Seetal
300 Jahre mehr auf dem Buckel: Schloss Heidegg ist viel älter als angenommen

Die Geschichte des Schloss Heidegg muss wohl neu geschrieben werden. Das Schloss ist älter als bisher angenommen wurde. Holzproben haben ergeben, dass Teile des Turms bereits im 13. Jahrhundert erbaut wurden und nicht erst im 16. Jahrhundert.

Fritz Thut
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Schloss Heidegg

Schloss Heidegg

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Nicht nur die Schlösser von Museum Aargau haben die Saison eröffnet. Auch Schloss Heidegg im Luzerner Seetal ist wieder geöffnet und kann mit einer grossen Überraschung aufwarten: Es ist viel älter als bisher angenommen.

Die Auswertung von Holzproben hat ergeben, dass Teile des heutigen Turms bereits im 13. Jahrhundert erbaut wurden und nicht erst im 16. Jahrhundert.

Schloss Heidegg ist damit der älteste erhaltene Wohnbau im Kanton Luzern. Die neue Sonderausstellung «Burg im Schloss» widmet sich diesem Sensationsfund.

Die Bau- und Schlossgeschichte der Luzerner Staatsdomäne Heidegg muss in Teilen neu geschrieben werden. Bisher galt einzig der südliche Kellerraum des Schlosses als mittelalterlich.

Nun hat eine Nachprüfung der Holzalter ergeben, dass auch die ganze untere Hälfte des heutigen Turms nicht erst im 16. Jahrhundert, sondern bereits im frühen 13. Jahrhundert erbaut wurde.

Damit verbirgt sich im Schloss eine hochmittelalterliche Burg. Das Kerngebäude aus der Zeit um 1192 wurde um 1230 und 1236/37 erweitert und erhöht.

Mit diesen neuen Erkenntnissen ist Schloss Heidegg der älteste erhaltene Wohnbau im Kanton Luzern. Heidegg ist zudem die Luzerner Burg mit dem grössten Grundriss und den massivsten, bis gegen fünf Meter dicken Mauern.

Neues Interesse an Frühgeschichte

Die neuen Erkenntnisse beruhen auf Holzproben an Eichen- und Weisstannenbalken, die der Dendrochronologe Raymond Kontic letzten Sommer vorgenommen hat.

Heidegg-Konservator Dieter Ruckstuhl hatte in Zusammenarbeit mit der Kantonsarchäologie und dem Bauforscher Peter Eggenberger diese Überprüfung der Holzalter veranlasst.

«Das Ergebnis ist schlichtweg sensationell», sagt Dieter Ruckstuhl. Es werfe nun aber auch neue grundlegende Fragen zur Bau- und Schlossgeschichte auf.

Deshalb will die Vereinigung Pro Heidegg, die Trägerin des Schlossbetriebes, in nächster Zeit die Erforschung der Heidegger Frühzeit vorantreiben.

Die Burg im Schloss

Der Sensationsfund ist zudem Thema der neuen Sonderausstellung «Entdeckungsreise - die Burg im Schloss». Diese zeigt seit dem letzten Wochenende den Besuchern die hochmittelalterliche Burg vom Erdgeschoss bis zur heutigen Galerie.

«Mit der Ausstellung versuchen wir auch erste Antworten auf die neuen Fragen zu geben. Zum Beispiel wie die frühe Burg ausgesehen haben könnte», erklärt Dieter Ruckstuhl.

In der Ausstellung kommen auch neue Medien zum Einsatz. Der wissenschaftliche Illustrator Joe Rohrer setzt das aktuelle Wissen bildlich spannend und ansprechend um.

Am hochmittelalterlichen Gemäuer des Heidegger Wohnturms erweckt die audiovisuelle Installation von Simon Meyer (Fotografie) und Stefan Gallego (Animation) das burgenreiche mittelalterliche Seetal zu neuem Leben.

Dieter Ruckstuhl versteht die Ausstellung «als grossen Zwischenschritt zur besseren Erforschung der mittelalterlichen Heidegg und ihrer Umgebung».

Ein Ort zum Verweilen und Feiern Schloss Heidegg mit seinem Museum, seinem Park und Rosengarten ist für viele Menschen ein beliebter Treffpunkt, ein attraktives Ausflugsziel und ein Ort zum Verweilen und Feiern.

Während der Saison 2013 besuchten nahezu 10 000 Personen das Museum. Zudem fanden mehr als 250 Anlässe auf Heidegg statt: Trauungen, Konzerte, Lesungen, Bankette, Apéros und Seminare.

Der seit kurzem vorliegende Jahresbericht 2013 der Vereinigung Pro Heidegg sowie die neu gestaltete Webseite www.heidegg.ch bieten detaillierte Informationen zum Schlossbetrieb und zum vielfältigen Angebot für Gäste aller Altersstufen. (az)