Verkehr
Neue Motorfahrzeugstatistik: In einer Gemeinde sind viermal mehr Töffs registriert als im Aargauer Durchschnitt

Mitten in der Debatte über zu laute Motorräder veröffentlicht der Kanton Aargau die alljährliche Motorfahrzeugstatistik. Diese zeigt, dass man die Thematik in Mägenwil wohl besonders interessiert verfolgt: Hier sind pro 1000 Einwohner 366 Motorräder zugelassen – vier Mal mehr als im Durchschnitt. Wohnen hier besonders viele Töff-Fans? Wir sind der Frage nachgegangen.

Dominic Kobelt
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In der Motorrad-Statistik sticht eine Gemeinde besonders heraus: Mägenwil

In der Motorrad-Statistik sticht eine Gemeinde besonders heraus: Mägenwil

keystone/Montage:kob

Die Aargauer SP-Nationalrätin Gabriela Suter will besonders laute Motorräder verbieten. Am Dienstag bespricht die Umweltkommission des Nationalrates die parlamentarische Initiative, die ein Fahrverbot von Motorrädern mit über 95 Dezibel Standgeräusch fordert. Just einen Tag vorher veröffentlicht der Kanton Aargau die neue Motorfahrzeugstatistik. Und darin zeigt sich, dass sich Motorräder hoher Beliebtheit erfreuen: Prozentual nahmen sie am stärksten zu, nämlich um 4,2 Prozent. Demnach waren 60'995 Motorräder eingelöst.

Töff-Mekka Mägenwil?

In der Motorrad-Statistik sticht eine Gemeinde besonders heraus: Mägenwil. 366 Motorräder pro 1000 Einwohner sind einsamer Spitzenwert. Dahinter folgen Reitnau (191) und Leutwil (190), im Schnitt kommen auf 1000 Aargauerinnen und Aargauer 85,6 Motorräder. Mägenwil hat also eine 4 Mal höhere Motorraddichte als die Durchschnittsgemeinde.

Dabei ist es besonders die Kategorie Kleinmotorräder, die zu Buche schlägt: 571 Maschinen sind registriert. Warum das so ist, konnte von der Gemeinde auf die Schnelle auch nicht beantwortet werden. Ein Hinweis findet sich in einem Protokoll einer Gemeindeversammlung aus dem Jahr 2015: «Die Kleinmotorräder, Anhänger und Lieferwagen des ehemaligen Bundesbetriebes "Die Schweizerische Post" mit Standort Aarau mussten mit der Gründung der Aktiengesellschaft mit Standort Mägenwil per Ende 2013 auf Mägenwil umimmatrikuliert werden.»

Markus Werner, Mediensprecher der Post, bestätigt diese Vermutung: «Alle unsere Elektro-Roller, die im Aargau im Einsatz sind, sind auf die Adresse des Postzentrums in Mägenwil registriert.» *

Insgesamt zeigt sich in der Motorfahrzeugstatistik, dass immer mehr Fahrzeuge auf Aargauer Strassen verkehren. Per Ende September ist mit 573'210 registrierten Fahrzeugen ein neuer Höchststand erreicht worden. Der Fahrzeugbestand nahm im Vergleich zur Vorjahresperiode um 1,8 Prozent zu. Der Personenwagenbestand stieg um 1,4 Prozent auf 405'490. Rückläufig war einmal mehr der Bestand der Kleinbusse und Gesellschaftswagen mit einer Reduktion um 9,9 Prozent.

Die höchste Dichte an Personenwagen ist in Böbikon zu finden: Knapp 770 PW auf 1000 Einwohner (127 PW bei 165 Einwohnerinnen und Einwohner). Wie nicht anders zu erwarten, ist in den ländlichen Gemeinden mit weniger öV-Anbindung auch die Auto-Dichte höher.

Und so steht der Aargau im Vergleich zu anderen Kantonen da:

Insgesamt 595'304 Personen waren am Stichtag Ende September im Besitz eines Führerausweises. Das sind 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Von den Inhaberinnen und Inhabern von Führerausweisen waren 54,7 Prozent Männer und 45,3 Prozent Frauen. 6,9 Prozent der Besitzerinnen und Besitzer waren mindestens 75 Jahre alt. (kob/sda)

* In einer früheren Version dieses Artikels war unklar, woher die hohe Zahl an Kleinmotorrädern rührt, weil die Post eine erste Anfrage dementiert hatte. Dies stellte sich als Irrtum heraus.