Schulnoten

Weniger Arbeit, weniger Stress: Das Jahreszeugnis hat sich etabliert

Die förderorientierte Beurteilung zeigt auf, wo Schülerinnen und Schüler noch Potenzial haben, der direkte Vergleich mit andern Schülern entfällt. Sandra Ardizzone

Die förderorientierte Beurteilung zeigt auf, wo Schülerinnen und Schüler noch Potenzial haben, der direkte Vergleich mit andern Schülern entfällt. Sandra Ardizzone

Die Schulzeugnisse kommen auch im Kanton Aargau seit ein paar Jahren nur noch einmal im Jahr. Die Lehrer haben weniger Arbeit, die Schüler weniger Stress. So das etwas saloppe Fazit. Der Kanton zieht jetzt etwas profundere Bilanz. Wir zeigen die Ergebnisse.

An der Aargauer Volksschule gibt es pro Schuljahr zwei unterschiedliche Zeugnisse. Das Jahreszeugnis am Ende des Schuljahres ist selektiv. Es hält fest, inwiefern die geforderten Lernziele erreicht wurden, und entscheidet über die Promotion.

Die Beurteilung erfolgt in Noten zwischen 1 und 6, mit halben und ganzen Noten, und ist dadurch leicht verständlich und einfach lesbar. Das zweite Zeugnis, es wird nach dem ersten Semester ausgestellt, heisst Zwischenbericht und hat förderorientierten Charakter und ist nicht promotionswirksam.

Er zeigt den Schülerinnen und Schülern und deren Eltern Möglichkeiten zur Entwicklung der jeweiligen Schüler auf und liefert den Lehrpersonen Informationen, damit sie den Unterricht gezielt auf die Lernbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler ausrichten können.

Der Zwischenbericht ist deshalb viel detaillierter und umfangreicher als das Jahreszeugnis. Er enthält neben Orientierungsnoten auch Wortbeurteilungen in den wichtigen Kernfächern. Für alle Schüler wird während des Schuljahres ein Beurteilungsdossier geführt, in das Schüler und Eltern nach Wunsch Einsicht erhalten.

Fragen zum Zwischenbericht

Dieser zweiteilige Aufbau des Zeugnisses löse bei Eltern häufig Fragen aus, kritisiert Grossrätin Barbara Portmann-Müller (GLP). Insbesondere werde nicht genau verstanden, was der Zwischenbericht genau zu bedeuten habe. Deshalb möchte Barbara Portmann-Müller von der Regierung wissen, ob sich das zweiteilige Zeugnis bewährt habe oder ob Handlungsbedarf bestehe.

Grundsätzlich hält der Regierungsrat fest, dass das zweigliedrige System mit Jahreszeugnis und Zwischenbericht seit 2009 angewendet wird; das System sei bei Schülern, Eltern und Lehrern etabliert. Man habe keinerlei Anhaltspunkte, die auf eine Unzufriedenheit seitens Eltern oder Schule schliessen liessen, erklärt der Regierungsrat in seiner Antwort.

Zentrales Element des zweigliedrigen Systems sei, dass die Zeugnisse nun nicht mehr bloss selektiv wirkten, sondern mindestens eine so starke förderorientierte Komponente enthielten. So werden einzelne Teilkompetenzen in wichtigen Kernfächern differenziert in Worten beurteilt. Durch diese detaillierten Rückmeldungen erhalten die Schülerinnen und Schüler Hinweise, wo im Hinblick auf eine erfolgreiche Jahrespromotion allenfalls noch zusätzliche Anstrengungen nötig sind.

Im ersten Schuljahr erhalten die Schülerinnen und Schüler noch keine Noten. Hat sich diese Praxis bewährt? Damit die Kinder schrittweise an den Leistungsgedanken der Volksschule herangeführt werden können und der Wettbewerbsdruck aufgrund von Noten nicht unnötig verstärkt wird, wird im ersten Jahr der Primarschule auf Noten verzichtet, erklärt der Regierungsrat. Dies werde auch in vielen anderen deutschsprachigen Kantonen so gemacht und habe sich bewährt, es gebe keinen Anzeichen, die eine Änderung dieser Praxis nahelegen würden.

Im Übrigen sei der Aufbau des Aargauer Zeugnisses keine Besonderheit; in den meisten deutschsprachigen Kantonen ist das Zeugnis genau gleich strukturiert.

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