Kolumne

Mäkeln am Wakkerpreis: «Die spinnen, die Badener!»

Der Brown-Boveri-Platz bekommt ein neues Parkhaus. Was auf dessen Deckel geschieht, ist noch nicht klar. (Bild 2. Dezember 2019)

Der Brown-Boveri-Platz bekommt ein neues Parkhaus. Was auf dessen Deckel geschieht, ist noch nicht klar. (Bild 2. Dezember 2019)

Hans Fahrländer, ehemaliger Chefredaktor der Aargauer Zeitung, hinterfragt, warum der Heimatschutz die Stadt Baden mit dem Wakkerpreis gewürdigt hat.

Meine Heimatstadt Aarau hat ihn schon, seit 2014. Auch die Aargauer Gemeinden Laufenburg (1985), Turgi (2002) und Rheinfelden (2016) haben ihn. Nun hat ihn auch meine Wohnstadt Baden. Ihn, den Wakkerpreis, den der Schweizer Heimatschutz für besondere Leistungen in der Ortsbildentwicklung verleiht. So ein Preis soll Freude bereiten und Flügel verleihen. Doch in Baden ist alles anders. Bei den Reaktionen, zumindest jenen von ausserhalb des Stadthauses, dominieren Staunen oder gar Missbilligung. Höhepunkt des Empörens («Unverdient!») war ein Gastbeitrag der Badener Theater-Frau Stella Palino in der letzten «NZZ am Sonntag». Damit ist das Thema auf nationaler Ebene angelangt. «Die spinnen, die Badener», denkt der Rest der Schweiz, «mäkeln statt sich zu freuen.»

Tatsächlich hat sich Baden städtebaulich nicht nur gut entwickelt. Es gab Sündenfälle, Profitgier, Stillstände, bisweilen wenig Verständnis für gewachsene Strukturen. Ich habe 2014, bei der Auszeichnung von Aarau, an dieser Stelle geschrieben, die Bäderstadt würde diesen Preis bestimmt nicht gewinnen. Und schon hat sie ihn! Gewiss, Baden hat Vorzeigebeispiele von geglückten Entwicklungen und Objekten, im Limmatraum, in der Altstadt oder etwa im Merker-Areal. Doch viele davon stammen aus vergangenen Jahrzehnten. Und für längst vergangene Heldentaten ist der Wakkerpreis eigentlich nicht gedacht.

Allerdings ist er auch nicht für noch weit Entferntes vorgesehen. Das hat in Baden besonders irritiert: In der Lobesrede des Heimatschutzes ist explizit der Brown-Boveri-Platz östlich des Trafo-Komplexes erwähnt. Dort sind vor kurzem die Bagger aufgefahren, dort entsteht zuerst einmal ein Parkhaus mit 500 Plätzen. Was anschliessend, ab 2022, auf dem Deckel geschieht, ist noch nicht ganz klar. Der Stadtrat hat erste Pläne bereits einmal abgespeckt, aus Kostengründen, unter anderem eine Passerelle zur Anbindung des Platzes an die Innenstadt gestrichen. Und dafür nun dieser Preis?

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte zwischen der wakkeren Hymne und Stellas Totalverriss. Nehmen wir das Ganze als Verpflichtung! Wir wünschen dem Stadtrat und der Verwaltung künftig viel Achtsamkeit bei eigenen Vorhaben und viel Wachsamkeit bei privaten Bauten.

hans.fahrlaender@chmedia.ch

Baden früher und heute

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