Schwere Gesteinsmassen prasseln auf den Boden der Halle in der Zement-Fabrik Wildegg, als sich die Klappe am SBB-Cargo-Waggon öffnet – jetzt muss alles ganz schnell gehen: «Die Abläufe sind geplant. Die Züge der SBB Cargo sind ganz klar terminiert. Danach hat man ungefähr zwei Stunden Zeit das umzuschlagen aufs Förderband und dann kommt das zu uns nach oben ins Oberegg», sagt Marcel Bieri gegenüber Tele M1.

Marcel Bieri ist Produktionsleiter Zement in der Zement-Fabrik Wildegg. Er muss laut sprechen, damit man ihn trotz des Hochbetriebs, der hinter ihm abläuft versteht. Gerade scheint nämlich ein neuer Zug mit Abbaumaterial in der Halle angekommen zu sein und ein Bagger transportiert die Gesteinsmassen ab.

Förderband über 2 Kilometer lang

Pro Tag kommen bis zu sechs Züge mit Gesteinsmassen in der Zement-Fabrik Wildegg an. Sowohl beim Bau der dritten Röhre im Gubristtunnel als auch beim Bau des Bözbergtunnels werden derzeit täglich mehrere Tonnen Geröll ausgehoben. Um diese grossen Mengen an Gestein kontrolliert abtransportieren und langfristig lagern zu können, wurde in der Zement-Fabrik Wildegg ein ausgefeiltes System entwickelt: Mit einem über 2 Kilometer langen Förderband soll das Geröll zum ehemaligen Steinbruch Oberegg transportiert werden und diesen wieder auffüllen. 

Es können bis zu 5000 Tonnen Gestein pro Tag sein, die von den Zügen aufs Förderband geschichtet werden. Dies ist dann Präzisionsarbeit. Marco Wernli bedient den Bagger, der diese Gesteinsmassen aufs Förderband schichtet. Er wirkt routiniert. Dennoch: Er muss immer wachsam bleiben. Gegenüber Tele M1 erzählt er: «Ich muss immer schauen und vor allem konzentriert arbeiten.» Oft kämen Leute in die Halle zum Besichtigen. Auf die muss Wernli ebenfalls achten, während er die Tonnen an Gestein aufs Förderband schaufelt. Damit das Geröll präzise auf dem Band landet, kommt es beim Umschichten auf jeden Zentimeter an.

15 Millionen investiert

Ist das Geröll einmal auf dem Förderband, tritt es seine 2,2 Kilometer lange Reise zum Steinbruch an. Auf dem Förderband dauert es knapp 23 Minuten, bis das Material im ehemaligen Steinbuch Oberegg angekommen ist. Durch den Transport mit Förderband wird ein vermehrter Lastwagenverkehr verhindert. 15 Millionen Franken hat die Jura-Cement-Fabriken AG (JFC) in das Förderband investiert. 

Oben angekommen, wird das Geröll verteilt. Ziel ist es, den abgebauten Steinbruch wieder aufzufüllen. Dies kann aber nicht planlos geschehen. Damit auf dem Boden später Wasser abfliessen kann und kein Sumpfgebiet entsteht, muss das Material so verteilt werden, dass ein Gefälle entsteht. Zehn Jahre wird es schätzungsweise noch dauern, bis der Steinbruch wieder aufgefüllt ist. 

Was danach aus dem Gebiet genau werden soll, steht laut Tele M1 noch nicht fest. Geplant ist, die Fläche für die Bevölkerung zu nutzen und einen Ort der Erholung zu schaffen. (mos)