Nutztiere gerissen
Vom Aargau ins Appenzellerland: Wolf «M135» hat auch dort zugeschlagen – Experte: «Eindrücklich, dass er es soweit geschafft hat»

Im vergangenen Herbst hat ein Wolf im Appenzellerland hintereinander mehrere Nutztiere gerissen. Die von der Wildhut an den Kadavern entnommenen DNA-Proben sind nun analysiert worden: Sie konnten alle dem männlichen Wolf M135 zugeordnet werden. Der Wolf hat eine Vorgeschichte im Aargau.

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(chm) «Wir gehen davon aus, dass der Wolf weitergezogen ist», sagte Erwin Osterwalder, Fachbereichsleiter Jagd beim Kanton im vergangenen Sommer zur AZ. Damals war bekannt geworden, dass der Wolf «M135» mehr als zwei Monate zuvor in Oberhof mehrere Schafe gerissen hatte.

Im Kanton Aargau tappte in Erlinsbach ein Wolf zum ersten Mal in eine Fotofalle.Foto zvg/Departement Bau, Verkehr und Umwelt/AG

Im Kanton Aargau tappte in Erlinsbach ein Wolf zum ersten Mal in eine Fotofalle.Foto zvg/Departement Bau, Verkehr und Umwelt/AG



Departement Bau, Verkehr Und Umwelt/Ag / AGR

Nun ist klar: Osterwalder lag richtig. Der Wolf, der durch den Aargau streifte, ist weitergezogen. Und zwar gen Osten. Ob es sich um den gleichen Wolf handelt der bereits 2019 in Erlinsbach in die Fotofalle tappte (Bild oben) ist unklar. Osterwalder bezweifelt das, Belege gibt es aber nicht. Es sei nicht ungewöhnlich, dass Wölfe durch den Aargau ziehen und es darum nicht der gleiche sein muss, sagt Osterwalter auf Anfrage. Der Aargau sei von Wölfen aus dem reproduzierenden Rudel im Waadtland über den Jura ohne grosse Hindernisse zu erreichen. Dafür findet Jagd-Experte Osterwalder:

«Es ist eindrücklich, dass es ein Wolf vom Aargau bis ins Appenzellerland schafft.»

Denn das Tier müsse sich durch dicht besiedeltes Gebiet mit vielen Verkehrshindernissen durchschlagen.

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres sind in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden sowie im angrenzenden St.Galler Rheintal verschiedene Nutztiere von einem Raubtier gerissen worden. Wie der Kanton Appenzell Ausserrhoden nun mitteilt, konnten aufgrund der vor Ort angetroffenen Situation und des Rissbilds die zuständigen Wildhüter diese Risse als Wolfsrisse identifizieren.

Zur Abklärung der genaueren Umstände wurden DNA-Proben von den Bissspuren entnommen und an das Laboratoire de Biologie de la Conservation de l'Université de Lausanne (LBC) zur Analyse eingeschickt.

Von Oberhof in die Ostschweiz gewandert

Nachweise von Wolf M135.

Nachweise von Wolf M135.

Quelle: KORA, LBC und Jagdverwaltungen der Kantone AR, AI und SG

Die genetische Analyse der Proben habe nun ergeben, dass diese Nutztiere alle vom gleichen Wolf getötet worden seien, heisst es weiter in der Mitteilung. Der männliche Wolf mit der Bezeichnung «M135» ist erstmals am 14. Mai 2020 im Kanton Aargau, in Oberhof, nachgewiesen worden. Er konnte bis jetzt fünf Mal genetisch bestätigt werden.

Die Serie der Wolfsrisse begann am 14. Juli 2020 mit dem Riss einer Ziege auf der Potersalp. Am 28. Oktober wurden in Altstätten drei Schafe gerissen, darauf folgend am 30. Oktober ein Schaf in Trogen und am 15. November in Walzenhausen eine Ziege. Der bisher letzte Riss dieser Folge ereignete sich am 21. November in Urnäsch.