sommer 2018 war trocken und heiss. Die Bauarbeiter vergossen zwar literweise Schweiss, konnten jedoch sämtliche Belagsarbeiten schneller als geplant ausführen. Zwei Wochen früher als geplant ging das Megaprojekt in die Bauphase 2 über, die sich dem Herzstück der Baustelle widmet: dem Tunnel.

Jetzt, ein halbes Jahr später, kann Armin Rauchenstein in der warmen Frühlingssonne über die Tunneldecke spazieren. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf der Bauarbeiten», sagt er. Alles laufe nach Plan. Von den Arbeiten im bis zu 14 Meter tiefen Loch bekommen die vorbeifahrenden Autofahrer nicht viel mit.

Und auch wenn sie in die Grube hineinblicken könnten, momentan behält man die Augen auf der Neuhof-Kreuzung besser auf der Strasse. «Die Umleitung funktioniert zwar besser als erwartet.» Doch sie sei eine der grössten Herausforderungen.

Besichtigung der Baustelle

Wer gern einen Blick auf die Riesenbaustelle werfen will, kann das jederzeit tun. Auf der öffentlichen Fussgängerbrücke vom Berufsschulhaus zur Karl-Roth-Strasse kann man ins Tunnelloch gucken oder man kann sich als Besuchergruppe für eine Führung anmelden. Oder sich bis Mitte Juni gedulden. Dann findet gemäss Rauchenstein der Tag der offenen Baustelle statt. Wer einfach gern dem umgeleiteten Verkehr zuschaut ohne den Bürostuhl verlassen zu wollen, kann dies auf der Website des Kantons zur Baustelle tun, dort dokumentieren zwei Webcams live, was an den Kreuzungen Neuhof und Lindfeld gerade geschieht. (JGL)

Extra Verkehrsdienst nötig

Seite Ende August ist die Hauptachse ins Freiamt, die Hendschikerstrasse, gesperrt. Der Verkehr wird über die neu gebaute Spange Hornerfeld, Knoten Gexi und Knoten Lindfeld umgeleitet. «Im Grossen und Ganzen funktioniert das gut. Es ist zum Glück auch zu keinen schlimmen Unfällen gekommen», sagt Rauchenstein.

Ein Problem seien jedoch die Lastwagenfahrer oder Ortsunkundige, die mit dem Navi unterwegs seien. Während Rauchenstein vor der Berufsschule steht und den Verlauf des Radweges erklärt, kann er immer wieder Autos beobachten, deren Lenker ihren Fehler zu spät bemerken. Von der Autobahn herkommend, kann man an der Neuhof-Kreuzung nicht mehr links abbiegen. Mit einem U-Turn können Personenwagen diesen Fehler korrigieren.

Lastwagen haben für dieses Manöver zu wenig Platz. «Da kommt es schnell zu einem Durcheinander», sagt Rauchenstein. Deshalb steht vor der Kreuzung ein orangefarbener Verkehrsdienst, der dafür sorgt, dass Lastwagen die Abzweigung in die Stadt erwischen und nicht versehentlich in den Brauereiweg fahren oder die Kreuzung verstopfen.

15 Meter Tunnel pro Woche

Momentan sei das Bauprojekt etwa zwei bis drei Wochen im Vorsprung. Lange seien es gar fünf Wochen gewesen. Doch es könne immer wieder vorkommen, dass die Arbeiter irgendwo anstehen. Zum letzten Mal bei der Ausbuchtung im Tunnel für das Stapelbecken, auf dem die Betriebszentrale gebaut wird.

Weil hier zuerst geschalt, betoniert und abgedichtet werden musste, kamen die Betonarbeiten des Tunnels ins Stocken. «Aber das macht nichts», sagt Rauchenstein. Die Baustelle ist gross, die Arbeiter können ausweichen. Im Tunnel geht es in wöchentlichen Etappen von 15 Metern vorwärts. In Richtung Bünztal sperrt er sein Beton-Maul auf.

Es ist ein anspruchsvolles Werk, das hier vollbracht wird. Für die Nothaltebucht wird er breiter, dann geht es um die Kurve. Zusätzlich hat der Tunnel ein Gefälle, das berücksichtigt werden muss. Und dieses ganz und gar ungünstig gelegene Parkhaus der Berufsschule. Der Treppenaufgang des Parkhauses reicht so nah an den Tunnel, dass der Platz sehr knapp wird. So müssen die Arbeiter bei der Schalung der Betonwände eine andere Technik anwenden.

Ende Jahr soll der Rohbau des Tunnels stehen, Ende 2020 kann er in Betrieb genommen werden. Wann genau ist von anderen Bauprojekten abhängig. Das Bundesamt für Strassen (Astra) will für die Autobahn in Richtung Zürich eine Rampe bauen sowie die SBB-Brücke sanieren.

Doch bis dann geht es noch lange. Auf der Hendschikerstrasse verlegen die Arbeiter gerade die Stellplatten, die den Abschluss des Geh- und Radwegs bilden. Rauchenstein zeigt auf die Strasse in die Stadt, die verbreitert wurde und noch nicht asphaltiert ist. «Anfang Mai kommt hier der Belag rein», sagt er. Dann wird der Verkehr auf diese Seite geleitet.

Das Wetter und die reibungslos verlaufenden Arbeiten hat auch einen Einfluss auf die Finanzen. 76 Millionen sind projektiert worden. «So wie es aussieht, werden wir mit einem zweistelligen Millionenbetrag unter dem Kredit abschliessen», sagt Armin Rauchenstein. Das Gesamtprojekt soll Ende 2021 abgeschlossen werden.