Peter Grünenfelder

Was die Aargauer besser machen als die Zürcher – der neue Avenir-Chef redet Klartext

Ex-Staatsschreiber Grünenfelder: Zürich kann vom Aargau lernen.

Ex-Staatsschreiber Grünenfelder: Zürich kann vom Aargau lernen.

Peter Grünenfelder macht als neuer Avenir-Suisse-Direktor dort weiter, wo er als Aargauer Staatschreiber aufgehört hat: Er räumt auf mit den «Rüebliland»-Klischees und sagt, was die Zürcher von den Aargauern lernen können. Zürich fehle politisch der Hunger.

Zwölf Jahre lang prägte er die Arbeit der Aargauer Regierung und pushte Projekte im Kanton nach vorne. Im Februar räumte er sein Büro in Aarau, jetzt hat er in Zürich als Direktor der Wirtschafts-Denkfabrik Avenir Suisse die Arbeit aufgenommen.
In einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» wird er mit den üblichen Aargauer Klischees konfrontiert («biederer Rüeblikanton», Wechsel ins «urbane» Zürich-West). Das nutzt Grünenfelder, selber Zürcher, für eine Lobeshymne auf den Aargau. Gleichzeitig hält er den Zürchern den Spiegel vor.
Ob der Jobwechsel eine Art Flucht gewesen sei, wird Grünenfelder gefragt. Antwort: «Das ist nun bösartig. Der Kanton Aargau ist gut aufgestellt, er vollzieht eine Transformation zum Hightech-Kanton, er ist wirtschaftlich stark und hat eine Regierung, die nach vorne treibt.»
Dann dreht Grünenfelder den Spiess um. Er wolle den Aargau und Zürich nicht gegeneinander ausspielen, aber: «Was der Aargau aber anders macht: Die Regierung schaut weit voraus, zehn Jahre, und definiert ein Zukunftsbild. Derzeit steht im Vordergrund, zum Top-Technologie- und -Hightech-Standort zu werden.» Zehn Jahre vorauszublicken und nach definierten Zielen zu handeln, zwinge zu Reformen. Das sei kein Aargauer System, es stamme aus dem angelsächsischen, amerikanischen und asiatischen Raum.
Peter Grünenfelder, Ex-Aargauer Staatschreiber.

Peter Grünenfelder, Ex-Aargauer Staatschreiber.

Zürich: Mehr Ehrgeiz gefragt

Ex-Staatsschreiber Grünenfelder erklärt den Zürchern, wie der Aargau auf die Zielsetzung gekommen sei, ein boomender Technologie-Kanton zu werden. «Wir machten eine Analyse, wie sich die Wertschöpfung gestaltet und entwickelt. Eine Erkenntnis daraus war, dass vorhandenes Wissen besser in die Wirtschaft transferiert werden muss, Wissen, das etwa an den Fachhochschulen und am Paul-Scherrer-Institut generiert wird.»

Zu Zürich sagt er: «Ich wünsche mir, dass der Wettbewerbsgedanke wieder mehr ausgelebt wird.» Zürich sei auf hohem Niveau stabil. Aber man könne noch ehrgeiziger werden. Zürich ist unbestritten Wirtschaftsstandort Nummer eins und immens wichtig für das Land. «Aber politisch fehlt der Hunger nach mehr.» (roc)

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