Negativspirale
Selbstmorde wegen zu tiefem Milchpreis – Aargauer Bauernpräsident ist besorgt

Seit 20 Jahren sinkt der Milchpreis. Verlierer sind dabei die Bauern. Laut der Organisation Bäuerliches Zentrum Schweiz haben sich im Waadtland deshalb bereits 8 Bauern umgebracht. Der Aargauer Bauernpräsident warnt vor den Folgen der wirtschaftlichen Entwicklung.

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Wenn wir im Laden einen Liter Milch kaufen, ist uns oft nicht bewusst, wie viel von den durchschnittlich 1.70 Franken den Bauern zugute kommen, der für jeden Tropfen davon geschwitzt hat. Aktuell sind es 56 Rappen pro Liter. Das ist etwa die Hälfe davon, was die Bauern vor 20 Jahren noch für ihr weisses Gold erhielten. Seither sinkt der Milchpreis stetig.

Das wurde einigen Bauern zu viel, geht ihnen an die Existenz. Laut der Organisation Bäuerliches Zentrum Schweiz sollen sich letztes Jahr im Waadtland aus Verzweiflung schon 8 Bauern umgebracht haben. "Wir sind beim Preis an der unteren Schmerzensgrenze", bestätigt Alois Huber, Präsident Bauernverband Aargau gegenüber Tele M1. "So kann es einfach nicht weitergehen. Sonst werden Bauern verlumpen."

Eine Hilfs-Hotline soll die Sorgen der Bauern aufnehmen. Erfahrungsgemäss holen sich Bauern bei finanziellen Schwierigkeiten aber keine Hilfe, des Berufsstolzes wegen. "Man sieht sich selbst natürlich als Versager, wenn es einem nicht gelingt, über die Runden zu kommen", sagt Huber.

Damit die Rechnung Ende Monat zumindest knapp aufgeht, setzt zum Beispiel der Landwirt Peter Suter aus Mühlau auf Menge und moderner Technologie. Mit 120 Kühen produziert er täglich 3000 Liter Milch. Das ist zwar rentabel, aber risikoreich: "Sobald eine Kuh krank wird, befindet man sich in einer Ausnahmesituation, die man nicht erleben will."

Der Bauernverband Aargau geht davon aus, dass in Zukunft noch mehr Landwirte mit ihrem monatlichen Einkommen nicht über die Runden kommen werden. Sie werden gezwungen sein, ihre Betriebe aufzugeben. (don)