Neun freie Stellen waren am Donnerstag auf der Website von GE Schweiz ausgeschrieben. Unter dem Titel «Ihre Möglichkeiten bei GE in der Schweiz» sucht die Firma beispielsweise Elektrotechniker. Für den Standort Baden werden indes nur zwei Praktikumsstellen angeboten. Das mag Zufall sein, doch der Abbau bei General Electric trifft den Hauptsitz am stärksten.

Von den 1400 Stellen, die GE laut einer Mitteilung vom Donnerstag in der Schweiz streicht, fallen allein 1100 in Baden weg. In Birr gehen 250 Jobs verloren, in Oberentfelden sind 50 Mitarbeiter betroffen. 

«Dieser Massenabbau ist ein harter Schlag für den Industrie- und Wirtschaftskanton Aargau», sagt Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann. Die beiden GE-Manager Joe Mastrangelo und Scott Strazik hatten Hofmann am Donnerstagmorgen persönlich über die Stellenstreichungen informiert. Der Regierungsrat bedauert zutiefst, «dass GE aufgrund der Marktsituation im Turbinengeschäft und des weltweiten Spar- und Restrukturierungsprogramms so drastische Massnahmen ergreift».

Es ist ruhig am GE-Standort in Birr am Donnerstag kurz vor Mittag – gegenüber den Medien will sich keine der Mitarbeiter äussern

General Electric will im Aargau 1400 Arbeitsplätze abbauen, der Grossteil soll am Hauptsitz in Baden wegfallen.

Kritik an «reiner Profitgier»

Deutlich schärfer fällt die Reaktion der kantonalen Gewerkschaften aus. In einer gemeinsamen Mitteilung verurteilen Arbeit Aargau und der Aargauische Gewerkschaftsbund den Kahlschlag. Mit dem Abbau von 1400 Jobs verliere knapp jeder dritte Angestellte des Konzerns im Aargau seine Stelle.

Die Massenentlassung sei bereits der dritte Personalabbau innerhalb von zwei Jahren und wirtschaftlich unnötig, argumentieren die Gewerkschaften. «Der Konzern und die Energiesparte schreiben Gewinn, es werden Dividenden in Millionenhöhe ausgerichtet und der Umsatz pro Mitarbeitenden nimmt zu.»

Gewerkschaftsbund-Präsident und SP-Grossrat Florian Vock kritisiert weiter, General Electric lasse Angestellte «für reine Profitmaximierung im Regen stehen». Ein solches Verhalten sei scharf zu verurteilen und werde von den Gewerkschaften bekämpft.

Offenbar drohten Schliessungen

Als die AZ die Abbaupläne von GE Ende Oktober publik machte, war die Rede von 1300 gefährdeten Stellen. SP-Regierungsrat Hofmann hoffte damals, die Zahl senken zu können. Dass es nun noch 100 mehr sind, sei bitter, sagt Hofmann. Der frühere Gewerkschafter: «Ich bin enttäuscht, denn wir haben alles versucht, um GE zu überzeugen, weniger Stellen abzubauen.» GE habe gegenüber der Kantonsregierung vor Donnerstag aber nie konkrete Zahlen genannt. Hofmann: «Es gab auch Szenarien mit einem noch deutlich stärkeren Stellenabbau.»

Er hält fest, in den letzten Wochen und Monaten habe es gewisse Anzeichen gegeben, dass die Standorte Birr und Oberentfelden geschlossen werden könnten. «Dies ist nicht der Fall, somit bleiben dort ein paar hundert GE-Arbeitsplätze erhalten», heisst es in der Mitteilung der Regierung.

Hofmann sagt auf Nachfrage: «Grundsätzlich ist es positiv, dass die Standorte in Birr und Oberentfelden erhalten bleiben.» Dies gebe GE die Möglichkeit, hier auch wieder Leute einzustellen, wenn die Geschäfte besser laufen.

Abbau in Baden «irritierend»

Obwohl nun Oberentfelden und Birr erhalten bleiben, ist der Abbau aus Sicht der Gewerkschaften ein harter Schlag für den Industriekanton Aargau. «Irritierend ist insbesondere, dass der Stellenabbau in den Bereichen Engineering, Forschung und Entwicklung stattfindet», schreiben sie. Offensichtlich sei es Bundesrat Johann Schneider-Ammann, der sich im Oktober in Atlanta mit er GE-Führung traf, nicht gelungen, die Nähe der Forschungsstätten (PSI, ETH etc.) und die Hightech-Strategie als Standortvorteil des Aargaus zu vermitteln. Der Regierungsrat sieht dies anders, er bedankt sich bei Schneider-Ammann für dessen Einsatz zugunsten des Werkplatzes Aargau.

Mit Blick nach Baden sagt Hofmann, tatsächlich bleibe bei Restrukturierungen oft der Bereich Forschung und Entwicklung in der Schweiz, während die Produktion ausgelagert werde. «Bei GE, und zuvor schon bei Alstom, gab es aber Überkapazitäten im Gasturbinengeschäft.» Bei GE komme dazu, dass die Firma auch in den USA Forschungsabteilungen habe. Hofmann: «Weltweit ist die Nachfrage im Kraftwerkbau eingebrochen, darum braucht es weniger Ingenieure für Projekte und die Entwicklung von Anlagen.»

Jobs nach Frankreich verschoben?

Gemäss einem Bericht der «Handelszeitung» hat Frankreich von GE eine Zusage für 1000 neue Stellen erhalten, im Aargau werden 1400 Stellen abgebaut – werden die Jobs einfach verschoben? Urs Hofmann dementiert: «GE hat uns gegenüber versichert, es würden keine Jobs aus der Schweiz nach Frankreich verschoben.» Zwar habe Frankreich als Mitbesitzer von Alstom beim Verkauf der Firma an GE im Jahr 2015 gewisse Garantien einfordern können. «Allerdings gelten solche Vereinbarungen nicht ewig, und ob es in Frankreich in ein paar Jahren besser aussieht als bei uns, würde ich bezweifeln.»

Doch ist die Streichung der 1400 Jobs nun der letzte Stellenabbau bei GE im Aargau? Hofmann sagt, die Unternehmensführung habe der Regierung versichert, dass es derzeit keine weiteren Abbaupläne gebe. Das hiess es aber vor zwei Jahren auch schon. «Aufgrund dieser Erfahrung wäre es blauäugig, zu glauben, die restlichen gut 3000 Stellen bei GE im Aargau seien nun definitiv gesichert», sagt Hofmann.

Auch die Aargauer Regierung und Bundesrat Johann Schneider-Ammann hatten sich eingeschaltet, wie "Tele M1" berichtete:

(15. November 2017)