Zwei schwere Verkehrsunfälle ereigneten sich am Dienstag und Montag in Aarau und Kaiseraugst. Dies wirft ein Schlaglicht darauf, dass die Zahl der Notrufe in den letzten Jahren massiv zugenommen hat.

2013 waren es 32'000 Notrufe, die in der Einsatzleitstelle 144 in Aarau eingegangen waren, wie das Kantonsspital Aarau (KSA) letzte Woche mitteilte.

Allein an einem verhängnisvollen Dezembertag waren es 74 Notrufe – einer davon aus Fislisbach, wo eine Frau einen Herzstillstand erlitten hatte. Die Patientin starb. Eine falsch aufgebotene Ambulanz war erst nach 23 Minuten in Fislisbach eingetroffen.

Neben dem Schuldeingeständnis der Sanitätsnotrufzentrale war im Schlussbericht von einer «überdurchschnittlich hohen Arbeitsbelastung» die Rede. Und KSA-Chefarzt Andreas Huber wünschte sich mit Blick auf die gleich gut dotierte Leitstelle in Solothurn – bei massiv weniger Notrufen – mehr Personal.

Grossrätin überlegt sich Vorstoss

Was sagen Gesundheitspolitiker im Grossen Rat dazu? Gerade nach dem tragischen Vorfall in Fislisbach müsse man diese Frage wirklich stellen, sagt der SP-Grossrat und KSA-Arzt Jürg Knuchel (Aarau). Tue man es nicht, bliebe ein ungutes Gefühl zurück. Er fragt sich, ob man sich bewusst ist, dass die Personalsituation so knapp ist und welches Gefahrenpotenzial sich daraus ergeben könnte. Dass nachts nur eine Person in der Leitstelle (ELS) anwesend ist, dünke ihn wirklich sehr knapp: «Notfallsituationen richten sich ja nicht nach der Tageszeit.»

Genau gleich sieht es Eva Eliassen (Grüne/Turgi). Falls der Vergleich mit Solothurn so stimmt, wäre die ELS klar unterdotiert und bräuchte mehr Leute, sagt Eliassen. Auch sie will erst weitere Fragen geklärt haben und würde einen parteiübergreifenden Vorstoss mitunterschreiben, gegebenenfalls selbst einen einreichen.

Sollte wirklich ein Kausalzusammenhang mit diesem tragischen Fall bestehen, erwartet Fredy Böni (SVP/Möhlin) eine saubere Analyse des Gesundheitsdepartements und Vergleichsdaten aus anderen Kantonen zur Personalsituation. Erst in Kenntnis aller Umstände könne er entscheiden. Geeignet für diese Debatte wäre der nächste Aufgaben- und Finanzplan.

Die Apothekerin Martina Sigg (FDP/Schinznach) verweist darauf, dass für die neue kantonale Notrufzentrale bis 2017 in Aarau 3,9 zusätzliche Stellen – inklusive technischer Disponent – für den Notruf 144 vorgesehen sind. Dies, weil man bis dann eine weitere Zunahme der Notrufe erwartet. Sollte man jetzt schon mehr Stellen wollen, müssten ELS bzw. Kanton das erst sehr klar begründen können.

Die Kosten steigen

Das Gesundheitsdepartement (DGS) hatte laut Sprecher Balz Bruder bisher keine Hinweise, dass das ELS-Personal nicht reiche. Sollte das KSA für die von der ELS erhobene Forderung objektivierte Daten vorlegen können, würde man diese natürlich genau anschauen. Der tragische Todesfall in Fislisbach dünkt Bruder indes «denkbar ungünstig als Anlass für diese Diskussion». Der Kanton reagiere im Übrigen auf die steigenden ELS-Kosten. 2013 habe er für diese gemeinwirtschaftliche Leistung 1,4 Millionen Franken eingesetzt, 2014 1,6 und 2016 gar 1,8 Millionen Franken eingestellt.