Lenzburg

Wohin mit dem Gasgrill im Winter? Sicher nicht in den Keller!

Einer der grössten Gashändler des Landes hat den Sitz in Lenzburg und erklärt an einem Sicherheits-Seminar, wie Gase nicht gefährlich werden und warum ein Gasgrill im Winter nicht in den Keller gehört.

Kühe stehen diesmal nicht in der Schusslinie. Die Gasflasche kann abgefeuert werden. Ein Schlag mit dem Holzstock, das Ventil fliegt weg, der massive Behälter, gefüllt mit Stickstoff, auch. Meter für Meter durch die Luft, bis er auf der benachbarten Weide aufschlägt. Flaschenschiessen nennen sie das bei der Messer AG in Lenzburg, einem der grössten Gashändler des Landes. Es ist der Schlusspunkt des Sicherheitsseminars. Letztes Jahr mussten die Teilnehmer auf die spektakuläre Vorführung verzichten, weil auf der nahen Wiese Kühe grasten.

Mehr Glück haben die rund 30 Männer und Frauen, die an diesem kühlen Herbstvormittag teilnehmen. Sie sehen nicht nur die Gasflasche fliegen, sondern lernen auch den Umgang mit Gasen. Diese werden Tag für Tag an so vielen Orten eingesetzt, können aber doch so gefährlich werden. Das Ziel, so formuliert es Kursleiter Bruno Suter: «Einen gesunden Respekt behalten, aber keine Angst haben.» Denn, so sind sich alle Experten an diesem Vormittag einig, die gasförmigen Substanzen sind nicht gefährlich – sofern man mit ihnen umzugehen weiss.

Suter erzählt, warum man nie Schraubenzieher in die Öffnungen der Verschlusskappe einer Gasflasche stecken sollte, um sie zu öffnen (das Ventil könnte gelöst, die massive Kappe ins Gesicht geschleudert werden), dass die Flaschen im Fahrzeug nicht in Pyramidenform gestapelt, sondern richtig befestigt oder hinter dem Sitz gesichert werden sollen (damit sie bei einem Auffahrunfall nicht wie eine Rakete nach vorne geschleudert werden) und flüssiger Stickstoff nur von Profis und mit Vorsicht eingesetzt werden soll (er hat ähnlich verheerende Wirkung wie heisses Wasser). Suter warnt nicht nur, er zeigt auch, wozu Gase genutzt werden, wo sie überall vorkommen. Er verspricht allen ein Geschenk, die ihm ein Beispiel eines Produktionsablaufs nennen können, der ohne Gas auskommt. Die Wette gewinnt er, es meldet sich niemand.

Draussen sind neun blaue Ballone in einer Reihe aufgehängt: alle gefüllt mit verschiedenen Gasen. Mit einem kleinen Flammenwerfer in der Hand bringt Experte Markus Epple die Ballone Stück für Stück zum Platzen. Bei den einen geht die Flamme aus, bei anderen wird sie zum Feuerball. Propan brennt besonders heftig, die Hitze ist spürbar, noch mehr, als Epple den Behälter umkehrt und über dem Asphalt ausleert. Propan fliesst wie Wasser, ist schwer und brennbar – nach der Aufzählung der Eigenschaften jenes Gases, das für Grills verwendet wird, leuchtet ein, warum Kursleiter Suter sagt: «Das Dümmste ist, die Propanflaschen in den Keller zu stellen.»

Der Rat an all jene, die nach Ende der Saison nicht wissen, wohin mit dem Grill: draussen lassen. Weder die grosse Hitze im Sommer noch die eisige Kälte im Winter können der Flasche gefährlich werden. Und falls das ausströmende Gas doch mal brennen sollte, ist die richtige Reaktion – zumindest in der Übungssituation – einfach. Den Hahn zudrehen, und schon erlöscht das Feuer.

Das Experiment mit der fliegenden Gasflasche diente übrigens nicht nur zur Unterhaltung. Nun dürfte allen Teilnehmern auch klar sein, warum Behälter mit Stickstoff in der Werkstatt angebunden werden sollten.

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