Abstimmung

Mundart-Initiative: Mit «Rüebli statt Karotten» gegen den Kulturzerfall

René Kunz, Tonja Kaufmann und Christoph Riner werben für «Rüebli statt Karotten».

René Kunz, Tonja Kaufmann und Christoph Riner werben für «Rüebli statt Karotten».

Nicht nur unnötig, sondern pädagogisch unsinnig sei die Mundart-Initiative, verkündete diese Woche das Gegner-Komitee. Jetzt melden sich die Initianten zu Wort: Sie befürchten einen Kulturverlust.

«Rüebli statt Karotten»: Unter diesem Motto präsentierte sich das Komitee für die Mundartinitiative in der «Rüeblimärt-Hauptstadt» Aarau. An derSpitze des Komitees stehen René Kunz (ehemaliger Grossrat der Schweizer Demokraten), SVP-Grossrat Christoph Riner und Tonja Kaufmann, Präsidentin der Jungen SVP Aargau.

Die am 31. Mai 2012 eingereichte Initiative will, dass an der Mundart im Kindergarten festgehalten wird. Sie verlangt dazu eine Änderung des Schulgesetzes: Die Unterrichtssprache im Kindergarten soll grundsätzlich die Mundart sein. Seit einiger Zeit wenden Kindergärtnerinnen während der Hälfte der Unterrichtszeit Hochdeutsch an. Der Regierungsrat ist den Initianten ein Stück entgegen gekommen, neu liegt der Anteil bei mindestens einem Drittel.

Die Tendenz zum Hochdeutschen als Umgangssprache im Kindergarten stelle ein gewaltiges Problem dar, finden die Initianten. Sie sei ein verhängnisvoller Eingriff in unser Kulturerbe, und dieser Kulturverlust werde letztlich sehr teuer zu stehen kommen.

Dem «Zerfall» der Mundart im Kindergarten, den René Kunz und seine Mitstreiter beobachtet haben wollen, müsse auch entgegengewirkt werden, weil die Mundart ohnehin durch den zunehmenden Gebrauch von Wörtern und Redewendungen aus dem angloamerikanischen Sprachraum Schaden erleide.

Erfreulich sei es zu beobachten, dass sich in der Schweizer Musikszene die Mundartlieder – von Bligg, Baschi, Gölä, Florian Ast usw. – immer grösserer Beliebtheit erfreuen.

Fünf Hauptpunkte führt das Initiativkomitee an, warum im Kindergarten nicht Hochdeutsch gesprochen werden sollte:

Im Kindergarten sollen Kinder vor allem das soziale Verhalten erleben und stärken können, dies sei am besten möglich in der Ausdrucksweise in der angestammten Muttersprache, der Mundart.

Man solle Kinder in dem Alter noch Kinder sein und sie richtig in unsere Mundart eintauchen lassen. Die sprachliche Erweiterung durch das Hochdeutsche komme mit dem Schuleintritt noch früh genug.

Die Mundart gehöre zu unserer Kultur. Gerade in der heutigen schnelllebigen und globalisierten Welt sei es enorm wichtig, diese Kultur, ihre Eigenheiten und Traditionen zu leben und zu pflegen.

Die Mundart sei eine wichtige emotionale Stütze in der Entwicklung der Kinder.

Die Mundart könne auch als Sprache zur Integration verstanden werden. Es gebe keine bessere Integrationsmöglichkeit als das Beherrschen der Umgangssprache.

«Auch in Zukunft soll es im Chindsgi Rüebli statt Karotten heissen. Ein Ja ist ein Ja zur Zukunft unserer Mundart und somit ein Ja zu unserer eigenen Kultur», findet Initiant René Kunz. (az)

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