Aargau
Wer ein Billett lösen will, muss sich auskennen – sonst gehts schief

Die Ticketautomaten im Aargau sind kompliziert. Wer von A nach B will, muss sich im Kanton gut auskennen. Sonst ist schnell einmal das falsche Billett gelöst.

Manuel Bühlmann
Merken
Drucken
Teilen

Viele Wege führen nach Bremgarten – jedenfalls wenn es nach dem Billettautomaten des A-Wellen-Tarifverbunds in Aarau geht. Für die Strecke von Aarau, Holzmarkt, nach Bremgarten, Obertor, erscheinen auf dem Bildschirm gleich sechs unterschiedliche Reiserouten.

Der Fahrgast muss wählen, ob er über Mellingen Heitersberg–Dietikon–Berikon oder über Lenzburg–Wohlen–Rottenschwil fahren will und ob er lieber sechs, sieben, oder neun Zonen durchqueren möchte. Genauso verschieden sind die Preise: Die teuerste Variante (27 Franken) kostet mehr als doppelt so viel wie die günstigste (12.60 Franken).

«Zu kompliziert», findet Jean-Pierre Leutwyler, Vorstandsmitglied von Pro Bahn, das Ticketsystem im Aargau. «Man kann nicht einfach schnell ein Billett lösen. Der Bus fährt dann halt ohne einen ab.» Früher sei es einfacher gewesen: «Es gab ein Billett für eine Strecke, egal für welche Route.»

Die Aargauer Verkehrsbetriebe haben das Problem erkannt. «Fakt ist, das Billettsystem und die Automaten müssen kundenfreundlicher werden», sagt AAR bus+bahn-Sprecher Erwin Rosenast. «Die grosse Herausforderung sind die vielen Via», sagt Thomas Koch, Leiter Kundenservice der BDWM (Bremgarten-Dietikon-Bahn und Buslinie Wohlen–Meisterschwanden).

Kunden wünschen eine Auswahl

«Die verschiedenen Via sind sehr verwirrend und stellen Kunden teilweise vor unlösbare Aufgaben», sagt René Bossard, Geschäftsführer Regionalbus Lenzburg. Und auch Postauto Schweiz hat die Problematik erkannt. Diese sei nun aber im Juni entschärft worden. Seither würden nur noch die am häufigsten genutzten Varianten im Automaten angezeigt, teilen die Verkehrsbetriebe auf Anfrage mit.

Gemäss AAR-Sprecher Erwin Rosenast werden nun nur noch die maximal vier gebräuchlichsten Reisewege vorgeschlagen. Von dieser Reduktion habe er persönlich bisher nichts gemerkt, sagt Jean-Pierre Leutwyler von Pro Bahn. «Eine automatische Routenwahl wäre für die Passagiere aber sowieso einfacher zu handhaben.»

Der Grundtenor bei den Aargauer Bus- und Bahnbetrieben lautet allerdings: Die Fahrgäste schätzen es, eine Auswahlmöglichkeit zu haben. «Die Kunden wünschen grundsätzlich drei verschiedene Routen: die direkteste, die günstigste und die bequemste», sagt etwa Martin Osuna, Geschäftsführer des Tarifverbunds A-Welle.

Doch auch wenn die Auswahl der möglichen Reisewege reduziert wird, ist es beim Ticketkauf von Vorteil, sich im Aargau auszukennen. «Aufgrund des vernetzten öffentlichen Angebots sind gewisse Grundkenntnisse der Geografie Voraussetzung», sagt Erwin Rosenast. Pro-Bahn-Vorstandsmitglied Jean-Pierre Leutwyler widerspricht: «Ich denke nicht, dass man geografische Kenntnisse voraussetzen darf.» Es gebe schliesslich auch Passagiere, die von ausserhalb des Kantons kommen.

Gnade vor Recht walten lassen

Wer aus Versehen ein falsches Billett löse, könne auf ihr Entgegenkommen hoffen, teilen die Verkehrsbetriebe mit. BDWM-Kundenservice-Leiter Thomas Koch hält gar fest: «Es wurde nie eine Busse wegen eines falschen Tickets ausgestellt.» Der Kundendienst sei darauf sensibilisiert, bei solchen Fällen Rücksicht zu nehmen, sagt Marija Nikolova, Sprecherin der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW).

Nach eigenen Angaben auch mal Gnade vor Recht gelten lässt Regionalbus Lenzburg. Postauto Schweiz sagt von sich, nach gesundem Menschenverstand zu handeln, und AAR bus+bahn gibt an, Kulanzanfragen seriös zu behandeln. Pro-Bahn-Vorstandsmitglied Jean-Pierre Leutwyler stellt den Betrieben denn auch kein schlechtes Zeugnis aus: «Die Kulanz ist in letzter Zeit gestiegen.»