Zeuseln
Staatsanwalt: «Kinder sind nach einem solchen Ereignis geschockt»

Am Mittwoch brannte in Schöftland ein Haus weil Kinder zeuselten. Strafrechtlich haben die Erstklässler jedoch nichts zu befürchten. Eine Mutter erzählt, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Sohn ein Haus angezündet hat

Aline Wüst
Merken
Drucken
Teilen
Für den Brand vom Mittwoch in Schöftland sind Erstklässler verantwortlich, verletzt wurde niemand. Kapo AG

Für den Brand vom Mittwoch in Schöftland sind Erstklässler verantwortlich, verletzt wurde niemand. Kapo AG

Es braucht nur ein Zündhölzli, um die Existenz einer Familie zu zerstören. Geschehen ist das zuletzt am Mittwoch in Schöftland. Zwei Erstklässler zeuselten auf dem Heimweg vor dem Haus des Tierschützers Peter Suter. Das Zweifamilienhaus ist fast komplett abgebrannt (die az berichtete). Peter Suter ist schockiert. Sagt, dass es bei diesen Kindern wohl auch etwas an der Erziehung hapere.

Mit solchen Aussagen ist Manuela Greub aus Zeihen im Fricktal vorsichtig. Denn schockiert war auch die damalige Gemeinderätin, als sie vor zehn Jahren von einer Beerdigung nach Hause kam. Die Gemeinde war in Aufregung. Mitten im Dorf brannte die alte Schnapsbrennerei. Angezündet von einem Erstklässler - ihrem Sohn.

Brand in Zweifamilienhaus in Schöftland
8 Bilder
Die Feuerwehr beim Löschen des Brands im Zweifamilienhaus.
Die Feuerwehr beim Löschen des Brands im Zweifamilienhaus.
Die Feuerwehr beim Löschen des Brands im Zweifamilienhaus.
Die Feuerwehr bekämpft den Brand in einem Zweifamilienhaus an der Aarauerstrasse in Schöftland.
Die Feuerwehr im Einsatz an der Brandstelle.
Der Brand bringt starken Rauch mit sich.
Die Feuerwehr bekämpft den Brand in einem Zweifamilienhaus in Schöftland.

Brand in Zweifamilienhaus in Schöftland

Leserfoto

Zusammen mit einem Freund hatte er an diesem schönen Februartag mit bengalischen Zündhölzern gespielt. Der Vater war zu Haus, als eines dieser Zündhölzer in die Schnapsbrennerei spickte. Dort lagen Strohmatten, die sofort brannten. Die Buben versuchten zuerst, mit Wasserkesseln das Feuer zu löschen. Holten aber schnell Hilfe, als sie merkten, dass sie nichts ausrichten konnten. Die Feuerwehr musste den Brand löschen.

«Kinder sind unberechenbar»

Als ihr Sohn verstand, was passiert war, habe er lange geweint. «Mir tat das sehr weh, ihn so leiden zu sehen», sagt Greub heute. Mit seinem Sackgeld kaufte er eine Schachtel Pralinen und entschuldigte sich in Begleitung seines Vaters bei der Familie Birri, denen die alte Schnapsbrennerei gehörte. Erika Birri erinnert sich gut an den Buben mit der Pralinenschachtel. Sie sagt, dass sie zwar noch heute Angst habe, sobald sie Rauch rieche, aber keinen Groll hege gegen den heute 17-jährigen Lehrling. «Kinder sind unberechenbar. Als Mutter weiss ich das», sagt sie.

Verletzung der Aufsichtspflicht

Strafrechtlich belangt werden Kinder ab dem 10. Altersjahr. Für die Schöftler Erstklässler wird der Brand deshalb keine Konsequenzen haben. Bei der Familie Greub musste damals der Vater, ein Lehrer, den Kopf hinhalten. Er bekam eine Busse über 700 Franken, weil er laut Gesetz die Aufsichtspflicht verletzt habe. «Das war hart», erinnert sich Manuela Greub. Und sie sagt auch, dass ihr die Eltern der Schöftler Kinder leidtun.

Hans Melliger ist der Leiter der Aargauer Jugendstaatsanwaltschaft. Er erklärt, dass bei strafmündigen Kindern ein Jugendstrafverfahren eröffnet werde. Brände passieren oft aus Fahrlässigkeit - bei Kindern wie auch bei Erwachsenen. Eine mögliche Strafe könne ein Arbeitseinsatz sein. Denkbar wäre, dass das Kind bei den Aufräumarbeiten mithelfe. Wichtig sei, dass das Kind etwas aus dem Vorfall lerne.

Strafen stehen aber oft nicht im Vordergrund. «Kinder sind nach einem solchen Ereignis geschockt und in Panik», weiss Melliger. Wichtig sei dann, dass sie in dieser schwierigen Situation aufgefangen werden. Neben der menschlichen Tragödie hinterlässt ein Brand aber auch einen immensen finanziellen Schaden.

Und wer kommt nach einem Brand wofür auf? Die Schäden am Gebäude bezahlt die Gebäudeversicherung. Das verlorene Hab und Gut deckt die Hausratsversicherung des Betroffenen ab. Diese Versicherung bezahlt sofort, versucht aber, bei der Haftpflichtversicherung der Eltern des Kindes das Geld zurückzubekommen. Falls keine Verletzung der Aufsichtspflicht festgestellt wird, bekommt die Hausratsversicherung das Geld aber kaum zurück.