Dürre

Neue Hitzewelle kommt – die Waldbrand-Gefahr steigt im Aargau

Förster Markus Hossli zeigt im Wald von Würenlingen anhand einer jungen Buche, wie trocken es bereits ist. Chris Iseli

Förster Markus Hossli zeigt im Wald von Würenlingen anhand einer jungen Buche, wie trocken es bereits ist. Chris Iseli

Seit Wochen ist es im Aargau trocken. Bis zum Freitag erwarten uns im Aargau erneut schweisstreibende 33 Grad. Im Kanton besteht schon die zweithöchste Waldbrandgefahrenstufe, teilweise sogar die höchste. Doch ein Feuerverbot besteht noch nicht.

In den nächsten Tagen kommt es zu einer neuen Hitzewelle mit Temperaturen bis 33 Grad am Freitag. Aktuell stuft der Bund die Waldbrandgefahr im Aargau als «hoch» ein. Das ist die zweithöchste Gefahrenstufe. Deshalb rufen der Kantonale Führungsstab, die Abteilung Wald des Departements Bau, Verkehr und Umwelt sowie die Aargauische Gebäudeversicherung die Bevölkerung zur Vorsicht beim Feuern im Freien auf. 

Feuerverbot im Wald: Wieso hat Solothurn eins und der Aargau nicht?

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Nun haben der Kanton Solothurn und die beiden Basel bereits ein Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe erlassen. In einzelnen Regionen im Aargau, etwa im Unteren Aaretal, wurde die Gefahr von SRF Meteo bereits am Sonntagabend als «sehr hoch» eingestuft. Kommt also ein solches Verbot auch im Aargau? André Baur, Einsatzleiter Kantonaler Führungsstab, verweist auf die schon am Freitag erlassene Mahnung zur Vorsicht.

Morgen Mittwoch erfolgt eine neue Lagebeurteilung. Man beobachte die Situation ständig auch in Kontakt mit regionalen Förstern. Eine wichtige Rolle spielt, ob es deswegen vermehrt zu Feuerwehreinsätzen kommt. In umliegenden Kantonen sind es laut Baur aktuell täglich bereits mehrere Feuerwehr-Einsätze aufgrund der Trockenheit. Im Aargau gibt es erst vereinzelte Fälle. Es kann vorkommen, dass ein abgeerntetes Stoppelfeld Feuer fängt, nachdem ein Automobilist achtlos eine noch brennende Zigarette aus dem Fenster geworfen hat.

Laut dem stellvertretenden Kantonsförster Marcel Murri macht man die Lagebeurteilung am Mittwoch zur Waldbrandgefahr natürlich mit Blick auf das Wochenende, an dem die meisten Freizeit-Aktivitäten stattfinden. Dann entscheidet sich, ob es zu einem Feuerungsverbot im Wald und in Waldesnähe kommt.

Die Erfahrung zeige, «dass die Aargauerinnen und Aargauer mit solchen Situationen sehr vorsichtig umgehen». Jetzt hänge halt alles vom Wetterbericht ab. Die Wetterlage sei nicht mehr so stabil: «Es kann durchaus zu Gewittern kommen, die die Lage lokal entspannen können.»

«Ein neues Hoch baut sich auf – und was für eines»: Wetterprognosen vom Montagabend, 13. Juli 2015.

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Was passiert bei Feuerwerksverbot?

Doch was geschieht, falls vor dem 1. August wegen anhaltender Trockenheit tatsächlich ein Feuerwerksverbot erlassen wird? Migros-Mediensprecherin Christine Gaillet: «Die Migros Aare würde bei einem Abbrennverbot in einem einzelnen oder in allen Kantonen per sofort einen Verkaufsstopp erlassen. Die betroffenen Filialen würden via Mail und aus Sicherheitsgründen auch telefonisch informiert.» So weit sind wir aber noch nicht. Die Migros Aare startet den Feuerwerksverkauf am 21. Juli.

Im Unteren Aaretal und weiteren lokalen Räumen im Aargau nahe am Rhein stufte SRF Meteo am Sonntagabend die Waldbrandgefahr als «sehr hoch» ein, während sie im überwiegenden Teil des Kantons noch bei «hoch» stand und steht. Gestern Abend gab SRF Meteo die Gefahr für den Ostaargau von Full-Reuenthal bis Rudolfstetten als sehr hoch an. Wie kommt man zu diesen Daten? Laut Christoph Siegrist vom Meteo-Team sind sie mit einem Modell gerechnet. Man beobachte die drei obersten Bodenschichten, Niederschläge, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und rechne täglich neu. Siegrist: «Um die jetzige Waldbrandgefahrenstufe senken zu können, braucht es etwa 30 bis 60 Millimeter Regen. Und das ist nicht in Sicht.»

Im Unteren Aaretal ist es besonders trocken. Markus Hossli, Förster in Würenlingen: «In unserem Gebiet gab es anfangs der jüngsten Hitzeperiode die höchsten Temperaturen. Vereinzelte Gewitter, die es gab, sind an uns vorbeigezogen. So ist es möglich, dass wir jüngst besonders wenige Niederschläge hatten.»

Wie André Baur vom Kantonalen Führungsstab hat er noch keine aussergewöhnlichen Beobachtungen gemacht, ausser natürlich, «dass das Gras und allgemein die Bodenvegetation beginnt, dürr zu werden. Die Folgen der Hitzeperiode kann man am Waldboden und vor allem an den Waldrändern beobachten. An exponierten Stellen kann man an jungen Buchen bereits verdorrtes Laub feststellen. Wenn es so bleibt, kann es kritisch werden.» Dass Trinkwasser knapp wird, erwartet er nicht: «Wir haben genug Grundwasser, das wird nicht so schnell zum Problem.»

Birr: nicht übermässig bewässern

Anders die Gemeinde Birr. Sie ruft bereits auf, Trinkwasser sparsam einzusetzen. Aktuell bestehe zwar noch kein Anlass zur Sorge, es sei noch genügend Trinkwasser vorhanden: «Aber sollte das Wetter anhaltend heiss und trocken bleiben, könnte dies zu einer Wasserknappheit führen.» Deshalb sollen die Leute insbesondere auf das Befüllen von Pools, das Waschen von Autos sowie das übermässige Bewässern von Grasflächen und Gärten verzichten.

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