Streusalz

Milder Winter: Aargauer Gemeinden sitzen auf riesigen Salzbergen

Der milde Winter lässt den Streusalzverbrauch einbrechen

Der milde Winter lässt den Streusalzverbrauch einbrechen

Lenzburg brauchte in diesem Winter nur 15 Tonnen Streusalz, eine Saison zuvor waren es noch 230 Tonnen. Die Aargauer Gemeinden sitzen auf Salzbergen. Rund 75 Prozent wurde weniger verbraucht – was Bauämter freut, trifft die Rheinsalinen empfindlich.

Von hundert auf null, von sehr hart zu extrem mild – die letzten beiden Winter hätten unterschiedlicher nicht sein können. Das bekamen die Bauämter zu spüren: «Letzten Winter haben wir 230 Tonnen Streusalz gebraucht, heuer waren es nur gerade 15», sagt beispielsweise Heinz Stettler, Werkmeister des Stadtbauamtes Lenzburg.

Damit ist das Silo mit einem Fassungsvermögen von 75 Tonnen noch fast voll. Stettler will es diesen Frühling auch nicht auffüllen lassen. «15 Tonnen gäben noch nicht einmal eine ganze Lastwagenlieferung voll.»

Traurig ist Stettler über den milden Winter nicht, im Gegenteil. Seine Männer hätten viel aufarbeiten können, was die letzten Jahre liegen geblieben sei.

Ein Glücksfall ist das Wetter auch für das in den letzten Jahren arg gebeutelte Budget des Bauamts: Pro Grosseinsatz mit Strassenräumung und Salzen werden für Personal und Material 15 000 Franken fällig.

Im Winter 2012/13 rückten die Lenzburger 14-mal im grossen Stil aus, 43 Einsätze waren es mitsamt den kleinen Einsätzen. «Diesen Winter gab es bloss einen einzigen Einsatz», so Stettler.

Selbst in etwas höheren Lagen zeigt sich das gleiche Bild: «Wir haben etwas mehr als eine halbe Lastwagenladung Streusalz gebraucht, also rund 15 Tonnen», sagt Peter Züsli, Werkmeister in Reinach.

Zum Vergleich: Im letzten Winter waren es um die 125 Tonnen. «Auch haben wir nur ein einziges Mal, am 22. November, das ganze Strassennetz pflügen und salzen müssen», sagt Züsli.

So etwas habe er vor gut 20 Jahren zum letzten Mal erlebt. Diesen Winter fuhr der Streusalzer 22-mal, im letzten Winter 98-mal.

Das habe natürlich auch Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen: «Als Gemeinde spart man nie so einfach Geld wie in solch milden Wintern.» Zudem entstünden auch weniger Belagsschäden.

Kanton spart wohl 3 Millionen

Diesen Winter rund 100 Tonnen Streusalz eingekauft und gebraucht hat die Stadt Baden. «Einen noch tieferen Verbrauch hatten wir nur im Winter 2007/08, da lagen wir bei 90 Tonnen», sagt Thomas Stirnemann, Leiter Werkhof.

Zum Vergleich: Im Rekordwinter 2012/13 wurden 440 Tonnen Salz gestreut. Leicht unter dem Badener Wert liegen die Städte Aarau und Brugg: In Aarau wurden heuer rund 200 Tonnen Salz eingekauft und um die 55 Tonnen gestreut, Brugg nahm 30 Tonnen an Lager und verbrauchte nur gerade zwei Tonnen.

Im Herbst gar kein Streusalz eingekauft hat die Gemeinde Frick: «Wir haben das Salzlager im Frühling auf einen Grundstock aufgefüllt und den Winter über rund 6 Tonnen gebraucht», sagt Werkmeister Georg Schmid. So wenig, dass er sich überlege, das Lager überhaupt wieder aufzufüllen.

Noch keine Zahlen liegen bei der Abteilung Strassenunterhalt beim Kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt vor; hier wird der Verbrauch pro Kalenderjahr erfasst.

«Wir schätzen die Minderkosten für den Winterdienst aber auf rund 3 Millionen Franken», sagt Dominik Studer, Leiter Unterhalt.

Da aufgestaute Aufgaben insbesondere in der Grünpflege erledigt werden konnten, resultierten laut Studer für den gesamten Unterhalt Minderkosten von rund 2 Millionen.

Was für die Gemeinden ein Glücksfall ist, trifft die Schweizer Rheinsalinen AG in Rheinfelden hart. Nach einem rekordhohen Streusalz-Verbrauch von 230 000 Tonnen zwischen November 2012 und März 2013 brach dieser in den letzten Monaten stark ein: «Wir haben diesen Winter pro Monat rund ein Drittel oder ein Viertel dessen ausgeliefert, was die Kunden noch im Winter 2012/13 brauchten», sagt Geschäftsführer Urs Hofmeier.

Weil aber nur 30 bis 50 Prozent des gewonnenen Salzes als Auftausalz auf die Strasse gehen und auch die Lagerkapazitäten nicht erschöpft sind, konnten die Salinen im nahezu normalen Betrieb weitergeführt werden. Derzeit liegen rund 170 000 Tonnen an Lager, Platz hätte es für 240 000 Tonnen.

Ist es angesichts der gestern mit dem Weltklimabericht erneut bestätigten Klimaerwärmung nicht voreilig, ein neues Bohrfeld zu erschliessen, wie dies in Möhlin angedacht ist (az vom 29. März)? Man studiere die Szenarien sehr genau, sagt Hofmeier.

«Historisch gesehen ist es nicht ungewöhnlich, dass sich strenge und milde Winter abwechseln. Wir gehen davon aus, dass das die nächsten 20 Jahre noch so bleibt.»

Und in Anbetracht dessen, dass längst nicht alles Salz auf der Strasse landet, sei es nötig, langfristig das Salzvorkommen für den Abbau zu sichern.

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