Kommentar

Wermuths Rückzieher: cleverer Schachzug in eigener Sache

Rolf Cavalli
Im Rampenlicht: Cédric Wermuth zieht seine Ständeratskandidatur zurück.

Im Rampenlicht: Cédric Wermuth zieht seine Ständeratskandidatur zurück.

Die Überraschung ist perfekt: Cédric Wermuth verzichtet auf den zweiten Wahlgang bei den Ständeratswahlen. Damit hat er vor allem sich selber einen Gefallen getan.

Cédric Wermuth konnte es rechnen, wie er wollte. Er wusste: Es wird im zweiten Wahlgang nicht reichen, um den Rückstand von über 17'000 Stimmen auf SVP-Kontrahent Hansjörg Knecht wettzumachen. Zwar konnte der SP-Kandidat seine Anhängerschaft dank eines professionellen und kostspieligen Wahlkampfs optimal mobilisieren. Aber Knechts SVP-Wählerbasis bleibt grösser.

Auch wenn er den Entscheid nicht alleine gefällt hat: Wermuths Rückzug ist ein cleverer Schachzug in eigener Sache. Er kann nur gewinnen:

  • Er verhindert so eine persönliche Niederlage. Rückblickend wird Wermuth nie als Verlierer der Ständeratswahlen dastehen.
  • Er rehabilitiert seinen Ruf als Frauenverhinderer. Stand er bei der Nomination noch Parteikollegin Yvonne Feri vor der Sonne, ist er nun plötzlich der Frauenermöglicher, indem er Ruth Müri (Grüne) den Vortritt lässt und Feri indirekt bei der Regierungsratswahl hilft.
  • Er profiliert sich als Parteistratege. Sollte es Müri nicht ganz schaffen, was immer noch wahrscheinlich ist, war es trotz seines Verzichts und nicht wegen seines Verzichts.

Von aussen konnte man gelegentlich den Eindruck bekommen, der SP-Nationalrat nutze den Ständeratswahlkampf vor allem als Profilierungsvehikel. Er selber betont, er habe sich immer vorgenommen, dass nicht seine Person im Vordergrund stehen dürfe, sondern der Einsatz für die Sache.

So oder so: Geschadet hat Wermuth das Spektakel um seine Ständeratskandidatur auf seinem vorgezeichneten Weg an die Spitze SP Schweiz sicher nicht.

Das sagte Cédric Wermuth am Dienstagnachmittag:

Cédric Wermuth: «Es geht hier nicht darum, persönlich Sympathien zu gewinnnen»

Cédric Wermuth: «Es geht hier nicht darum, persönlich Sympathien zu gewinnnen»

Cédric Wermuths Karriere in Bildern: 

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Rolf Cavalli

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