Landwirtschaft
Seilziehen, Kühen beim Kalben helfen, Siloballen pressen: Für diese Frau selbstverständlich

Silvia Emmenegger (22) aus Buttwil spricht über ihre Kindheit, Jugend und Zukunft auf dem Bauernhof – und über ihre Teilnahme an den Weltmeisterschaften im Seilziehen.

Nora Güdemann
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Der Hof von Silvia Emmenegger in Buttwil
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Der Waldhof in Buttwil Das in Siloballen abgepacktes Gras wird an die Kühe verfüttert. Die Siloballen presst Silvia Emmenegger.
Der Waldhof in Buttwil Silvia Emmenegger erzählt, dass man neu nicht mehr selbst melken müsse. "Die Kühe gehen von selbst zur Maschine und kriegen Kraftfutter zur Belohnung", sagt sie. Das erleichtere ihre Arbeit sehr.
Der Waldhof in Buttwil Der Roboter misst, wie viel Liter Milch die Kuh gibt und analysiert den Gesundheitszustand des Tieres.
Der Waldhof in Buttwil Kühe lassen sich selbständig im Melkroboter melken – hier Kuh "Edelweiss".
Der Waldhof in Buttwil Kuh "Edelweiss" posiert für die Kamera....
Der Waldhof in Buttwil ...genau wie dieses Tier...
Der Waldhof in Buttwil ...und dieses Grüppchen.
Der Waldhof in Buttwil Dieses Kalb ist erst einen Monat alt.
Der Waldhof in Buttwil Der Betrieb wird von Silvia Emmeneggers Freund Thomas Näf geführt.
Der Waldhof in Buttwil Emmeneggers Ziel ist es, mehr Zeit auf dem Betrieb zu verbringen und ihren Freund und dessen Mutter bei der Arbeit dort zu entlasten.

Der Hof von Silvia Emmenegger in Buttwil

SEVERIN BIGLER

Der Waldhof in Buttwil: Mitten im Nirgendwo, umgeben von grünen Wiesen, vereinzelten Häusern und mit Blick aufs ganze Freiamt. Es ist idyllisch hier, die Welt noch in Ordnung. Ein zotteliger Hund läuft bellend durch die Stallgasse, links stehen 56 Milchkühe aller Farben, rechts liegt ein grosser Haufen Karotten.

Dazwischen steht Silvia Emmenegger. Die 22-Jährige ist in Waltenschwil auf einem Bauernhof aufgewachsen und lebt seit mehr als einem Jahr mit ihrem Freund Thomas Näf auf dem Buttwiler Betrieb. Dessen Eltern und Grosseltern haben bereits hier gearbeitet, jetzt ist der 27-Jährige Betriebsleiter.

«Künftig die Finanzen managen»

Seine Freundin Silvia hat das Ziel, als Bäuerin künftig aktiver am Hofleben teilzunehmen. Obwohl sie schon aufgrund ihrer Herkunft Erfahrung mit der Landwirtschaft hat, entschied sich die junge Frau, die Bäuerinnenschule auf der Liebegg in Gränichen zu absolvieren.

Neben dem Grundwissen zur Führung eines Haushaltes lerne sie in den Kursen Wissenswertes zur Administration. «Das ist wichtig», sagt Emmenegger: «Denn bei vielen Bauernfamilien übernimmt die Frau die Buchhaltung. Und ich kann mir gut vorstellen, künftig die Finanzen zu managen.»

Ihr Ziel sei es vor allem, mehr Zeit auf dem Betrieb zu verbringen und ihren Freund und dessen Mutter bei der Arbeit dort zu entlasten. Eigentlich ist die junge Frau gelernte Bäckerin/Konditorin. Sie mag diesen Beruf und wolle ihn trotz dem Wunsch, mehr auf dem Hof zu helfen, nicht aufgeben: «Ich möchte die Arbeit auf dem Bauernhof mit ein bis zwei Tagen in der Backstube ausgleichen», sagt sie.

Eine Woche Teneriffa

Für Silvia Emmenegger war schon früh klar, dass sie einmal selbst auf einem Bauernhof arbeiten wolle. «Mich hat es nie in die Stadt gezogen», sagt die Nachwuchsbäuerin mit halblangen, braunen Haaren. «Ich liebe es, in der Natur zu sein.»

Ihre Kindheit verbrachte sie auf einem Bauernhof und die Erlebnisse dort haben sie geprägt: «Man hatte Platz zum Spielen, konnte sich dreckig machen und hat viel erlebt», erzählt Emmenegger. Ein Leben als Bäuerin sei aber nicht nur aufregend und ereignisreich, sondern bringe auch viel Arbeit mit sich. Die Frau weiss: «Für die Kühe muss man 24 Stunden lang während sieben Tagen in der Woche sorgen.»

Auf die Frage, ob man sich mit 22 Jahren schon so stark in Verantwortung nehmen lassen möchte, antwortet Emmenegger: «Ich kenne nichts anderes. Schon als Kind musste ich mithelfen, obwohl ich gerne mit Freunden abgemacht hätte.» Sie habe ihr ganzes Leben nach den Bedürfnissen der Tiere ausgerichtet. «Auszeiten sind trotzdem wichtig», fügt Emmenegger an.

Deswegen fahre sie bald mit ihrem Freund für eine Woche nach Teneriffa. Er nickt zustimmend: «Wir machen immer im Winter Urlaub, weil im Sommer zu viel zu tun ist», sagt Thomas Näf. Während ihrer Abwesenheit kümmern sich die Mutter und ein polnischer Gastarbeiter um den Betrieb.

Silvia Emmenegger und Thomas Näf lernten sich durch ihren Bruder kennen, teilen das gleiche Hobby: Seilziehen. Dieses Jahr nimmt sie an der Weltmeisterschaft in Südafrika teil: «Wenn ich schon da bin, werde ich auch ein bisschen reisen.» Ihr Freund wird daheim bleiben.

56 Namen lernen

Die beiden wohnen nun seit rund eineinhalb Jahren zusammen. Sie habe Freude daran, Thomas bei der Hofarbeit zu unterstützen, mit ihm gemeinsam Zmittag und Znacht zu essen. Immer sonntags steht die 22-Jährige im Stall. Dann mistet sie Boxen aus, presst Siloballen, hilft Kühen beim Kalben. Alles Selbstverständlichkeiten, sagt sie. Emmenegger erzählt, dass man aber neu nicht mehr selbst melken müsse.

Die Nachwuchsbäuerin steht vor einer Melkmaschine, die kürzlich eingebaut wurde. «Die Kühe gehen von selbst zur Maschine und kriegen Kraftfutter zur Belohnung», erklärt Emmenegger fachmännisch, während Kuh «Edelweiss» vom Roboter gemolken wird. Noch tut sie sich schwer, jede der 56 Kühe beim Namen zu nennen. Daran wolle sie aber arbeiten, sagt sie. «Ich möchte nicht immer Thomas fragen müssen.»

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