Verkehr

Velorouten, Strassentunnels, mehr Zug und Bus: Verkehrskonzept Oase für Region Baden/Brugg wird konkret

Die Verkehrsplanung in der Übersicht

Die Verkehrsplanung in der Übersicht

Der Kanton richtet die Verkehrsplanung für den Ostaargau auf ein starkes Bevölkerungswachstum bis ins Jahr 2040 aus. Zwei neue Strassentunnels, die Verlängerung der Limmattalbahn bis Baden, mehrere Veloschnellrouten, dichtere Fahrpläne für S-Bahnen und Busse, sowie ein verstärktes Mobilitätsmanagement sollen dafür sorgen, dass der Verkehr in der Region künftig besser fliesst.

«Heute ist es in der Region Baden-Brugg zu den Stosszeiten fast unerträglich: Man kommt kaum vorwärts, sondern bleibt im Verkehr stecken.» So beschreibt Richard Plüss, der Präsident des Regionalplanungsverbands Brugg Regio, die aktuelle Situation auf den Strassen im Ostaargau. Was der Kanton dagegen tun will, erläutern Regierungsrat Stephan Attiger und Verkehrsexperte Carlo Degelo an einer Medienkonferenz im Campus Brugg-Windisch. «Die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung werden sich künftig nicht vermindern, sondern eher noch zunehmen», sagt Bau- und Verkehrsdirektor Attiger.

Dazu kommt, dass die Region Baden-Brugg-Zurzibiet in den nächsten 20 Jahren massiv wachsen wird. Der Kanton geht von 30 Prozent mehr Einwohnern und Arbeitsplätzen aus. 2040 sollen in der Region rund 244'000 Menschen leben und 102'000 Stellen angeboten werden.

Autoverkehr würde ohne Massnahmen stark zunehmen

Dies würde eine starke Zunahme des Strassenverkehrs mit sich bringen, wie Carlo Degelo, Leiter der kantonalen Abteilung Verkehr, ausführt. Zwei konkrete Beispiele: Über den Schulhausplatz in Baden würden 59'000 Fahrzeuge pro Tag verkehren – im Jahr 2012 waren es 48'000. Auf der Zurzacherstrasse in Brugg würde sich das Verkehrsaufkommen von 17'000 auf 24'000 Fahrzeuge pro Tag erhöhen.

Doch so weit soll es gar nicht kommen: Der Kanton will mit dem Regionalen Gesamtverkehrskonzept Oase für Entlastung sorgen. Oase stand einst als Abkürzung für Ostaargauer Strassenentwicklung, heute plant der Kanton aber weit über den Autoverkehr hinaus. «Wir sind noch weit von einem Projekt entfernt», sagt Attiger – dennoch enthält das Konzept, das heute Freitag in die Anhörung geht, schon viele konkrete Massnahmen.

Langsamverkehr: Veloschnellrouten sollen vom Badener Zentrum nach Dättwil, Wettingen-Neuenhof und Brugg-Windisch führen. Diese sind mit 2 Metern deutlich breiter als die heutigen Velowege und sollen möglichst kreuzungsfrei sein. «Wir wollen den Anteil des Veloverkehrs von heute 7 Prozent auf 21 Prozent erhöhen», sagt Carlo Degelo. Die neuen Schnellrouten, auf denen zwei Velos nebeneinander fahren können, sollen rund 160 Millionen Franken kosten.

Bahnverkehr: Geplant ist ab 2040 ein 15-Minuten-Takt zwischen Brugg und Zürich, zwischen Wettingen und Olten, bei den S-Bahnen im Unteren Aaretal und im Limmattal sowie ein 30-Minuten-Takt von Baden direkt an den Flughafen Zürich. Auch die Verlängerung der Limmattalbahn von Killwangen bis Baden, die neue S-Bahn-Haltestelle Wettingen Tägerhard sowie Ausbau und Modernisierung von Bahnstrecken und Stationen gehören zu den öV-Massnahmen.

Busverkehr: Verbesserungen beim Angebot und bei der Infrastruktur im Busverkehr sind abgestimmt auf den Bahnausbau und schrittweise vorgesehen. Insbesondere im Siggenthal soll das Busangebot künftig gezielt verdichtet und optimiert werden.

