Ab 2030 soll das unterirdische Gütertransportsystem «Cargo Sous Terrain» (CST, siehe Visualisierung oben) Härkingen SO mit Zürich verbinden – mit Hubs in Suhr und Spreitenbach. Später soll es massiv erweitert werden. Das ist das Ziel privater Initianten, die von Post, Swisscom, Migros, Coop und Credit Suisse, aber auch von chinesischen Investoren unterstützt werden. Inzwischen haben die Initianten genug Geldzusagen für die konkrete Planung bis hin zur Baubewilligung. Dies ist Voraussetzung dafür, dass der Bund den dafür nötigen Gesetzgebungsprozess anstösst.

Die betroffenen Kantone Zürich, Aargau, Bern und Solothurn reagierten anfänglich skeptisch. Gemäss den Initianten haben sie aber inzwischen in Briefen an Verkehrsministerin Doris Leuthard ihr Interesse an der Weiterverfolgung des CST-Systems bestätigt. Ist das so?, wollte die AZ vom kantonalen Baudirektor Stephan Attiger wissen. Dieser bestätigt: «Ja, der Kanton Aargau steht dem Projekt positiv gegenüber. Wenn Private in eine solche Steigerung der Transportkapazitäten investieren wollen, unterstützen wir das. Und sie wollen in der ersten Priorität im Aargau investieren.» Das bestätige die Haltung des Kantons, «dass unsere Verkehrsinfrastrukturen ausgebaut werden müssen». Wie der Personen- werde auch der Güterverkehr massiv zunehmen, der Aargau sei stark betroffen, sagt Attiger. Das Projekt sei ein interessanter Lösungsansatz mit viel Potenzial.

«Cargo sous terrain» – so soll der unterirdische Gütertransport funktionieren.

«Cargo sous terrain» – so soll der unterirdische Gütertransport funktionieren.

Ersatz für 6-Spur-Ausbau der A1?

Wenn das Projekt die Strasse entlastet, erübrigt sich dann der 6-Spur-Ausbau der A1? Attiger verneint: «Es braucht zusätzlich auch den 6-Spur-Ausbau der A1. Nicht nur beim Güterverkehr, sondern auch beim motorisierten Individualverkehr ist ein starkes Wachstum prognostiziert. Und die A1 stösst in diesem Abschnitt bereits heute an ihre Kapazitätsgrenzen.»

Im Aargau sind zwei Hubs geplant, wo be- und entladen wird. Können Suhr und Spreitenbach zusätzlichen Verkehr überhaupt verkraften? Das ist laut Attiger eine der offenen Fragen. Er sagt aber: «Die bisherigen Abklärungen haben ergeben, dass sich die Befürchtungen einer grossen Verkehrszunahme rund um die Hubs nicht bestätigen, weil sich die Belastung und die Entlastung ungefähr die Waage halten. Dieser Punkt muss aber aus raum- und verkehrsplanerischer Sicht noch vertieft werden.» Deshalb verlange der Kanton, dass er in die weitere Bearbeitung des Projekts einbezogen werde.

Vom Kanton gibts kein Geld

Der Zeitplan mit einer Realisierung bis 2039 sei ehrgeizig, sagt Attiger. Ob er realistisch sei, werde sich im Verlauf der Arbeiten weisen. Die private Finanzierung sei eine Voraussetzung für das Projekt. Der Kanton Aargau begleite dieses, beteilige sich aber selber nicht.

Einst wurde eine unterirdische Personenbahn, die Swissmetro, propagiert. Davon hört man nichts mehr. Warum soll das neue Vorhaben gelingen? Der Vergleich mit Swissmetro hinkt für den Verkehrsdirektor. Einerseits habe es in den letzten 20 Jahren markante technische Fortschritte gegeben. Andererseits handle es sich bei Cargo Sous Terrain um eine Infrastruktur für den Güterverkehr, während die Swissmetro ein Personenverkehrsprojekt war. «Der Bau einer Güterverkehrsinfrastruktur ist kostengünstiger, weil zum Beispiel nicht die gleichen Sicherheitsstandards gelten wie beim Personentransport. Die Sicherheitsstandards können auch tief gehalten werden, weil keine Gefahrengüter transportiert werden sollen», sagt Stephan Attiger.

So sollen Güter von der oberirdischen Anlieferung zum unterirdischen Transportsystem wechseln.

So sollen Güter von der oberirdischen Anlieferung zum unterirdischen Transportsystem wechseln.