Motocross
Politiker wollen die Motocrosser fördern und ihnen eine Trainingsstrecke bauen

Mit einer Motion im Grossen Rat wollen Grossräte aus verschiedenen Parteien erreichen, dass im Aargau Motocross-Trainingsstrecken gebaut werden können. Die Regierung sieht aber keinen Handlungsbedarf. Die Bewilligung temporärer Trainingsstrecken sei bereits möglich.

Mathias Küng
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Dieses spektakuläre Bild entstand vor genau einem Jahr in Wohlen.

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Roland Schmid

Gleich zwölf Grossräte – bis auf Stefanie Heimgartner übrigens alles Männer – möchten jungen Motocrossfreunden mehr Trainingsgelegenheiten ermöglichen. Mit einer Motion wollen die Grossräte aus SVP, EDU, FDP, CVP und BDP bis hin zur EVP gesetzliche Grundlagen schaffen lassen, «damit temporär Motocross-Trainingsstrecken im Kanton Aargau betrieben werden können».

Die Motionäre mit Sprecher Rolf Haller (EDU) begründen ihr Anliegen damit, dass sich der Motocross-Sport einer immer grösser werdenden Beliebtheit erfreue. In der letzten Motocross-Weltmeisterschaft sei auch ein Rennen in der Schweiz durchgeführt worden, verfolgt von über 35'000 Zuschauern.

Das sei Ansporn für junge Menschen, «um ihren Vorbildern nachzueifern». Motocross sei längst keine Randsportart mehr. Was den jungen Sportlern aber fehle, seien geeignete Motocross-Trainingsstrecken.

«Motocross klar benachteiligt»

Damit würden sie gegenüber praktisch allen anderen Sportarten klar benachteiligt. Sie seien gezwungen, für das Training ins Ausland zu reisen, um auf geeigneten Pisten trainieren zu können.

Um sich diesen Riesenaufwand ersparen zu können, sollten im Aargau temporäre Motocross-Trainingsstrecken angelegt und betrieben werden können, beantragen die Motionäre. Da sollen auch «kleinere Erdverschiebungen» möglich sein.

Nach dem Ende einer Bewilligungsperiode würden diese Pisten durch die Betreiber vollständig rückgebaut und das Kulturland wieder in seinen Originalzustand versetzt. Es solle darob kein Schweizer Motorsport-Mekka entstehen, beruhigen sie offenkundig präventiv Leute, die zusätzlichen Töfflärm fürchten dürften, «sondern die Pisten sollen für Fahrer aus der Region zur Verfügung stehen». Auch sollten die Betriebszeiten klar festgelegt sein, «beispielsweise April bis Oktober an zwei Nachmittagen pro Woche».

Die heutigen Motorräder seien zudem strengen Abgas- und Lärmvorschriften unterstellt. Die Einhaltung werde anhand der Rennen durch den Veranstalter stichprobenweise überprüft und fehlbare Lenker sanktioniert, halten die Motionäre weiter fest. Damit sei auch seitens des Umweltschutzes gegenüber den langen Anfahrtswegen zu den heute bestehenden Pisten Rechnung getragen.

Regierung: liberale Praxis

Die Regierung antwortet, der Aargau habe «eine liberale Praxis, welche den vor dem Bundesrecht noch vertretbaren Ermessensspielraum vollständig ausnutzt». Demnach kann man abgeerntete Felder – meist im Spätsommer/Herbst – bis drei Monate bewilligungsfrei nutzen. Terrainveränderungen sind in jedem Fall zu überprüfen.

Bewilligungsfrei sind Terrainveränderungen bis 80 cm Höhe und/oder 100 m2 Fläche. Die Errichtung baubewilligungsfreier Bauten und Anlagen (etwa Terrainveränderungen) entbinde nicht von der Einhaltung aller übrigen Vorschriften. Dies sei insbesondere bei Schutzzonen zu beachten, wo häufig jegliche Terrainveränderungen verboten sind. Ausserdem seien Nutzungen mit erheblichen Umweltauswirkungen baubewilligungspflichtig, auch wenn sie nur kurz dauern.

Eine noch längere bewilligungsfreie temporäre Kulturlandnutzung als Trainingsstrecke samt Terrainanpassungen sei wegen des Bundesrechts nicht möglich, hält die Regierung fest. Insbesondere entstünden Interessenkollisionen mit der Landwirtschaftsnutzung. Die Bewilligung temporärer Trainingsstrecken sei gemäss geltender kantonaler Praxis im bisherigen Rahmen ohne weitere Gesetzesanpassungen möglich. Die Regierung sieht deshalb keinen aktuellen Handlungsbedarf.

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