Die Gemeinden hatten zum Teil keine Freude, als Petitio ins Leben gerufen wurde. Verstehen Sie das?

Uwe Serdült: Durchaus. Petitio war neu und ungewöhnlich in der Machart. Da ist man erst mal vorsichtig. Aber ich denke, die Gemeinden können froh sein um diesen niedrigschwelligen Sensor in der Lokalpolitik. Auch Petitionen, die die Schwelle nicht erreichen, geben den Behörden Auskunft über Befindlichkeiten in der Bevölkerung.

Einige kritisierten die Rolle der az, die als Überbringerin der Petitionen auftritt. Wie beurteilen Sie das?

Die az bedeutet eine enorme Aufwertung für Petitio. Man stelle sich vor, das würde von ein paar Freiwilligen oder einem Verein betrieben. Die Wirkung würde gegen null tendieren. Die Verschränkung mit den Medien ist genau der Unterschied zu anderen Portalen, die weitgehend wirkungslos bleiben.

Anwohner könnten ja direkt zur Gemeinde gehen.

Es kommt etwas altväterisch daher, wenn Behördenvertreter davon ausgehen, dass man bei ihnen immer ein offenes Ohr finden würde, man solle mit seinen Anliegen doch persönlich vorbeikommen. Auf der anderen Seite heisst das ja auch nicht, dass alle Anliegen, die auf Petitio vorgebracht werden, berechtigt sind. Eine Petition ist ein Angebot, einen Dialog zu führen, und kann auch bedeuten, dass man einen Sachverhalt von Behördenseite her nochmals kommunizieren muss. Durch die Verschränkung von Petitio und az ist ein Anreizsystem geschaffen worden, von dem alle profitieren. Petitio generiert für die az Geschichten, verleiht den Petitionen mehr Gewicht, zeigt den Gemeindebehörden, wo der Schuh drückt, und erbringt für die Petitionäre eine Dienstleistung.

Wo sehen Sie Grenzen?

Petitio wird problematisch, wenn sich die az selber einbringt. Wenn sie eigene Interessen wahrnehmen würde, etwa mit einer Petition im medienpolitischen Bereich.