Aufarbeitung

Medikamentenversuche in der Aargauer Psychatrie: Die Regierung will Aufklärung

In der Psychiatrischen Klinik Königsfelden soll es ab den 50er-Jahren zu Medikamenten versuchen an Patienten gekommen sein. Das wird nun untersucht.

In der Psychiatrischen Klinik Königsfelden soll es ab den 50er-Jahren zu Medikamenten versuchen an Patienten gekommen sein. Das wird nun untersucht.

Ab den 1950er-Jahren gab es in der damaligen Psychiatrischen Klinik Königsfelden wohl Medikamentenversuche an Patientinnen und Patienten. Der Aargauer Regierungsrat lässt den Verdacht nun von Historikern aufarbeiten.

Der Aargauer Regierungsrat entschied, das Institut für Medizingeschichte der Universität Bern mit der Aufarbeitung allfälliger Medikamentenversuche zu beauftragen, wie die Aargauer Staatskanzlei am Montag mitteilte. Die Ergebnisse der Universität Bern werden voraussichtlich Mitte 2020 vorliegen.

Es müsse davon ausgegangen werden, dass mit dem Beginn der modernen Psychiatrie ab den 1950er-Jahren auch im Aargau, in der damaligen Psychiatrischen Klinik Königsfelden, Medikamententests vorgenommen worden seien, heisst es in der Mitteilung. Mit der wissenschaftlichen Untersuchung solle die historische und gesellschaftliche Verpflichtung wahrgenommen werden.

Das grosse öffentliche Interesse an Medikamentenversuchen in psychiatrischen Kliniken sowie das im Grossen Rat überwiesene Postulat der SP für eine unabhängige Studie zu Medikamentenversuchen in Aargauer Institutionen unterstrichen die Notwendigkeit der Studie.

Die von den heutigen Psychiatrischen Diensten Aargau (PDAG) beantragte wissenschaftliche Aufarbeitung beginnt noch diesen Monat und dauert voraussichtlich bis Mitte 2020. Das Institut für Medizingeschichte der Universität nahm bereits in anderen Kantonen ähnliche Analysen vor.

Die Kosten der Untersuchung belaufen sich auf 38'000 Franken. Rund zwei Drittel werden durch den Swisslos-Fonds finanziert. Die PDAG beteiligen sich mit einem Drittel an den Studienkosten und übernehmen zudem die Kosten der Vorabklärungen.

Untersuchungen in anderen Kantonen

Vor vier Jahren war in mehreren Kantonen die Frage nach Medikamentenversuchen in psychiatrischen Kliniken in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Es wurde bekannt, dass zwischen 1940 und 1980 in der Thurgauer Psychiatrie Münsterlingen Medikamente an Patienten getestet wurden.

In der Folge liess der Kanton Thurgau die Sache wissenschaftlich untersuchen. Weitere Kantone - wie etwa Basel-Stadt, Bern und Zürich - gaben ebenfalls Untersuchungen in Auftrag.

«Königsfelden» mit langer Geschichte

Seit knapp 150 Jahren befindet sich auf dem Areal Königsfelden in Windisch eine psychiatrische Klinik, die für die Bevölkerung des Kantons Aargau die psychiatrische Versorgung weitgehend abdeckt.

Die Psychiatrische Klinik Königsfelden war bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine kantonale Anstalt. Im Jahr 2004 wurde die Institution als Psychiatrische Dienste Aargau AG in eine Aktiengesellschaft in vollständigem Besitz des Kantons Aargau überführt.

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