Furka-Bergstrecke
Wie die Furkabähnler ihre Loks aus Vietnam zurückholten

In den 1990er-Jahren kämpften Eisenbahnfans für ihre Dampfloks – ein prägendes Abenteuer. Alleine zwei Jahre dauerten die Verhandlungen, ehe Lok für Lok über schlechte Strassen nach Saigon und per Schiff nach Hamburg transportiert werden konnte.

Bastian Heiniger
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Der Rückweg führte über Strasse, Schienen und Meer.

Der Rückweg führte über Strasse, Schienen und Meer.

ZVG/Martin Norath

Die Furka-Dampfloks umweht eine Geschichte von Kriegen, Diplomatie und einer abenteuerlichen Rückführungsaktion aus der vietnamesischen Hochebene. Es ist eine Geschichte von Bahnverrückten, die partout ihre originalen Dampfloks auf die Furka-Bergstrecken zurückbringen wollten.

1990 machte sich eine zwölfköpfige Truppe der Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) auf nach Vietnam. Für den heute 60-jährigen Manfred Willi aus Goldau war die Aktion «Back to Switzerland» vor 25 Jahren eine prägende Erfahrung: «Es war wohl verrückt – aber Gott sei Dank war ich dabei», sagt er. Die Reise führte sie nach Da Lat, einer Stadt am Rand des zentralvietnamesischen Hochlands, 1500 Meter über Meer.

Wegen des angenehmen Klimas war die Stadt früher ein beliebter Kurort für französische Kolonialherren. Zwischen 1913 und 1932 bauten diese eine 84 Kilometer lange Bahnstrecke, von der Küste nach Da Lat. Auf Vermittlung durch Frankreich wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vier Dampfloks der damaligen Furka-Oberalp-Bahn nach Vietnam gebracht — in der Schweiz hatte indessen die Elektrisierung den Dampfantrieb abgelöst.

Bis gegen Ende des Vietnamkrieges blieben die Loks in Betrieb, doch Anschläge der Amerikaner führten zur Stilllegung. Aber: «Ein Eisenbahnfreak weiss fast von jeder Dampflok, wo sie hingekommen ist», sagt Willi. Und so beauftragten die Furkabähnler 1988 einen Schweizer Erdbebenforscher, der in das Gebiet reiste, er solle sich nach den Loks erkundigen.

Auf gefährlichen Strassen

Tatsächlich wurde er fündig. Zwei Jahre dauerten dann die Verhandlungen. Mithilfe des Schweizer Botschafters einigten sie sich mit Vietnam über den Rückkauf der Loks. Im August 1990 erreichten 36 Tonnen technische Ausrüstung den Hafen von Saigon; Willi fungierte dabei als Logistiker. Auf Lastwagen brachten sie Lok für Lok über schwierige, verregnete Strassen und schwache Brücken in Richtung Küste. Nach einer Woche erteilte die vietnamesische Strassenbehörde plötzlich ein Transportverbot.

Nervenaufreibende Meetings folgten, doch nachts konnte das Team unbeobachtet weitermachen. Am Schluss kamen sie mit einer Geldbusse davon. «Der Transport brauchte viel Mut und Entschlossenheit», sagt Willi. Einen Monat später konnten sie an der Küste die Loks auf Gleise versetzen und während einer 36-stündigen Langsamfahrt nach Saigon bringen. Dort wurden sie aufs Schiff verfrachtet und nach Hamburg geliefert. Auf dem Schienenweg gelangten sie letztlich in die Schweiz.

«Wir wurden damals als Spinner angesehen», sagt Willi, der heute als einer der wenigen Festangestellten für die Furka-Dampfbahn arbeitet. Doch die Aktion habe damals ihrem Gesamtprojekt, die Dampfbahn wieder zu betreiben, Glaubwürdigkeit verliehen.