Tante Ju
Warum die scharfe Linkskurve vor dem Absturz? Aargauer Aviatik-Experte äussert neue Theorie

Eine Woche nach dem tragischen Flugzeugunglück mit 20 Toten äussert der Aargauer Aviatikexperte Sepp Moser eine neue Theorie, weshalb die «Tante Ju» abgestürzt sein könnte.

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Bisher ist unklar, weshalb die Ju-52 am vorvergangenen Samstag in Flims abgestürzt ist. Experten gehen davon aus, dass etwas Unerwartetes vorgefallen sein muss, das die Piloten veranlasste, kurz vor dem Absturz eine scharfe Linkskurve einzuleiten.

Der Aargauer Aviatik-Experte Sepp Moser äussert in der «NZZ am Sonntag» nun eine eigene Theorie: Demnach könnte verdampfendes Benzin die Motoren zum Stottern gebracht haben.

«Der Flieger ist am Vortag nach Locarno geflogen und erst am nächsten Tag um vier Uhr nachmittags wieder gestartet. In der Zwischenzeit stand er in der gleissenden Sonnenhitze. Und wurde heiss», führt Moser seine Überlegungen gegenüber «TeleM1» aus.

 Das Foto der Kantonspolizei Graubünden zeigt das Wrack.
11 Bilder
Medienkonferenz zur abgestürtzen «Tante JU» in Flims GR
Kurt Waldmeier, CEO von Ju-Air, zeigt sich an der Medienkonferenz vom Sonntag betroffen.
Helikotper bergen die Wrackteile des abgestürzten Flugzeugs.
Helikotper bergen die Wrackteile des abgestürzten Flugzeugs.
Ein Archivbild einer JU-51 der JU-Air.
 Am Sonntag informierte die Kantonspolizei in Flims vor den Medien
 "Das Flugzeug ist nahezu senkrecht und mit relativ hoher Geschwindigkeit auf den Boden geprallt", sagte Daniel Knecht von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust).
 Die SUST ermittelt in alle Richtungen.
 Ausgeschlossen werden kann zum jetzigen Zeitpunkt eine Kollision mit einem Hindernis, Kabel oder einem anderen Fluggerät.
 Die Flugunfalluntersuchung kann sich auf die Aussagen mehrerer Augenzeugen stützen, sagte Andreas Tobler von der Kantonspolizei Graubünden.

Das Foto der Kantonspolizei Graubünden zeigt das Wrack.

AP

Das pralle Sonnenlicht habe nicht nur das schwarz bemalte Flugzeug stark erhitzt, sondern in geringerem Ausmass auch das Benzin in den Tanks. Für Benzin gilt der gleiche Grundsatz wie für Wasser: Je geringer der Luftdruck ist, desto tiefer ist auch der Siedepunkt. Heisst: Auf 2600 Metern könnte das Benzin langsam zu verdampfen begonnen haben.

«Ist das der Fall, hat die Pumpe Mühe, dem Motor Benzin zuzuführen und der Motor erhält zwischendurch auch Dampf statt Benzin, wodurch er zu stottern beginnt.» Dies sei ein Schreckmoment für Piloten und könnte der Grund für die scharfe Linkskurve gewesen sein, die Augenzeugen beobachtet haben, so der Aviatik-Experte. «Dabei kam es zum Strömungsabriss, und der Absturz war nicht mehr zu vermeiden.»

Ein offizielles Untersuchungsergebnis liegt noch nicht vor.

(sam)

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