Autoverkehr 1: Zwei neue Umfahrungstunnel in Baden und Brugg sollen die Zentren der Städte entlasten. Die Tunnels sollen den Durchgangsverkehr aufnehmen und diesen rasch auf die A1 und A3 lenken. Auf bisher stark belasteten Strassen in den Städten, wie der Bruggerstrasse in Baden oder der Zurzacherstrasse in Brugg, soll dadurch Platz geschaffen werden für neue Velostreifen und Fusswege. Statt wie heute vier, sollen auf diesen Strassen künftig nur noch zwei Fahrspuren für Autos reserviert sein.

Autoverkehr 2: Ab dem Zeitpunkt, wenn die Limmattalbahn nach Baden verlängert ist und über die Hochbrücke fährt, wird diese für den Autoverkehr gesperrt. Weiterhin über die Hochbrücke führen auch danach Buslinien, Veloschnellrouten und Fuss-wege. Für den Autoverkehr soll weiter flussaufwärts eine neue Brücke über die Limmat gebaut werden.

Verkehrsdosierung: Schon heute wird der Autoverkehr an mehreren Orten in der Region dosiert, zum Beispiel bei der Einfahrt von Dättwil her nach Baden. Damit es in den Innenstädten nicht zum völligen Stillstand kommt, werden die Autos auf Einfahrtsstrassen vor Ampeln angehalten und, die Busse haben dort Priorität. Dieses sogenannte Mobilitätsmanagement soll künftig ausgebaut werden. Es soll helfen, den Verkehr vom unteren Aaretal schneller auf die Autobahn zu leiten als heute.

Carlo Degelo hält fest, es gehe bei den Oase-Massnahmen nicht darum, die Kapazität für den Strassenverkehr zu erhöhen und die Fahrzeiten mit dem Auto zu verringern. «Ziel ist es aber, dass der Verkehr flüssiger läuft und ein Autolenker zuverlässig annehmen kann, wie lange er für eine Strecke braucht», erläutert er. Die Massnahmen für den Autoverkehr, insbesondere die beiden Umfahrungstunnels in Baden und Brugg, sind mit insgesamt 820 Millionen Franken das teuerste Element im gesamten Verkehrskonzept. Für die Verlängerung der Limmattalbahn von Killwangen bis nach Baden rechnet der Kanton derzeit mit Kosten von rund 500 Millionen Franken, für die Ausbauten beim öffentlichen Verkehr (Bahnhöfe, Busstationen usw.) mit mehreren hundert Millionen Franken.

Das Gesamtverkehrskonzept enthält konkrete Massnahmen, aber auch Fragezeichen: Regierungsrat Stephan Attiger, Verkehrsexperte Carlo Degelo und Brugg-Regio-Vertreter Richard Plüss (von rechts) an der Medienkonferenz.

Das Gesamtverkehrskonzept enthält konkrete Massnahmen, aber auch Fragezeichen: Regierungsrat Stephan Attiger, Verkehrsexperte Carlo Degelo und Brugg-Regio-Vertreter Richard Plüss (von rechts) an der Medienkonferenz.

Regierungsrat plant keinen 800-Millionen-Kredit

«Das sind sehr grosse Summen», räumt Attiger ein. Sie seien aber zu stemmen, zumal der Kanton für die Verkehrsprojekte mit Bundesbeiträgen rechne und der Regierungsrat keinen Oase-Kredit über 800 Millionen vorlegen werde. Vielmehr sei die Realisierung etappenweise geplant, wenn zum Beispiel in den kommenden Jahren eine Kantonsstrasse in der Region saniert werde, würden Oase-Massnahmen auch gleich umgesetzt. Attiger weist darauf hin, dass der Kanton im Raum Baden, Brugg, Zurzibiet heute schon rund 50 Millionen Franken pro Jahr für den Unterhalt der Verkehrsinfrastruktur aufwende.

Bevor über die Finanzierung einzelner Projekte diskutiert wird, geht das Gesamtverkehrskonzept nun in die Anhörung. Bis zum 17. Januar können Parteien, Verbände, Gemeinden und weitere Interessierte zu den Plänen Stellung nehmen. Noch im nächsten Jahr soll der Grosse Rat dann die Grundlagen des Konzepts im kantonalen Richtplan festsetzen. Attiger ist sich bewusst, dass es noch länger dauern dürfte, bis die ersten Bagger für ein Oase-Projekt auffahren. Widerstand gibt es bisher vor allem aus dem Siggenthal – «wir nehmen diese Stimmen ernst und werden natürlich das Gespräch mit den Gemeindevertretern suchen», sagt der Regierungsrat.

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