Nahrung
Werden Insekten zu einem Standbein für die Aargauer Landwirtschaft?

Insekten könnten zu einem weiteren Standbein für Landwirtschaftsbetriebe werden, findet der Bund. Rüsten Aargauer Bauern nun um?

Manuel Bühlmann
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Mehlwürmer sind gute und günstige Proteinlieferanten. Ob sie sich auf dem Speisezettel durchsetzen, steht auf einem anderen Blatt.

Mehlwürmer sind gute und günstige Proteinlieferanten. Ob sie sich auf dem Speisezettel durchsetzen, steht auf einem anderen Blatt.

KEYSTONE/AP/BEN MARGOT

Mehlwürmer, Grillen, Heuschrecken: Drei Insektenarten dürfen seit Anfang Monat als Lebensmittel produziert und verkauft werden. Was bei den einen Ekel auslöst, bringt andere auf Geschäftsideen. Eine Chance für Bauern, schreibt etwa das Bundesamt für Landwirtschaft in ihrem Newsletter. Den Betrieben biete sich dadurch die Gelegenheit zur Diversifizierung – und auf Investitionskredite.

Allerdings scheint das Interesse am neuen Businessmodel noch bescheiden zu sein. Auf Anfrage teilt das für Lebensmittelkontrollen zuständige Departement Gesundheit und Soziales mit: «Bis dato ist im Kanton Aargau weder ein Betrieb gemeldet, welcher Insekten als Lebensmittel produziert, noch ist ein solches Gesuch bei uns hängig.»

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Und auch beim Finanzdepartement sind noch keine Anträge auf Kredite eingegangen. Bis zu 800 000 Franken könnten in der Talzone beantragt werden – sofern ein Businessplan vorliegt. Allerdings stellt sich das Finanzdepartement nicht auf einen grossen Ansturm ein, wie Sprecher Roland Hofer sagt. «Gestützt auf die Erfahrungen mit anderen Innovationen wie zum Beispiel Zander werden keine bis ganz wenige Anträge erwartet.»

«Kreuz»-Wirt Louis Bischof- berger (l.) kostet mit Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi Speisen mit Insekten.
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«Kreuz»-Wirt Louis Bischof- berger (l.) kostet mit Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi Speisen mit Insekten.

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Delikatesse mit Vorteilen

Dabei ist die Vorstellung von Insekten als Fleisch der Zukunft gar nicht so abwegig, wie eine Studie der Berner Fachhochschule zeigt. Demnach sind neun Prozent der Befragten aufgeschlossen gegenüber der ungewohnten Nahrung; ein Drittel will lieber abwarten, ist aber nicht grundsätzlich abgeneigt. Vorteile können die ungewöhnlichen Delikatessen mehrere vorweisen: So brauchen Insekten verglichen etwa mit Schweinen oder Rindern viel weniger Platz und Futter, um die gleiche Menge an Proteinen zu liefern. Ausserdem erzeugen sie nur einen Bruchteil an Treibhausgasen. Keine unmögliche Mission, aber eine, die Zeit braucht, lautet das Fazit von Studienautor und Professor für Konsumentenverhalten Thomas Brunner.

Auch Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbands, sagt: «Insekten haben als Nahrungsmittel durchaus Potenzial.» Allerdings brauche es dafür Zeit. «Diese Entwicklung wird Jahre dauern.» Zuerst einmal müsse jemand bereit sein, eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Keine leichte Aufgabe. «Ein Pionier geniesst zwar viele Freiheiten, muss aber auch das Risiko tragen, dass es in die Hosen geht – und er die Mehlwürmer selber essen muss.» Deshalb würde es sich wohl lohnen, zuerst im Kleinen auszuprobieren, sagt Bucher. Eine grosse Infrastruktur sei dazu nicht nötig. Dann wird sich zeigen, ob ein Markt besteht oder nicht.

«Bei andern schlaumachen»

Anfragen zur Produktion von Insekten sind beim Aargauer Bauernverband noch keine eingegangen. «Bislang war dies kein Thema.» Einem interessierten Landwirten würde Bucher empfehlen, sich bei Betrieben im Ausland zu erkundigen, die bereits auf Insekten setzen. Sein Rat: «Macht euch bei anderen Züchtern schlau und nicht die gleichen Fehler.» Profitieren könnten Pioniere auch vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick. Dort wird etwa erforscht, wie Insekten aus Abfällen gezüchtet werden können, um daraus Tierfutter zu gewinnen. Denn Insekten sind gute Futterverwerter und benötigen wenig Energie.

Bauernverbands-Geschäftsführer Bucher ist überzeugt, dass die Insektenzucht zur Landwirtschaft passen würde. «Jedes Tier braucht eine gewisse Überwachung. Deshalb ist es wichtig, nebenan zu wohnen, um rasch reagieren zu können.» Dazu kommt: «Die Würmer sind unsere günstigsten Helfer, die den Humus im Boden produzieren. So gesehen sind Bauern eigentlich schon lange mit der Zucht kleiner Lebewesen vertraut.» Dennoch wird Bucher, der in Mühlau einen Hof mit 25 Mutterkühen führt, zumindest vorerst nicht auf die Produktion von Mehlwürmern, Grillen und Heuschrecken umschwenken. «Ich bleibe lieber beim Rindfleisch.»