Aargauer Liebesgeschichen
«So ein Blöffer» – beim Tanzen am Turnerabend funkte es dann

Verena hat Thomas erstmals vor dem Haldenschulhaus in Wohlen gesehen. Da fand sie ihn aber noch einen «Blöffer» – erst später beim Turnerabend entwickelten sich die ersten Gefühle.

Toni Widmer
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Als junges Paar in den ersten gemeinsamen Ferien in Alessio an der Adria.

Als junges Paar in den ersten gemeinsamen Ferien in Alessio an der Adria.

Zur Verfügung gestellt
Liebesgeschichte Baur

Liebesgeschichte Baur

Toni Widmer

«Ich hätte in den letzten 47 Jahren nie einen Grund gehabt, davonzulaufen. Und du?», fragt Verena Baur-Rüttimann ihren Thomas: «Ich auch nicht, wieso auch», sagt er.

Das Ehepaar lächelt sich an und sie streicht ihm fast unmerklich über den Arm. Man spürt: Verena (70) könnte nicht ohne Thomas (74) und er nicht ohne sie. Als sie sich vor über 50 Jahren zum ersten Mal begegneten, war es anders.

Sie besuchte im Primarschulhaus Halde in Wohlen die 5. Klasse, als ihr mehrmals ein 4.-Bezler auffiel, der mit einem Rennvelo zur Schule kam. «Er musste das Velo bei unserem Schulhaus abstellen und dann zum Bezirksschulhaus hochgehen. Mir ist er nicht aufgefallen, weil er besonders attraktiv war, sondern weil er stets wie ein Gockel an uns vorbeistolziert ist.» «Guckt mal, da kommt wieder dieser Blöffer», habe sie mehrmals zu ihren Kolleginnen gesagt.

Verena wusste nicht, dass der 4.-Bezler Thomas hiess und aus Sarmenstorf stammte, und Thomas war sie als Schülerin gar nie aufgefallen. Am Sonntag, 20. Oktober 1963, begegnete sich das Paar am Turnerabend in Boswil: «Nach der Turnervorstellung war Tanz angesagt. Mir waren an der Eingangstür zwei Männer aufgefallen. In dem einen glaubte ich den eitlen Bezirksschüler von damals zu erkennen und sagte das auch meiner Kollegin», erinnert sich Verena.

Es war nicht Thomas, der Verena zum ersten Tanz aufforderte, sondern dessen Begleiter Pius: «Ihn habe ich gefragt, ob sein Kollege in Wohlen die Bezirksschule besucht hätte.» Die Antwort hat Verena von Thomas selber erhalten. Er hat sie damals im Bosmeler «Löwen» zum nächsten Tanz aufgefordert und zum übernächsten auch.

«Sie hat mir auf Anhieb gefallen, sehr gut getanzt, und wir haben uns bestens unterhalten», erinnert sich Thomas an jenen ersten Abend, dem viele weitere folgten: «Die beiden haben mich nach Hause gebracht und Thomas hat meine Telefonnummer verlangt. Am Mittwoch darauf hat er mich angerufen und ins Café Bahnhöfli nach Wohlen eingeladen», sagt Verena. Und: «Ich war schon etwas nervös bei diesem Telefon. Ich wusste ja nicht, wer abnimmt», blickt Thomas auf den ersten Anruf zurück.

Am Samstag im «Bahnhöfli» waren dann beide nervös. Thomas fuhr nicht mit dem Rennvelo vor, sondern mit einem Fiat 500, und Verena konnte sich nicht mehr vorstellen, ihn je für einen «Blöffer» gehalten zu haben.

Es hatte bei ihr schon eine Woche zuvor in Boswil gefunkt und bei Thomas auch. Allerdings dauerte es noch eine Weile, bis sie sich das so richtig eingestanden: «Am Anfang waren wir schon noch distanziert und brav», sagt Vreni, und Thomas gibt zu: «Jo öppe es Schmützli zum Abschied und echli streichle, da hämmer scho gmacht.»

Für die damals 18-jährige Verena Rüttimann war die Sache dennoch rasch klar: «Ich habe gewusst: ‹Das ist er›.» Und Thomas Baur hält fest: «Ich habe vor ihrer Zeit ein paar flüchtige Bekanntschaften gemacht. Aber als ich Verena kennen lernte, stand für mich fest: «Weitere Experimente sind überflüssig, das ist die Richtige.»

«Etwa nach einem halben Jahr», erklärt Verena Baur-Rüttimann verschmitzt, «haben wir dann unsere anfängliche Zurückhaltung aufgegeben». Und sich verliebt anlächelnd erinnert sich das Paar an die ersten gemeinsamen Ferien in Alessio an der italienischen Riviera.

«Wir waren noch nicht verheiratet und so habe ich meine Eltern angeschwindelt und erklärt, ich würde mit meiner Freundin dorthin fahren», gibt Verena zu. «Meine Eltern haben es gewusst», sagt Thomas. Und beide sind sie heute noch überzeugt: «Wir haben seither viele schöne Ferienwochen verbracht. Aber jene in Alessio, das war die schönste überhaupt.»

Um allen Vermutungen vorzubeugen: Die heimliche Ferienwoche blieb folgenlos. Verena Rüttimann und Thomas Baur haben am 6. September 1968, knapp fünf Jahre nach ihrem ersten Tanz, geheiratet.

Die gebürtige Wohlerin Verena ist mit ihrem gewinnenden Wesen und ihrer Kontaktfreudigkeit in Sarmenstorf rasch heimisch geworden und hat den Schritt über den Büttiker Hoger nie bereut. Sohn Leander im Oktober 1969 und Tochter Nadia im Februar 1972 machten das Glück für das Paar vollkommen. Inzwischen sind sie stolze Grosseltern von Yannick und Selina.

Turnerabende haben Verena und Thomas Baur-Rüttimann seit dem 20. Oktober 1963 noch unzählige besucht. Thomas Baur war lange Jahre Oberturner in Sarmenstorf und auch kantonal für das Turnwesen sehr engagiert. Er amtierte daneben mehrere Amtsperioden als Gemeinderat und Vizeammann in Sarmenstorf.

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