Die Sonne macht sich derzeit rar. Wer trotzdem einige wärmende Strahlen spüren möchte, muss in die Höhe, in den Süden – oder ins Solarium. Das künstliche Sonnenlicht kann allerdings auch gefährlich werden. Auf seiner Website warnt das Bundesamt für Gesundheit (BAG): «Die Strahlung im Solarium ist eine unnötige Belastung.»

Sie verursache Hautkrebs und andere Schäden. Der Bund plant deshalb, Minderjährigen den Besuch im Solarium zu verbieten. Zwar fehlt eine entsprechende Bestimmung im neuen Strahlenschutzgesetz, doch die dazugehörige Verordnung, die im Februar in die Vernehmlassung geht, sieht ein Zutrittsverbot für unter 18-Jährige vor.

Kampf gegen sinkende Umsätze

Aargauer Solarienbetreiber fürchten nun um ihr Geschäftsmodell. Heinz Wolf vom Branchenverband Photomed schätzt die Anzahl jener Solarien, denen die Schliessung drohen würde, auf bis zu 90 Prozent.

Einer der Gründe: Ein Verbot zieht Alterskontrollen nach sich, doch die grosse Mehrheit der Sonnenstudios sind Selbstbedienungsläden. Personal anzustellen, käme viel zu teuer, da sind sich die angefragten Betreiber einig. Dölf Stump, der rund 20 «Top Sun»-Solarien im Aargau betreibt, sagt stellvertretend: «Bediente Studios sind absolut nicht finanzierbar.»

Zwar wäre es technisch möglich, den Zugang etwa über ein Kartenlesegerät zu beschränken, doch in der Branche stossen diese Massnahmen auf wenig Begeisterung. Verbandspräsident Heinz Wolf sagt, die Technologien seien sehr kostspielig und noch nicht praxisgerecht ausgereift, weil beispielsweise noch nicht alle Ausweise funktionierten.

Dazu kommt: Die Branche kämpft ohnehin mit Problemen. Heinz Wolf spricht von einem stetigen Umsatzrückgang seit der Jahrtausendwende – um 50 bis 60 Prozent. Die Schätzung des Verbands, wonach bei einem Verbot neun von zehn Solarien das Ende drohen würde, sei deshalb realistisch.

Welche Auswirkungen diese Massnahme auf die Branche haben kann, lässt sich im Kanton Waadt beobachten, wo seit 2014 unter 18-Jährigen Solariumbesuche untersagt sind: Wolf beziffert die Einbussen auf bis zu 40 Prozent. Alle angefragten Aargauer Betreiber sprechen ebenfalls von rückläufigen Zahlen. Ueli Schreiber von «O sole mio» mit Standorten im ganzen Kanton sagt: «Es haben bereits viele Studios geschlossen, weil die Umsätze nicht mehr passten.»

Wie viele Solarien es gibt, ist weder beim Kanton noch beim Bund bekannt. Denn für die Betreiber besteht keine Meldepflicht, die Solarien müssen nicht bewilligt werden. Der Branchenverband «Photomed» schätzt die Zahl der kommerziellen Anbieter im Aargau auf rund 40; 8 davon sind Mitglieder jenes Verbands, der 2010 beschloss, freiwillig darauf hinzuweisen, dass unter 18-Jährige nicht zugelassen sind.

Rund ein Prozent der Kunden sei minderjährig, schätzen die angefragten Solarien-Betreiber. «Freiwilligkeit hat gegriffen», schliesst Heinz Wolf daraus. Und auch sonst sind sich die Branchenvertreter einig: Ein Verbot ist nicht nur teuer, sondern auch unnötig. «Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen», sagt Dölf Stump. «Unsinn», sagt Ueli Schreiber. «Ein Verbot erzeugt nur Aufwand für uns und den Staat.»

Und auch Irene Leder, der drei Studios in Nussbaumen, Mägenwil und Wohlen gehören, betont: «Das ist der falsche Ansatz. Ich bin überzeugt, dass sich die Jugendlichen und auch die Erwachsenen nicht im Solarium verbrennen, sondern in der Badi und am Strand.» Ein Argument, das auch andere Betreiber vorbringen.

Bundesamt warnt vor Hautkrebs

Anders werden die Gefahren beim Bundesamt für Gesundheit beurteilt. «Studien zeigen, dass Personen, die Solarien nutzen, fast doppelt so häufig an Hautkrebs erkranken wie Personen, die sich nie unter die künstliche Sonne legen.»

Auf Nachfrage erklärt BAG-Sprecher Daniel Dauwalder: «Haut- und Gewebeveränderungen entstehen dann, wenn Personen zu hohe UV-Belastungen in ihrem Leben erhalten haben.» Massgebend seien Belastungen in jungen Jahren und mit Unterbrechung laufende Belastungen mit hohen Dosen, wie sie typischerweise auch in Solarien vorkommen.

Dauwalder: «Sie führen zu kosmetischen Effekten wie Lederhaut und fleckiger Haut wie auch zu Hautkrebs, im Besonderen zu Karzinomen und Melanomen.»

Die Branchenvertreter streichen hingegen die Vorzüge der künstlichen Sonne hervor. Dölf Stump beispielsweise sagt: «Viele Kunden gehen heute vor allem wegen eines markanten Vitamin-D-Mangels ins Solarium.»

Studien belegten die positive Wirkung der Strahlen auf den Vitamin-D-Haushalt. Allerdings gehen auch in diesem Punkt die Meinungen auseinander. Beim Bundesamt für Gesundheit heisst es: «Solarium ist nicht gleich Sonne.» Die künstliche Strahlung bilde das notwendige Vitamin D in der Haut weitaus weniger effizient als die Sonne.