Im Montagsinterview äussert sich Franziska Driessen, Zürichs oberste Katholikin, auch zu politischen Themen. So sagte die Präsidentin des Synodalrats: «Der Churer Weihbischof Peter Henrici sagte 2004, ein guter Christ könne nicht SVP wählen. Ich glaube, ich könnte ihm recht geben.»

Das stösst Thomas Burgherr, Präsident der SVP Aargau, sauer auf: «Als ich am Montagmorgen die Zeitung aufgeschlagen habe und das las, habe ich mich fürchterlich aufgeregt.» Andere Parteimitglieder hätten sich telefonisch bei ihm gemeldet und teilten seine Meinung. «Das ist anmassend. Die Kirche sollte für alle Leute und Meinungen offen sein. Frau Driessen ist sehr engstirnig.»

Auf Facebook fordert er von Driessen eine öffentliche Entschuldigung. «Ich bin Präsident der SVP Aargau, Nationalrat der SVP und ein gläubiger Christ! Frau Driessen hat viele in der SVP verletzt, mich auch!»

Burgherr schreibt ausserdem: «Im Interview wurde für mich nicht klar, ob diese Frau wirklich an Gott glaubt!». Wie ist das gemeint? «Die Frau klassifiziert, wer ein guter Christ ist und wer nicht. Aber ich lese im ganzen Interview kein klares Bekenntnis zu Gott», führt Burgherr aus.

Driessen begründete ihre Meinung im Interview: «Es bereitet mir Mühe, wie man sich als Teil einer Kirche sehen kann, wenn man deren wichtigsten Grundwert nicht achtet: für den Nächsten da zu sein. Aber im Johannes-Evangelium steht: In meines Vaters Haus hat es viele Zimmer.»

Sie stehe zu ihren Aussagen, sagt sie heute gegenüber der "Aargauer Zeitung". «Ich möchte aber niemanden aus der Kirche ausschliessen, es geht mir darum, eine Debatte zu führen. Ich will das Gastrecht verteidigen, das eines der wichtigsten christlichen Werte darstellt.» Deshalb sehe sie keinen Grund für eine Entschuldigung, wie sie Burgherr fordert.

Die Frage, ob sich die Kirche zu politischen Themen äussern sollte, sieht Burgherr differenziert: «Die Kirche hat einen klaren Auftrag, und der ist, das Evangelium zu verkünden. Die Kirche soll sich äussern können, aber es muss klare Grenzen geben. Es sollte nicht einseitig sein, so wie Frau Driessen das tat.»

Einen Konflikt zwischen christlichen Werten und der Asylpolitik der SVP sieht Burgherr nicht. «Ganz im Gegenteil. Wir müssen dafür sorgen, dass man Flüchtlingen, die an Leib und Leben bedroht sind, hilft. Egal ob hier oder in ihrer Heimat. Was aber gar nicht geht, ist, dass immer mehr Wirtschaftsflüchtlinge in die Schweiz kommen und das System so missbrauchen.» Zu viele Leute kämen hierher, um auf Kosten der Sozialwerke zu leben. «Es bringt doch nichts, wenn ein Eritreer jeden Monat 20 Franken nach Hause schickt. Das Land muss von unten aufgebaut werden und braucht die jungen Männer für eine positive Entwicklung.»

Weiterer Streitpunkt: Anerkennung des Islams

Auch eine weitere Aussage erzürnt Burgherr: Driessen will sich für die öffentlich-rechtliche Anerkennung von Muslimen und Orthodoxen einsetzen. «Einen Facebook-Post hätte ich allein deswegen nicht gemacht, aber es hat mich doch auch genervt. Wir sind ein christliches Abendland und wollen das auch bleiben.» 

Franziska Driessen betont, es gehe ihr darum, bei den Muslimen eine Ansprechperson zu finden. Im Interview beschrieb sie ihre Forderungen so: «Eine Anerkennung heisst für uns aber nicht unbedingt, dass Muslime Kirchensteuern einziehen können. Uns schwebt eine sogenannte kleine Anerkennung vor. Diese würde zum Beispiel bedeuten, dass ein muslimischer Seelsorger Zugang zu einem Spital oder Gefängnis einfordern und dort Patienten besuchen darf. Heute hängt das vom guten Willen eines Spitals und eines Gefängnisses ab. Es braucht dafür rechtliche Grundlagen, die auch die Pflichten klar regeln.»