Baubranche

Wieso der Aargau Vorreiter beim Baustoff-Recycling ist

Werden Gebäude abgerissen, lassen sich die Baustoff zumindest teilweise wiederverwerten.

Werden Gebäude abgerissen, lassen sich die Baustoff zumindest teilweise wiederverwerten.

Deponien haben ausgedient: Im Vergleich zu früher werden immer mehr Baustoffe wiederverwertet. Abrissprojekte ohne Recycling der Gebäudeteile sind inzwischen eine Seltenheit. Eine wichtige Rolle spielen das Umweltdepartement und die Betonproduzenten.

Bei Neubauten stammt heute rund ein Fünftel der mineralischen Baustoffe aus Recycling. Sie selbst sind zwar nicht günstiger als neue Stoffe - das Recycling kommt aber oft billiger als das Deponieren. «Wiederverwerten statt deponieren kann mit einer Kostenersparnis verbunden sein. Sinnvoll ist es sowieso», sagt David Schönbächler, Teamleiter Abfallwirtschaft beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) auf Anfrage der az. Sinnvoll deshalb, weil Ressourcen geschont werden.

Beton aus alten Stoffen statt neuem Kies

Vor allem bei der Betonherstellung hat sich das Recycling bewährt. «Beton kann in der Regel eins zu eins durch Recycling-Beton ersetzt werden», so Schönbächler weiter. «Vieles was man heute mit Kies baut, kann man auch mit Recyclingstoffen bauen», erklärt Andreas Röthlisberger, Geschäftsführer des Verbands der Kies- und Betonproduzenten (VKB). Was zum Beispiel für Hausmauern gilt, ist aber bei Trägerelementen wie Brücken nicht immer möglich - hier braucht es oft neue Stoffe.

Wer ein Gebäude abreissen (im Fachjargon: «rückbauen») will, braucht dafür eine Baubewilligung. So erfahren die Gemeinden von allen Abrissvorhaben. Sie machen die Bauherrschaft jeweils auf die Recyclingmöglichkeiten aufmerksam - mit einem 2013 eingeführten Merkblatt und einem dazugehörigen Deklarationsformular.

Kanton will Recycling überall bekannt machen

In Zusammenarbeit mit den Kies- und Betonproduzenten hat das Umweltdepartement diese Blätter erstellt. Das Ziel dabei: Die Möglichkeiten, Baustoffe wiederzuverwerten, sollen überall bekannt sein. Vor Kurzem führte der Kanton bei den Gemeinden eine Umfrage durch, um herauszufinden, ob das Merkblatt eingesetzt wird. Das Ergebnis freut die Verantwortlichen: «Die Gemeinden bewerten das Merkblatt als hilfreich», sagt David Schönbächler.

Neben der Bekanntmachung gibt es noch andere Verbesserungsmöglichkeiten: Noch können nicht alle Baumaterialien wiederverwendet werden. Hier ist die Forschung gefordert - sie muss zum Beispiel Lösungen dafür finden, dass auch alter Gips dem Recycling zugeführt werden kann. Grundsätzlich ist man aber auf einem guten Weg: «Der Anteil von Recycling-Baustoffen sowie bei Neubauten nimmt zu. Auch die gute Qualität dieser Baustoffe verbessert sich stetig», so Schönbächler.

Problemstoffe wie Asbest erschweren das Recycling

Ein Hindernis bei der Wiederverwertung von Baustoffen sind krebsauslösende Stoffe. «In älteren Häusern findet man meistens Asbest. Dieses muss dann vorgängig aussortiert werden, damit die Bauarbeiter nicht gefährdet, die Problemstoffe aus dem Baustoffkreislauf entfernt und so der Rest dem Recycling zugeführt werden kann», erklärt David Schönbächler.

«Der Kanton Aargau ist zusammen mit dem Kanton Zürich Vorreiter in Sachen Baustoff-Recycling», freut sich Andreas Röthlisberger. Vor 30 Jahren war seine in Turgi ansässige Firma eine der ersten, die mit dem Recycling von Baustoffen begann. «Heute gibt es im Aargau keine Kies- oder Betonproduzenten mehr, die keine Recycling-Abteilung haben. Baustoff-Recycling gehört mittlerweile zum täglichen Geschäft», so Röthlisberger. Der Markt fürs Baustoff-Recycling sei nun gesättigt: «Wir müssen keine Recycling-Baustoffe von ausserhalb des Kantons beschaffen.»

Auch Architekten und Ingenieure sind gefordert

Was gebaut werde, solle möglichst vollständig zurückgenommen werden können, so Röthlisberger: «Das ist wie bei den Elektro-Geräten: Die Hersteller müssen für ihre Produkte Verantwortung übernehmen und schon beim Neubau an den Rückbau denken.» Künftig soll das Recycling schon bei den Architekten und Ingenieuren beginnen. Wenn Ingenieure und Architekten schon beim Planen ans Recycling denken, werde das Recycling der Baustoffe viel einfacher.

Übrigens: Vor der Erstellung des Merkblatts gab es die Befürchtung, dass damit über die Hintertüre neue Vorschriften eingeführt werden. Diese Befürchtungen wurden entkräftet: «Das Ganze dient vor allem dazu, die bestehenden Möglichkeiten gut umzusetzen», sagt David Schönbächler vom Umweltdepartement.

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