Umwelt
Kanton ist beim Naturschutz im Verzug: Pufferzonen bei Feuchtgebieten fehlen

Pro Natura Aargau kritisiert, dass wertvolle Biotope im Aargau nicht geschützt seien, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben wäre. Ein Experte des Kantons entgegnet, um die nötigen Pufferzonen zu realisieren, seien zeitraubende Verhandlungen mit Grundeigentümern und Landwirten nötig.

Fabian Hägler
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Naturschutzgebiete wie hier im Reusstal brauchen Pufferzonen - diese sollten schneller realisiert werden, fordert Pro Natura Aargau.

Naturschutzgebiete wie hier im Reusstal brauchen Pufferzonen - diese sollten schneller realisiert werden, fordert Pro Natura Aargau.

Werner Schneiter

Obwohl es seit 30 Jahren eine klare gesetzliche Verpflichtung dafür gebe, sei im Aargau erst ein Drittel der vorgeschrieben Pufferzonen für die wertvollsten Biotope gesichert. Das schreibt Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, in einer Mitteilung zum Tag der Feuchtgebiete.

Dass der Aargau die gesetzlichen Vorgaben nicht umsetze und zu wenig Pufferzonen ausscheide, «gefährdet seltene Tiere und Pflanzen, die auf diese Lebensräume angewiesen sind», kritisiert Betsche. Ohne ausreichende Pufferzonen würden die geschützten Feuchtbiotope zunehmend trockener und zudem mit Nährstoffen aus intensiver Landwirtschaft belastet.

Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, warnt vor der Austrocknung von Feuchtgebieten.

Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, warnt vor der Austrocknung von Feuchtgebieten.

Sandra Ardizzone / AGR

Pro Natura Aargau fordert den Kanton daher auf, «seinen gesetzlichen Verpflichtungen endlich nachzukommen und Biotope von nationaler und kantonaler Bedeutung mit ökologisch ausreichenden Pufferzonen zu schützen». Die Naturschutzorganisation kritisiert, der Regierungsrat lege mit dem Programm Natur 2030 einen ungenügenden Plan vor.

So wolle der Kanton bis in fünf Jahren nur die Hälfte der gesetzlich erforderlichen Pufferzonen für Moore sowie Trockenwiesen und -weiden realisieren. Betsche sagt, der Aargau habe schon 90 Prozent der früheren Feuchtgebiete verloren. Umso wichtiger sei es, die verbliebenen Gebiete mit Pufferzonen endlich wirksam zu schützen.

Moore schon gut geschützt, Trockenwiesen noch nicht

Simon Egger, Leiter der Sektion Natur und Landschaft beim Kanton, hält zur Kritik von Pro Natura fest: «Der Aargau ist im schweizweiten Vergleich sehr weit bezüglich Schutz, Unterhalt und Aufwertung der nationalen und kantonalen Biotope.»

Auch der Pflegezustand dieser Naturschutzgebiete sei im Allgemeinen gut bis sehr gut. Er räumt aber ein, dass der Klimawandel und der Eintrag von Stickstoff über die Luft den Naturschutzgebieten zusetze.

Die Verluste an wertvollen feuchten und trockenen Lebensräumen in den vergangenen 100 Jahren und die zu geringe Vernetzung seien tatsächlich ein Problem für Pflanzen und Tiere. «Diese Problematik lässt sich aber nicht allein über die Umsetzung von Pufferzonen lösen», betont Egger.

Hoch- und Flachmoore, die vorwiegend im Reusstal liegen, sind laut Egger schon relativ gut geschützt. Hier seien drei Viertel der Pufferzonen, die laut Bundesverordnungen erforderlich sind, bereits realisiert.

Kanton verspricht Realisierung der Pufferzonen bis in zehn Jahren

Noch nicht abschliessend umgesetzt seien beispielsweise die Nährstoffpuffer beim Boniswiler Ried am Hallwilersee, erklärt Egger. Dieses Feuchtgebiet ist mit einer Grösse von rund 40 Hektaren das grösste verbliebene Flachmoor im Kanton Aargau.

Handlungsbedarf für die Umsetzung von Pufferzonen sieht der Sektionsleiter jedoch vor allem noch bei den Trockenwiesen und -weiden. Die Verordnung des Bundes für diese Gebiete ist seit 2010 in Kraft.

Egger verspricht, die Abteilung Landschaft und Gewässer werde «die fehlenden Puffer bei allen Schutzgebieten in den nächsten Jahren schrittweise und so rasch als möglich umsetzen». Realisiert werden die Pufferzonen mit Bewirtschaftungsverträgen, über die Nutzungsplanung und wo nötig mittels Schutzverfügungen.

So rasch, wie Pro Natura sich das wünscht, geht es aber nicht. Weil viele Grundeigentümer und Landwirte involviert sind, seien Vertragsverhandlungen nötig. Das gesamte Verfahren zur Realisierung der weiteren Pufferzonen werde mehrere Jahre dauern, hält Egger fest. Der Grosse Rat habe dem Kanton mit dem Programm Natur 2030 den Auftrag erteilt, dies bis in zehn Jahren umzusetzen.

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