Jetzt kommt grosse Dynamik in die Listenverbindungsdebatte der Parteien. Seit Dienstag steht fest, dass SVP, FDP und CVP im Aargau erstmals seit 1999 wieder mit einer gemeinsamen Listenverbindung in die Wahlen gehen. Jetzt laden BDP, GLP und EVP am Freitagmorgen nach Wildegg zu einer gemeinsamen Medienkonferenz. Anschliessend begebe man sich für die Aufnahme von Bildmaterial in die Kantonsmitte, heisst es darin. Das ist Programm.

Schliesslich ist bekannt, dass sich diese drei als Mitteparteien verstehen. Vertreter von GLP und EVP sagten kürzlich in der az, sie wollten in den Wahlen die Mitte stärken. Was liegt da näher als eine Listenverbindung dieser drei Parteien, mit der sie sich die bisherigen zwei Sitze (1 GLP, 1 BDP) sichern können? Spannend dürfte hier die Frage sein, ob es die EVP schafft, mit einem Wählerexploit überraschend eine der beiden anderen zu überflügeln und sich einen der zwei Sitze zu schnappen.

Die Vertreter der drei Parteien lassen die Katze natürlich noch nicht aus dem Sack. Und doch die Frage an Lilian Studer (EVP): Sind diese drei durch die Ankündigung von SVP, FDP und CVP für eine Listenverbindung derart unter Druck geraten, dass sie schon drei Tage später ihrerseits darlegen, wie sie in die Wahlen gehen? Studer winkt ab. Gespräche führe man schon lange. Das habe nichts mit den schon bekannten Listenverbindungen links und rechts zu tun.

Die Parteien spürten nach den letzten kantonalen Wahlen vor dem 18. Oktober einfach, dass die Zeit reif sei für Entscheide. Im Moment laufen bei ihnen noch letzte Gespräche, am Freitag könne man dann materiell Auskunft geben. Das mit SVP, FDP und CVP habe sich im übrigen abgezeichnet. Was diese tun, sei legitim. «Aber», so Studer, «ihr Zusammengehen finde ich trotzdem nicht verständlich. Dies ist doch ein klares Bekenntnis zum gemeinsamen rechten Kurs drei eigentlich eigenständiger Parteien.»

EVP sieht sich als Brückenbauerin

Sieht sie denn noch eine Chance für die vom grünen Präsidenten Jonas Fricker angestrebten grossen Anti-Atom-Koalition in Form einer grossen Mitte-Links-Listenverbindung? Wie vor einigen Wochen an dieser Stelle schon EVP-Präsident Roland Bialek antwortet auch EVP-Spitzenkandidatin Studer sehr zurückhaltend: Die EVP verstehe sich als Brückenbauerin und klassische Mittepartei zwischen den Blöcken: «Mit ganz rechts und ganz links können wir uns nicht identifizieren.»

Erstaunen über CVP

Auch BDP-Präsident und Nationalrat Bernhard Guhl nimmt den Entscheid von SVP, FDP und CVP zur Kenntnis. Auch, dass sich die CVP für diese Listenverbindung entschieden hat. Für die BDP wäre es aber schwierig, in dieser Verbindung auch mit der SVP mitzutun, so Guhl: «Wir haben Wähler, die das nicht goutieren würden.» jetzt aber ist klar, dass die CVP für eine Mitte-Listenverbindung nicht mehr zur Verfügung steht. Umgekehrt «wäre ein Alleingang der BDP mathematisch nicht sinnvoll, wie unser Wahlsystem überhaupt Alleingänge kleinerer Parteien zum Risiko macht.» Mehr will Guhl derzeit noch nicht sagen.

«Mit gutem Wetter voran»

Erstaunt ob dem CVP-Entscheid, «sich dem rechtsbürgerlichen Block anzuschliessen», ist auch GLP-Nationalrat Beat Flach. In Bern arbeite man doch gut zusammen, habe viele Berührungspunkte, etwa in Energie- und Finanzfragen. «Aber», so Flach, «sie müssen selber wissen, ob ihre Wählerschaft diesen Entscheid mittragen kann». Bei der GLP suche man jetzt nach einer Lösung, «wo man sich in der Mitte finden und von den Blöcken ganz links und ganz rechts abgrenzen kann. Da gehen wir mit gutem Wetter voran».

So berichtete der Regionalsender «TeleM1» über den Schulterschluss der bürgerlichen Parteien SVP, FDP und CVP: